Filmkritik | Shaolin – Kinder der Rache (China / Hongkong, 1983)

Shaolin - Kinder der RacheZhang Xinyans Film Meister der Shaolin 2, den man auch als Shaolin – Kinder der Rache oder Shaolin Temple 2: Kids From Shaolin kennt, ist der zweite Spielfilm mit einem noch sehr jungen Jet Li und gleichzeitig der zweite Teil der Shaolin Temple-Trilogie, deren drei Teile allerdings außer dem prominenten Namen Shaolin im Titel und einem teilweise gleichen Cast nichts gemein haben. So hat also Shaolin – Kinder der Rache nichts mehr mit der Geschichte des Vorgängers zu tun, die nicht nur auf historischen Tatsachen basierte sondern sich auch auf dem Originalgelände des echten Shaolin-Klosters zutrug. Shaolin – Kinder der Rache ist ganz anders, vor allem, weil hier Kinder die Hauptrollen bekleiden, die dann auch ein sehr junges Publikum ansprechen sollen.

Kindgerecht wird man schon mit Zeichentricksequenz in das Nichts an Handlung eingeführt. Da gibt es zwei Familien, die an einem Fluss wohnen und beide jeweils einen berühmten Kampfkunststil beherrschen. Am einen Ufer wohnt die Phoenix-Familie, die die geheime Wudang-Fechtkunst beherrscht und sehr zum Bedauern des Vaters eine Tochter nach der anderen hervorbringt. Die Drachen-Familie am anderen Ufer hingegen vertritt die Kampfkunst der Shaolin und besteht nur aus Jungen, die der »Vater« einst vor einer bösen Räuberbande gerettet hat. Weil sich die Väter wegen ihrer verschiedenen Kampfkunststile und der Angst davor, der jeweils andere könne sie ihnen stehlen, ständig in den Haaren liegen, sind auch die Jungen und Mädchen im Streit aufgewachsen. So konzentriert sich der Hauptteil des Films auf die Streitereien der Kinder, die sich aber zuletzt miteinander anfreunden—wobei sich die größeren (Jet Li und seine spätere Ehefrau für drei Jahre Wong Chau-Yin) natürlich auch ineinander verlieben—und man sich zuletzt gemeinsam gegen die beim Zuschauer längst in Vergessenheit geratene Räuberbande verteidigen muss.

Die reißerischen Filmtitel verfälschen das Bild. Shaolin – Kinder der Rache ist nämlich ein waschechter Kinderfilm. Bunte Kostüme, eine unbeschwerte Atmosphäre, kindgerechter Klamauk und natürlich all die Kinderdarsteller, die Jet Li—der im Film nur einer von vielen ist—schon mal die Schau stehlen. So aufgedreht und mit Hingabe wie die frechen Schabernack treibenden Kinder spielen, ist das für jeden Kinderliebhaber ein Genuss. Auch ihre akrobatischen Fähigkeiten können sich sehen lassen. Denn hier sind echte Profis am Werk. Ob sie nun im Kollektiv ihre Übungen ausführen oder im Kampf gegeneinander oder gegen erwachsene Bösewichte bestehen müssen, ihre Wendigkeit und Körperbeherrschung in ihrem zarten Alter (das bei den jüngsten vermutlich noch im einstelligen Bereich liegt) ist einfach erstaunlich. Auch Jet Li und die Älteren halten mit ihrem Können natürlich nicht hinterm Berg. Realistische Bewegungen ohne Drähte und freilich ohne Computerbeschönigung sorgen für unterhaltsames Kung-Fu-Gekloppe, das für einen Kinderfilm natürlich entsprechend harmlos ausfällt. Trotzdem sind die Kampfszenen auch was für die Augen der Erwachsenen, da hier jeder Fan auf seine Kosten kommen sollte. Für die Augen sind außerdem auch die gewählten Kulissen. So spielt der Film in der wunderschönen Guilin-Gegend, die mit ihren charakteristischen Felsen und Kormoranfischern einfach superbe Kamerabilder hervorbringt. Passend auch der eingewebte klassische Gesang, der in der deutschen Version nur leider von einem Videokassettensynchronsprecher aus dem Off kaputtübersetzt wird.

Woran es schließlich hapert, ist die dünne Story, die viel zu lange vor sich hindümpelt. Auch wenn sich ein Mitglied der Räuberbande in die Phoenix-Familie einschleicht und lange im Voraus den bevorstehenden Überfall der Räuber auf die beiden Familien plant, vergisst man die Geschichte vom Räuberhauptmann, der einst wegen der Drachen-Familie ein Auge verloren hat und sich nun an Vergeltung üben will, beinahe, so dass der Höhepunkt (eine ellenlange Massenkeilerei, die von furchtbarer penetranter Lärmkulisse begleitet wird) wie an den Haaren herbeigezogen anmutet. Die ewigen Streits und schrillen Stimmen der Kinder, die ständig alle durcheinander schreien, können einem auch ganz schön auf die Nerven gehen.

Für Kinderhasser ist Shaolin – Kinder der Rache definitiv nichts. Die Überpräsenz der Kinder ist ganz schön penetrant. Da bleibt auch Kampfkunst-Star Jet Li nur in der zweiten Reihe. Zwar zeigen alle Beteiligten ihr tolles Kampftalent, doch fällt die sehr harmlos aus. Auch die mangelnde Story, die sich ohne Spannung viel zu lange dahinzieht, ist teilweise fast schon einschläfernd. Der kindische Klamauk, der hier nicht überdreht infantil sondern einfach wie auf Kinder zugeschnitten anmutet, wird demnach auch nur Kinder begeistern können. Shaolin – Kinder der Rache ist also ein Kinderfilm, bei dem auch nur die Kleinen auf ihre Kosten kommen. Neugierige Erwachsene können zwar auch zusehen, nur sollte ihnen bewusst sein, dass das Filmvergnügen bei diesem zwar zeit- aber sinnlosen Filmchen ganz schön zwiespältig ausfallen wird.

© Shaoshi, 23. Januar 2010
5/10

少林小子 | Shao Lin Xiao Zi
China | Hongkong • 1983 • 98 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Alternativtitel | Shaolin Temple 2: Kids From Shaolin | Meister der Shaolin 2
Regie | Zhang Xinyan
Darsteller | Jet Li Lian-Jie, Gordon Liu, Pan Qingfu, Hai Yu, Wong Chau-Yin

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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