Filmkritik | Der rechte Arm der Götter (Hongkong / Jugoslawien, 1987)

Der rechte Arm der GötterBei dem mäßigen Abenteuerspektakel Der rechte Arm der Götter konnte sich Actionsuperstar Jackie Chan ganz nach Belieben austoben, denn neben der Hauptrolle führte er auch Regie und schrieb das Drehbuch. Ein echter Jackie-Chan-Film sozusagen.

In Der rechte Arm der Götter spielt Jackie Chan den Kunsträuber Jackie, auch unter dem heroischen Namen »der Falke« bekannt, der eben primitiven Wilden einen Teil der berühmten fünfteiligen »Rüstung der Götter« (Alternativtitel »Armour of Gods«) abgeluchst und bei einer Auktion mittels unfairer Methoden für viel Geld verscherbelt hat. Von Jackies herausragenden Fähigkeiten als Abenteurer hat auch ein idiotischer Sektenführer irgendwo im jugoslawischen Hinterland gehört, der bereits einige Teile der tollen Rüstung in seinem Besitz hat und sich mit Jackies Hilfe auch noch die anderen Teile unter den Nagel krallen will. Deshalb entführt man die Verlobte (Rosamund Kwan) von Jackies altem Freund Alan (Alan Tam), um Jackie zur Mithilfe zu zwingen. Dass dem so ist, geht aber bald schon in den Wirren des Drehbuchs unter. Stattdessen bittet nun Alan Jackie um Hilfe, seine Verlobte zu befreien, indem man der Sekte die restlichen Teile ausliefert. Diese befinden sich allerdings im Besitz eines kunstsammelnden Grafen, der die Teile nur widerwillig verleiht, unter der Bedingung, dass seine Tochter May (Lola Forner) dem ewig streitenden Duo als weiterer Streitherd bei dem Abenteuer sinnloser Weise zur Seite stehen darf.

Den Stoff, aus dem man jetzt einen rasanten, wenn auch standardisierten, Abenteuerstreifen hätte machen können, setzt Jackie Chan lieber in den Sand. Der Film zieht sich trotz der kurzen Laufzeit mitunter ganz schön und das liegt daran, dass die Streitereien zwischen Jackie und Alan viel zu oft und viel zu lange ausgetragen werden und auch May, als absolut überflüssige Rolle, weitere Stresssituationen auslöst. Das alles hat natürlich den Anspruch lustig zu sein, doch im Grunde ist es nur ganz schön nervig und auch noch stark vorhersehbar. Die Witze bestehen meistens aus schwachen Dialogen, wobei man in den gut 90 Minuten höchstens zweimal die Mundwinkel zu einem zahmen Schmunzeln verziehen kann. Die Sektenmitglieder sind natürlich mehr als nur klischeebeladen und verbringen ihre Zeit in den Bergen unter der Aufsicht ihres Bosses, der Dracula-mäßige Umhänge trägt, mit Prostituierten und der Herstellung und Konsumierung diverser Drogen. Sie sind ja immerhin böse.

Auch die Action ist eher mau. Gleich zu Beginn, als Jackie ein Schwert von einem Eingeborenenstamm klaut, gibt es ein bisschen Fliehen-und-Verfolgtwerden zu sehen, das in einer peinlichen Rodelfahrt hangabwärts endet. Nach langer Durststrecke präsentiert man uns dann endlich eine Mitsubishi-Verfolgungsjagd, die rasant und gut choreographiert dargereicht wird, bevor wieder ewig überhaupt nichts passiert. Das typische Jackie-Chan-Gekloppe gibt es dann erst beim Showdown zu begutachten, als Jackie und seine Freunde (die außer ihm natürlich absolut unfähige Figuren sind) gegen eine ganze Horde Sektenanhänger im mittelalterlichen Speisesaal anstinken müssen, was im Grunde aber nur in einer überdrehten Geschirr- und Essenschlacht gipfelt. Ganz zum Schluss muss Jackie dann noch gegen die Superverteidigungswaffe der Sekte kämpfen, wo es einfach nur noch lächerlich ist—denn hier kämpft Jackie gegen stöckelschuhtragende Kampfamazonen, die nicht nur alle viel größer sind als er sondern auch noch absolut furchtbar gestylt sind. Da kann man fast froh sein, dass der Film so abrupt mit einer unsinnigen Heißluftballon-Rettungsaktion endet.

Ein wenig 80er-Jahre-Charme versprüht Der rechte Arm der Götter ja schon (großteils wegen des schmissigen Alan-Tam-Soundtracks), aber für einen Abenteuer-Actionfilm ist das einfach zu wenig. Jackie-Chan-Fans wird es vermutlich nicht stören, trotzdem sei noch einmal gesagt, dass der Film weder eine brauchbare Handlung hat noch sonderlich gut inszeniert wurde. Die Action bleibt arg auf der Strecke und dazwischen passiert nur sinnloser Klamauk und hohles Gerede, dem die Synchronisation das letzte Bisschen Witz geraubt hat. Lola Forners Rolle als abenteuerlustige May ist überflüssig, Rosamund Kwans Rolle als verschleppte Verlobte ist total verschenkt. Alan Tam ist wohl nur dabei, weil man den Film so mit seinen alten Konzertaufnahmen strecken konnte und Jackie Chan spielt wie immer Jackie Chan, wobei er auch noch besonders cool sein möchte, dabei aber nur mit seinem ewigen Kaugummigefresse nervt. Der rechte Arm der Götter hätte so viel mehr sein können als diese lahme, uninspirierte Actionkomödie, die zwar in den wenigen Actionszenen passabel ist, aber sonst kaum Unterhaltungswert bietet. Kaum zu glauben, dass die Fortsetzung Mission Adler noch unerträglicher ist.

© Shaoshi, 10. November 2009
4/10

龍兄虎弟 | Long Xiong Hu Di
Hongkong | Jugoslawien • 1987 • 90 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Alternativtitel | Armour Of God
Regie | Jackie Chan
Drehbuch | Jackie Chan
Darsteller | Jackie Chan, Alan Tam Wing-Lun, Rosamund Kwan Chi-Lam, Lola Forner, Bozidar Smiljanic, Ken Boyle, John Ladalski, Robert O’Brien, Boris Gregoric, Alicia Shonte, Vivian Wycliffe, Stephanie Evans, Linda Denley, Marcia Chisholm, William Williams, Carina Lau Ka-Ling, Anthony Chan, Kenny Bee, Clarence Fok Yiu-Leung, Grant Temple

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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