Filmkritik | Shang-High Noon (USA, 2000)

Shang-High NoonVor allem in Hollywood bekleckert sich Jackie Chan bei der Auswahl seiner Filme nicht unbedingt mit Ruhm. In den meisten kommt er als Chinese nicht besonders gut weg, bekommt unpassende amerikanische Partner an die Seite gestellt (Rush Hour) oder ist aus eher fragwürdigen Gründen mit in den Plot geschrieben (In 80 Tagen um die Welt). Ziemlich fraglich also, wie wohl ein Chinese in die Westernkomödie Shang-High Noon passt. Die Antwort: Voll gut.

Die Idee des Films stammt aus Jackie Chans eigenen Hirnwindungen. Vor rund zwanzig Jahren dachte er bereits an das Konzept des im Wilden Westen versprengten Chinesen. Allerdings klaute ihm damals Kumpel Sammo Hung die Idee und verfilmte sie mit Jet Li in der Hauptrolle als Once Upon A Time In China And America. Woraufhin sich die beiden einstigen Busenfreunde eine Weile nicht mehr ganz grün waren; doch das gehört nicht hierher. Wie auch immer, wir schreiben das Jahr 2000 und Jackie Chan hat endlich eine Lösung gefunden, wie sich die Idee von damals noch einmal aufwärmen lässt. Und mit Sammo Hung hat er sich auch versöhnt.

Shang-High Noon (Was’n Wortspiel!) spielt zunächst im alten China, wo wir Jackie Chan als Palastdiener Chon Wang (als Anspielung auf John Wayne, na ja…) kennen lernen. Ferner gibt es natürlich noch eine schöne Prinzessin, die sich die Langeweile in der Verbotenen Stadt durch fleißiges Englischlernen vertreibt. Als sie auf einen Betrüger hereinfällt, wird Prinzessin Pei-Pei (Lucy Liu) als Sklavenmädchen in die Staaten verschleppt. Ehrensache für den ebenfalls englischkundigen Chon Wang, nun selbst nach Nordamerika zu reisen und seine Herrscherin aus der Sklavenarbeit im Steinbruch zu befreien. Ortsunkundig wie Chon Wang nun mal ist, gestaltet sich das als äußerst schwierig. Welch Glück, dass ihm da der Möchtegern-Cowboy Roy (Owen Wilson) über den Weg reitet.

Zugegeben, so wahnsinnig innovativ klingt das nun alles nicht und ist sowieso nur ein fadenscheiniger Vorwand, um Jackie Chan halbwegs glaubwürdig in den Westen zu bringen. Aber: In Shang-High Noon funktioniert die Story erstaunlich gut. Mit Leichtigkeit hält sie den Film zusammen; puzzelt aus Anfang, Ende und einem gelungenen Mittelteil ein rundes Ganzes.

Jackie Chan, der als pflichtbewusster Chinese in tollen US-Landschaften herumirrt, spielt gewohnt sympathisch. In Shang-High Noon schafft er es sogar auf ganz natürliche Weise—ohne dass man ihm extra eine penetrante Nettigkeit in die Rolle schreiben muss. Owen Wilson besticht in seiner Rolle als viel zu netter Gauner, der die Runde mit doofen Sprüchen auflockert und so manches Mal haarscharf an Unerträglichkeit vorbeischlittert. Als Cowboy macht er eine gute Figur; im Duo mit Jackie Chan wird er überraschenderweise zur echten Bereicherung.

Jackie Chan spielt klar den Zurückhaltenderen von beiden, bleibt aber im Geheimen trotzdem der große Star. Owen Wilson steht trotzdem nicht im Schatten des asiatischen Superstars. Ihm wird genügend Nebenhandlung rund um seine alte Bande (zugegeben, die wird nur marginär bedient) und einen fiesen Sheriff zugestanden, so dass er seinen Charakter mit Leben und nachvollziehbarem Wandel füllen kann. Das ungewöhnliche Duo aus grobem Sunnyboy Cowboy und steifem Chinesen passt dabei perfekt zusammen. So gut hat Jackie wahrlich noch nie mit einem Filmpartner harmoniert, weder in Hollywood noch in der fernen Heimat. Die Ebenbürtigkeit von Chan und Wilson, der lockere Witz und lustige Abenteuer, bei denen Jackie Chan natürlich seine Markenzeichenkämpfe vortragen darf, gefallen immer wieder aufs Neue. Der Eastern steckt allerdings zugunsten des Western-Flairs ziemlich zurück. Für Action ist aber trotzdem gesorgt. Jackie Chan beweist seinen Fans nämlich in seiner typischen Art, dass er auch im Saloon mächtig austeilen kann, wenn es actiontechnisch auch immer kindgerecht bleibt. Schöne Heile-Welt-Kulissen und Anspielungen auf einige bekannte Western dürften dem durchschnittlichen Zuschauer ebenso gefallen.

Klar, einiges hätte es definitiv nicht gebraucht. Etwa das eigenwillige Pferd, über das sich nur Kinder heiser lachen werden, oder die ganze Episode von Jackie Chan unter Indianern [ach! Jackie Chan lebt bei Eingeborenen? Das hatten wir doch auch schon mal! (Jackie Chan ist Nobody)]. Rückblickend ist auch die Rettung der Prinzessin ganz schön nebensächlich und Lucy Liu ist mit ihren Rollen auch schon mal besser weggekommen. Doch wen kümmert das schon, wenn man für den Rest des Streifens gut unterhalten wird?

Shang-High Noon sorgt für anspruchslose, aber überraschend gute Unterhaltung. Das Buddy-Gespann Chan und Wilson funktioniert mehr als perfekt, der Humor sitzt (wenn auch kindgerecht) und die Optik gefällt. Shang-High Noon mag nicht der beste Film in Jackie Chans Filmographie sein, wohl aber in seiner US-Filmographie. Zumindest steht er ziemlich weit vorn und macht sogar nach mehrmaligem Sehen immer noch einen Heidenspaß.

© Shaoshi, 11. Mai 2011
8/10

Shanghai Noon
USA • 2000 • 105 Min. • FSK 12 • Westernkomödie
Regie | Tom Dey
Drehbuch | Miles Millar, Alfred Gough
Darsteller | Jackie Chan, Owen Wilson, Lucy Liu, Brandon Merrill, Roger Yuan, Xander Berkeley, Yu Rong Guang, Ya Hi Cui, Eric Chen, Jason Connery, Walton Goggins, Adrien Dorval

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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