Filmkritik | Rush Hour (USA, 1998)

Rush HourDas ist er also, der Film, mit dem Jackie Chan einst seinen hitverdächtigen Einstand in Hollywood feierte. Ami-Luft konnte der quirlige Chinese zwar schon vorher schnuppern, aber mit Rush Hour wurde er zum ersten Mal so richtig vom Westen für den Westen verheizt und hat damit auch noch einen Riesen-Hit eingefahren.

Als in Los Angeles die Tochter (Julia Hsu) des chinesischen Konsuls Han (Tzi Ma) gekidnappt wird, reist Cop Lee (Jackie Chan) eigens aus Hongkong an, um seinem Landsmann und gutem Freund zu helfen. Das FBI sieht das aber gar nicht gern, da die den Fall gern ohne ausländische Hilfe lösen würden. Deshalb stellen sie Lee den nichtsnutzigen US-Cop Carter (Chris Tucker) an die Seite, der fortan auf Lee »aufpassen« und ihn aus dem Fall raushalten soll. Carter passt das gar nicht, hatte er sich doch einen coolen FBI-Fall zum Prahlen erwartet. Und Lee ist das alles sowieso egal—er will nur die Kleine retten.

Logisch, dass Lee und Carter zuletzt doch noch zusammenarbeiten und sich in einem arg konstruierten Finale auf einer Kunstausstellung gegenseitig unter die Arme greifen—womit auch das letzte Klischee des klassischen Buddy-Movies bedient wäre. Jackie Chan mimt dabei den unbedarften Chinesen in Amerika, pflichtbewusst, zurückhaltend und Fan der Beach Boys. Klar, dass man ihm das krasse Gegenteil an die Seite stellt. Und das ist Carter, dumm- und vielschwätzend, schwarz, selbstbezogen und voll ghetto. Das ist einfach zu viel des Guten, zumal Schnellsprechprofi Chris Tucker als Nachwuchs-Eddie-Murphy einfach nur nervt. Was er da so Sinnfreies von sich gibt, ist fast nie lustig und verfolgt eigentlich nur den Zweck, dem ganzen Geplapper den Anschein zu geben, als wäre es lustig. Ist es aber nachweisbar nicht. Neben den beiden Hauptfiguren sind natürlich auch die Kulturen der beiden grundverschieden und das bietet reichlich Stoff, sowohl die Asiaten als auch die Afroamerikaner auf altbekannte Weise durch den Kakao zu ziehen. Das ist zwar ansatzweise witzig, aber das zigtausendste »Chinesen, Japaner—ist doch alles das gleiche!« klingt halt auch schon ganz schön abgenutzt.

Auch die Zusammenarbeit der ungleichen Cops hätte um einiges frischer vonstatten gehen zu können, zumal hier lange Zeit auch gar nicht zusammen, sondern eher gegeneinander gearbeitet wird. Lee verfolgt nur das Ziel, die Tochter seines Freundes zu retten und wenn man ihn ans Lenkrad fesselt, nimmt er selbiges halt einfach mit. Was aus seinem Partner Carter wird, ist ihm sowieso schnurzpiepegal. Carter hingegen ist angefressen, weil er keine Lust auf eine Babysitter-Nummer hat, und backt dann auch lieber seine eigenen Brötchen. Damit funkt er dann so jedem dazwischen und bringt sich selbst auch noch in Teufelsküche, wenn er etwa—wenig logisch übrigens—im Alleingang ein Restaurant voller Gangster stürmt. So wird doch recht viel Potential eines ungleichen Zweiergespanns verschenkt. Schade, denn ab und zu gibt es schon eine amüsante Stelle mit Lee und Carter im Bild, etwa wenn sie sich beim Observieren über guter Musik freundschaftlich näher kommen.

Die Spannung hält sich auch sehr in Grenzen, zumal das mit den Bösewichten nicht überzeugt. Selten sieht man in Actionfilmen einen so blassen wie nebensächlichen Bösen wie Tom Wilkinson ihn mimt. Um das gekidnappte Mädchen bangt man ebenfalls nicht, da es Lee bei jeder Begegnung sowieso nur eine reinhaut und im Grunde eher selbst eine Tracht Prügel denn eine Rettung verdient hätte.

Bleibt noch die Action und die nimmt sich familientauglich harmlos aus. Auffällig ist, dass in einem Jackie-Chan-Film relativ viel geschossen wird—ist ja schließlich eine US-Produktion—aber Chan darf hin und wieder selbstverständlich seine Markenzeichenakrobatik zeigen. Wobei man sagen muss, dass er das auch schon mal bestaunenswerter rübergebracht hat.

Rush Hour ist zwar nicht schlecht, aber unterm Strich bleibt doch nur ein mittelmäßiges Filmvergnügen. Statt auf Chan-typischen Slapstick setzt man lieber auf Situationskomik und Wortwitz, was zwar gut gemeint ist, aber inhaltlich zu ausgelutscht ist und im Falle von Chris Tuckers Schnellsprech einfach nur nervt. Die Handlung ist dünn, die Action familientauglich und der Film immer gerade so gut, dass es nicht langweilig wird. Jackie Chans Hollywood-Hit ist zwar insgesamt okay, hätte aber mit etwas gutem Willen noch um einiges besser werden können.

© Shaoshi, 19. Juni 2011
5/10

Rush Hour
USA • 1998 • 93 Min • FSK 12 • Actionkomödie
Regie | Brett Ratner
Drehbuch | Jim Kouf, Ross LaManna
Darsteller | Jackie Chan, Chris Tucker, Ken Lo Wai-Kwong, Chris Penn, Elizabeth Peña, Ken Leung, Tom Wilkinson, Tzi Ma, Robert Littman, Michael Chow, Julia Hsu, Kai Lennox, Larry Sullivan, Christine Ng Wing-Mei, Yang Lin, Roger Fan, George Cheung, Lucy Lin, Rex Linn, Mars

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