Filmkritik | Kung Fu Hustle (Hongkong, 2004)

Kung Fu Hustle2001 erlangte Hongkong-Komiker Stephen Chow mit Shaolin Kickers das längst fällige Ansehen im Westen und damit gleich seinen internationalen Durchbruch. Klar sollte das keine Eintagsfliege bleiben und so toppte Stephen Chow 2004 sein mit CGI-Effekten versetztes Kung-Fu-Fußball-Comedy-Spektakel mit dem Nachfolger Kung Fu Hustle in allen Bereichen. Ist ja auch kein Wunder, denn das Multitalent war Regisseur, Autor, Hauptdarsteller, Komponist und Produzent in einem und konnte sich hier ganz nach Belieben austoben.

Wie in Stephen Chows Filmen so üblich, spielt auch in Kung Fu Hustle die Handlung eine mehr als untergeordnete Rolle und dient lediglich als Rahmen für den albernen Rest. Wir gehen einmal davon aus, dass die Geschichte im China der 30er Jahre angesiedelt ist, wo es die berühmt-berüchtigte Axt-Gang (u.a. Danny Chan, Lam Suet, Tin Kai-Man) auf eine ärmliche Wohnsiedlung abgesehen hat, seit der nichtsnutzige Möchtegern-Ganove Sing (Stephen Chow) in dem Bestreben, selbst einmal Mitglied der Gangsterbande zu werden, alle gegeneinander aufgehetzt hat. Was für ein Glück, dass in der Wohnsiedlung ein paar pensionierte legendäre Kampfkunstmeister wohnen, die sich nun noch einmal auf in den Kampf machen, um ihre Heimat vor den Axt-Gangstern zu verteidigen. Und auch Sing erweist sich schlussendlich als überaus wertvoller Kämpfer, der mit seinen aktivierten übermenschlichen Fähigkeiten mal so richtig aufmischen kann.

Das klingt ein bisschen so wie die Handlung zahlloser alter Eastern, von denen einige bei Kung Fu Hustle sicherlich Pate standen. Das Gesamtergebnis ist dann aber kein bisschen so. Schnell wird klar, dass in Kung Fu Hustle alles möglich ist. Die comichafte Inszenierung steigert sich bis zum Showdown ins Unermessliche. Die kämpferischen Fähigkeiten der einzelnen Figuren verstärken sich immer mehr, so dass klar sein dürfte, dass hier ohne CGI-Effekte gar nichts geht. Da fliegt man durch die Lüfte, kämpft sich mit CGI-Effekt-erfordernden Spezialattacken einen Wolf und lässt seine Schläge und Tritte von wahrer Durchschlagskraft zeugen, so dass zum Schluss auch das halbe Gebäude in Schutt und Asche liegt und die schwarzgekleideten Bösewichte wie nach einem Wetterumschwung vom Himmel hageln. Den halben Film über hat man deshalb das Gefühl, eher einen Animationsstreifen denn einen Realfilm zu sehen. Ärgerlich vor allem für diejenigen, die nicht so sehr auf Animation stehen, zumal die (obzwar preisgekrönten) Computereffekte schon sehr offensichtlich und bisweilen arg künstlich rüberkommen. Die sauberen Kampfchoreographien vom alten Hasen Yuen Woo-Ping machen das allerdings wieder wett und auch die nötige Härte wird dabei nicht vermisst.

Neben all diesem Effektfeuerwerk wird leider die Humorkomponente etwas vernachlässigt. Zwar ist von der ersten Minute an klar, dass man Kung Fu Hustle keinesfalls ernst nehmen sollte und auch gar nicht kann, doch richtige Brüller liefert uns Stephen Chow in diesem ganz schön albernen Streifen nicht ab. Ausgelutschte Gags und eine flapsige deutsche Synchronisation reichen nicht zur großen Komödie, und die Slapstick-Einlagen und andere witzige Einfälle sind meist eher grotesk denn lustig. Für gute Unterhaltung ist aber trotzdem gesorgt, sofern man die 95 Minuten Laufzeit ohne Hirn durchstehen möchte. Schon allein die Charakterisierung der Figuren ist sehenswert. Da überzeugen nicht nur die gut angelegten Rollen der alten Herren mit ihren fast vergessenen Kampfkünsten, die dann in recht brachialen Szenen ihr Leben lassen müssen, sondern auch die grimmige Hausbesitzerin (Yuen Qiu) und ihr doofer Ehemann (Yuen Wah) sowie Stephen Chows über Längen überflüssige Figur Sing und dessen dicker Kumpel.

Stephen Chow gelang mit Kung Fu Hustle ein modernes Kung-Fu-Märchen voller Albernheiten, angedeuteter Parodien und gewagter Realisierung grotesker Ideen. Dank der Kung-Fu-Erfahrung der meisten Beteiligten (selbst Stephen Chow ist da nicht ganz Laie) und Unterstützung von Yuen Woo-Ping und Sammo Hung für Actionszenen und Stunts sind die Kampfszenen sehr solide und relativ hart geworden. Es hätte sogar ein klassischer Stephen-Chow-Film werden können, hätte man den CGI-Effekten nicht gar so viel Gewicht beigemessen. Insofern unterscheidet sich Kung Fu Hustle von Stephen Chows alten (in Deutschland zumeist nicht veröffentlichten) Werken. Die Erzählweise bleibt immer noch genauso willkürlich und grotesk wie eh und je, doch Chows willkommene Albernheiten und Wortspielereien werden hier zugunsten von modernen Spezialeffekten zu sehr an den Rand gedrängt. Wer Stephen Chows Klassiker liebt, der dürfte bei Kung Fu Hustle deshalb etwas enttäuscht sein. Neue Fans dürften mit der Kung-Fu-Komödie trotzdem gewonnen werden. Gut unterhalten wird man nämlich trotz allem: dafür sorgen schon die kompakte Laufzeit, die penible Ausarbeitung sowie das typisch asiatische Chaos an grotesken Einfällen, kopflosen Albernheiten und dem bedingungslosen Einsatz aller Beteiligten.

© Shaoshi, 5. April 2010
6/10

功夫 | Gong Fu
Hongkong • 2004 • 95 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Regie | Stephen Chow Sing-Chi
Drehbuch | Stephen Chow Sing-Chi, Tsang Kan-Cheong, Lola Huo, Chan Man-Keung
Darsteller | Stephen Chow Sing-Chi, Yuen Wah, Yuen Qiu, Danny Chan Kwok-Kwan, Lam Chi-Chung, Tin Kai-Man, Bruce Leung Siu-Lung, Feng Xiaogang, Eva Huang Shengyi, Chiu Chi-Ling, Xing Yu, Dung Chi-Wa, Fung Hak-On, Lam Suet, Jia Kang-Xi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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