Filmkritik | Ring (Japan, 1998)

Ring»Japanische Horrorfilme sollen ja besonders schlimm sein«, lautet die landläufige Meinung und Ring—von vielen längst als Kult verehrt—galt in dieser Hinsicht immer als ein ganz besonders guter Vertreter dieses Genres. Erfolge kann Ring ohne Weiteres verzeichnen. Ursprünglich ein japanischer Roman, wurde die Geschichte in mal mehr, mal weniger abgewandelter Form auf fast jede erdenkliche Weise veröffentlicht: als Serie, als Fernsehfilm, als Anime, und sogar als Manga. Und dann folgten die großen Produktionen, die ihren Sprung nach Europa und in die USA schafften. Nicht nur in Japan, auch im Westen war man so begeistert, dass die Amerikaner sogar zwei der vier Ring-Filme neu verfilmten. Doch was ist wirklich dran am Phänomen Ring, das in Japan auch viele folgende Filme dieses Genres stark beeinflusst hat? Nun, mir erschließt sich der Hype nicht so recht…

Die Handlung ist recht einfach gestrickt: Eines Tages macht die schreckliche Meldung die Runde, dass ein verfluchtes Videoband in Umlauf geraten ist, das jeden, der es sich ansieht, nach einer Frist von sieben Tagen umbringt. Die Leichen weisen alle ein angstverzerrtes Gesicht auf, sind sonst aber unversehrt—offensichtlich sind die Leute aus purer Panik gestorben. Die Reporterin Reiko Asakawa möchte das mysteriöse Geheimnis hinter dem Videoband lüften und bekommt schließlich selbst eine siebentägige Galgenfrist gesetzt, nachdem sie sich das Video aus Neugier angesehen hat. Da sie natürlich nicht sterben will, macht sie sich mit Hilfe ihres Ex-Mannes auf, den Fluch zu brechen und findet nach und nach mehr über dessen Ursprung heraus: Der Fluch scheint von einem Mädchen namens Sadako auszugehen, das vor gut dreißig Jahren in einen Brunnen geworfen wurde und deren ruheloser Geist sich nun mit Hilfe des Videos an der Menschheit rächen will.

Was sich durchaus als spannender Horror-Krimi vorstellen lässt, enttäuscht leider zutiefst. Wer Filme dieses Genres sehen will, erwartet Action, Grusel und Spannung. Allerdings wird jeder Anflug von Spannung sofort im Keim erstickt; Grusel ist noch nicht einmal auf subtile Art vorhanden und Action ist für dieses Werk von Hideo Nakata ein Fremdwort. Dass ein Film dieses Genres auch gänzlich ohne Blut funktionieren kann, zeigt Ring zumindest ansatzweise. Die hie und da als letzter Hilferuf gegen die Langeweile eingestreuten verwackelten Bilder des vielleicht fünfzehnsekündigen Videos, von dem alles ausgeht, kitzeln wenigstens für einen kurzen Augenblick Gänsehaut aus dem tumben Körper des Zuschauers. Doch auch als Geister-Krimi versagt Ring mit einem »Ungenügend«: Zu substanzlos die Geschichte, zu wenig Spannung, die den Zuschauer an die Mattscheibe fesseln könnte. Die blassen, genreüblich übernervösen Figuren erleben rein gar nichts. Emotionslos, grob skizziert und langatmig windet sich die Geschichte auf dem Trockenen. Erst kurz vor Schluss lässt sich Geist Sadako dann endlich herab, aus dem Fernseher zu kraxeln und bietet eine (sehr) kleine aber feine Szene wie aus einem Horrorfilm. So hätte eigentlich der ganze Streifen aussehen müssen.

Somit bleibt das Gruseligste an Ring zweifelsohne die deutsche Synchronisation. Selten hat man so schlechte Synchronsprecher reden gehört. Die Texte (vor allem die der Schulmädchen) klingen, als würden sie von einem Halblegastheniker abgelesen, und nehmen dem Film so das letzte Bisschen Sympathie. Ring wird seinem Ruf also nicht im Entferntesten gerecht. Eine echte Enttäuschung.

Übrigens: Die Geschichte Sadakos wird im ersten Teil nur ganz oberflächlich behandelt. Wer alles über Sadako wissen will, sollte sich Ring 0 zu Gemüte führen. Dieser dritte Teil der Reihe beschäftigt sich nämlich ausschließlich mit ihrem Leben bis zu ihrem furchtbaren Ende im Brunnen und ist nicht ganz so öde wie seine beiden Vorgänger.

© Shaoshi, 14. November 2007
2/10

リング | Ringu
Japan • 1998 • 95 Min. • FSK 16 • Horror
Regie | Hideo Nakata
Drehbuch | Koji Suzuki, Hiroshi Takahashi
Darsteller | Nanako Matsushima, Miki Nakatani, Hiroyuki Sanada, Yuko Takeuchi, Hitomi Sato, Yoichi Numata, Yutaka Matsushige, Katsumi Muramatsu, Rikiya Otaka, Masako, Daisuke Ban, Kiyoshi Risho

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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