Filmkritik | American Shaolin (USA, 1991)

American ShaolinKampfsportfilme waren im Westen ja eine Zeit lang, d.h. so in den 80ern, schwer in Mode. Relativ spät, d.h. 1991, wurde in der Karate Tiger-Reihe noch schnell American Shaolin nachgeschoben. Hätte man uns das doch nur erspart.

Drew Carson ist der typische Teenager von nebenan. Coolness, Fingerspitzengefühl oder geistige Reife besitzt er nicht gerade. In seinem Kampfsportverein ist er obendrein seinem Rivalen Trevor unterlegen. Das regt ihn so auf, dass er schnurstracks mit dem nächsten Flieger nach China reist, um dort ins Shaolin-Kloster aufgenommen zu werden. Die dortigen Mönche wollen zunächst nichts von ihm wissen. Durch seine Sturheit wird Drew schließlich doch noch im Kloster aufgenommen und nach Anlaufsschwierigkeiten wird aus ihm ein klasse Kämpfer, der auch psychisch gereift zu sein scheint. Doch dann trifft er im Ring wieder auf Drew.

Klingt nach üblem Schund? Ist es auch. Die Shaolin-Mönche und deren Kampfkunst begeistern schon seit Langem die Menschen. Nicht zuletzt hat man diesen Trend natürlich den vielen alten Hongkong-Filmen zu verdanken, welche das Shaolin-Kung-Fu immer wieder als unbesiegbaren Kampfstil glorifizierten. Das hat im Westen einst eine ganze Generation Interessenten geprägt und Drew fährt im Film wohl stellvertretend für alle nach China, um den großen Traum wahr werden zu lassen—Kung-Fu im Shaolin-Kloster zu erlernen. Ein großer Traum freilich, den Drew nur aus Rachegedanken und voll spontan nach einer Niederlage fasst. So spontan, dass man noch nicht einmal erfährt, was seine Eltern, die Schule oder Konsulate zwecks Visumsausstellung dazu sagen. Drew spricht natürlich kein Wort Chinesisch—braucht er in China aber auch nicht. Denn in dem kleinen Dorf, in das es ihn nach kurzer Sightseeing-Tour in Peking verschlägt, spricht zum Glück jeder Hinterwäldler perfektes Englisch. Ist doch klar. Selbst die Shaolin-Mönche, die Drew kurz darauf aufsucht, halten ihre Zeremonien in der Fremdsprache ab. Damit macht man es sich ziemlich einfach, zeigt aber auch eindrucksvoll, auf welchem Niveau der Film angesiedelt ist.

Nun, wer so hitzköpfig und ignorant nach China aufbricht, hat sich natürlich auch nicht mit der Philosophie des Tempels auseinandergesetzt, und so will sich Drew nur ungern dem schweren Mönchsalltag fügen, welcher aus viel Training und noch mehr harter Arbeit besteht. Rebellisch wie er nun einmal ist, schmuggelt er ein Playboy-Heft in die Klosterhallen, zettelt Aufstände und Gesangseinlagen an und ist durch sein rüpelhaftes Benehmen für die ein oder andere Gruppenstrafe verantwortlich. Klar, einerseits wird dadurch viel Humor—oder das, was die Macher dafür halten—eingestreut, andererseits erreicht man so selbst in den ansehnlichen Shaolin-Hallen nur das primitivste Niveau dieser Filme, in denen einer zurückgebliebenen Chaotentruppe durch harte Trainer Disziplin beigebracht werden soll. Und so dürfte man sich wohl nur im Vollrausch über Chaoten-Mönch Drew und seine (klischeebeladenen) Kameraden amüsieren können. Der Aspekt des Culture-Clashes, der für um einiges spaßigere Unterhaltung hätte sorgen können, wird durch die dumme Art nämlich total verhauen.

Durch ein chinesisches Mädchen als Love Interest für Drew wird weiteres jugendtaugliches Material in den Film eingewoben. Im Stil Tausend anderer Sportfilme wird diese Nebengeschichte jedoch formelhaft und lieblos heruntergespult und ist auch nicht weiter wichtig. Die Action konzentriert sich auf Massentrainingsszenen, ein paar dümmliche Straßenschlägereien und zwei Ringkämpfe gegen Trevor, die die abendfüllende Episode im Shaolin-Kloster umklammern. Solche Trainingssequenzen hat man schon in Tausend anderen Filmen gesehen und die Kampfszenen sind wenig spektakulär—die im Ring sowieso, weil der Ausgang eh jedem von Anfang an klar ist und so nicht einmal im Ansatz Spannung aufkommt. Zu allem Überfluss schreit die primitive Synthesizer-Musik dann auch noch nach Direct-to-Video bzw. nach Diebstahl aus diversen 80er-Jahre-Hongkong-Streifen.

American Shaolin ist echt ein übler Kung-Fu-Krampf. Kinder und Betrunkene dürften gelegentlich über den Humor lachen, dem Rest wird’s eher sauer aufstoßen. Die Naivität und Dümmlichkeit, die dieser Streifen an den Tag legt, ist zum Kopfschütteln, die Actionszenen zum Gähnen und die Liebesmomente zum Schreien. Wer primitive Filme à la Double Dragon oder generell Kampfsportfilme mag, sieht das Ganze vielleicht weniger drastisch. Doch egal, wie man es dreht oder wendet—American Shaolin bleibt Schrott.

© Shaoshi, 1. Mai 2011
2/10

American Shaolin: King Of The Kickboxers
USA • 1991 • 100 Min • FSK 16 • Actionkomödie
Regie | Lucas Lowe
Darsteller | Reese Madigan, Trent Bushey, Daniel Dae Kim, Billy Chang, Cliff Lenderman, Henry O, Kim Chan, Alice Zhang Hung, Jean Louisa Kelly, D.D. Delaney, Sifu Jai, Michael Depasquale Jr.

Und wie gefällt Euch der Film?

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