Film | Drei kleine Angsthasen (China, 1981)

Drei kleine AngsthasenWusstet ihr, dass China schon vor gefühlten Urzeiten Zeichentrickfilme produziert hat, von denen es der ein oder andere tatsächlich bis nach Deutschland geschafft hat? Drei kleine Angsthasen, die Verfilmung einer chinesischen Fabel, ist so ein Werk. Mit eigenwilligem Stil, chinesischer Orchestermusik und Spannung hält man den Zuschauer bei der Stange: Wer oder was ist dieser Gudong? Und warum laufen alle so panisch vor ihm davon?

Chinesische Kinderfilme in Deutschland

Zu einer Zeit, als China noch als exotisches Land ganz weit weg galt, flimmerte in der ARD und im ZDF so manch chinesisches Werk für die Kleinsten über die Mattscheiben. Diese Zeichentrickfilme bedienten sich eines ganz eigenen Stils — fern vom Design des klassischen Japan-Animés oder der Knuffigkeit eines Walt-Disney-Streifens — und wurden seit den 50er Jahren hauptsächlich vom Shanghai Animation Film Studio produziert.

Heute dürften diese Filmchen in Deutschland quasi vollständig in der Versenkung verschwunden sein. Wenn ihr noch uralte Videokassetten zu Hause habt, auf denen die ein oder andere Perle überraschenderweise die Jahrzehnte überdauert hat, dürft ihr euch glücklich schätzen. Ich entdeckte so zum Beispiel Drei kleine Angsthasen wieder.

Gudong ist gekommen!

Inhaltlich ist nicht viel los, so dass auch die Kleinsten der Handlung gut folgen können. Der rund zwanzigminütige Film dreht sich um drei kleine Hasen, die beim Spielen im Urwald durch ein seltsames Geräusch (»gudong«) aufgeschreckt werden und panisch davonlaufen. Auf ihrer Flucht scheuchen sie so manches Dschungeltier auf, das ebenfalls in Panik ausbricht. Denn die seltsamen Geräusche sollen vom bösartigen Gudong provoziert werden. Bald flüchtet die gesamte Dschungelpopulation vor Gudongs Ankunft — doch gemeinsam haben sie schließlich den Mut, sich dem finsteren Monster entgegenzustellen.

Kann sich in Deutschland noch irgendjemand an diesen Film erinnern? Bestimmt nicht viele. Das zeigt sich schon daran, dass sich im Internet zwar tonnenweise Information auf Chinesisch, aber keine einzige auf Deutsch finden lässt. Dabei hätte Drei kleine Angsthasen schon durch sein Design durchaus das Zeug zum Kult. Der Zeichentrickfilm mit ungewöhnlichem Stil ließe sich von der zweidimensionalen Machart noch am ehesten mit Southpark vergleichen, hat damit aber natürlich nichts zu tun.

Die 2D-Tierfiguren mit recht starren Gliedmaßen bewegen sich also zwanzig Minuten lang vor minimalistischen Aquarellhintergründen. Langweilig wirkt das allerdings nicht. Dafür sind die Tiere mit vielen bunten Verzierungen wie knalligen Augenrändern oder bunten Punkten an den Gelenken ausgestattet, was ihnen etwas Eigenartiges und auch Exotisches verleiht. Ein echter Hingucker, wenn auch der ein oder andere vermutlich nicht ganz mit dem Design zurechtkommen wird.

Exotisch, ungewöhnlich, spannend

Die schlicht und geradlinig erzählte Geschichte punktet tatsächlich mit Spannung. Chinesische Kinder kennen die Geschichte wohl bereits aus Büchern, Neuverfilmungen oder Schulaufführungen, aber hierzulande dürfte ein jeder mitfiebern, wenn die Tiere, egal ob Hase, Bär, Fuchs, Flusspferd, Affe oder Elefant, panisch Reißaus nehmen. Wer oder was ist denn nun dieser Gudong? Und wie wird die Geschichte wohl ausgehen?

Als Erwachsener ahnt man natürlich gleich, dass es sich bei Gudong nicht um ein reißerisches Monster handeln wird. Doch was es nun tatsächlich ist, hält einen die rund zwanzig turbulenten Minuten gut bei der Stange. Traditionelle chinesische Orchestermusik unterstreicht die Panik der Tiere nur zu gut und sorgt bei unsereinem für exotisch, aber auch nostalgisch angehauchte Unterhaltung.

Zuletzt wartet das Filmchen natürlich mit einer Moral auf — du sollst den anderen nicht alles glauben und ihnen nicht blind hinterherlaufen. Eine Universalmoral, die sich lustigerweise auch heute noch z.B. bei unseren lieben Medien, die ja gern zu jeder »Katastrophe« Panik verbreiten, anwenden lässt.

Fazit

Wenn man Drei kleine Angsthasen einmal gesehen hat und die Pointe kennt, lohnt sich als Erwachsener das Zuschauen natürlich nicht noch einmal. Beim ersten Mal ist der Film aber spannend — für Kinder sowieso —, bereitet eine allgemeingültige Moral auf und besticht durch seinen eigentümlichen Stil.

Eventuell kennt man die Geschichte hierzulande als Gudong ist gekommen. Für Chinesischlerner gibt es die Fabel zumindest unter diesem Titel als Büchlein zum Lesen und Vorlesen.

© Shaoshi, 14. Mai 2011
(Update: 06/15)

6/10

咕咚来了 | Gudong Lai Le
China • 1981 • 20 Min • [Zeichentrickfilm]
Regie | Hu Xionghua, Shen Zuwei

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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