Filmkritik | Holding Love (China, 2012)

Holding LoveDas Lieblingsthema der Chinesen scheint immer noch die Liebe zu sein. In dem Film Holding Love haben sie es zur Abwechslung mal eher lustig als romantisch verpackt. Gut sieht trotzdem anders aus. Leider.

Wie so oft fängt es noch vielversprechend an, wenn die junge Jing (Mini Yang) und ihr Mann Xiaolei (Hawick Lau) höchst verärgert dabei zusehen, wie eine Beamtin die benötigten Scheidungsstempel auf die Papiere knallt. Dabei haben die beiden erst vor Kurzem geheiratet. Die Nachricht, dass sie eine Flitterwochenreise nach Sanya gewonnen haben, kommt etwas zu spät, aber die Luxusreise lassen sie sich trotzdem nicht nehmen. Dort trifft Xiaolei auf eine Ex-Freundin (Chrissie Chow) und Jing (Mini Yang) findet sich bald darauf orientierungslos im Dschungel wieder. Was sie nicht weiß: Sie wurde entführt und ihr verhasster Ex-Mann versucht gerade mit allen Methoden, d.h. mit Glücksspiel, das Lösegeld für sie zusammenzukratzen. Doch auch die Entführung ist ein fingiertes Spiel, nur darauf ausgelegt, dass die beiden Streithähne wieder zueinander finden. Allerdings läuft das »Liebesspiel« bald aus dem Ruder.

Leider wird die Komödie mit jeder Minute belangloser. Die schöne Optik und die exotischen Kulissen von Chinas Mallorca-Pendant Hainan geben zwar was fürs Auge her, doch kann der Film visuell kaum davon ablenken, dass er ein chaotischer Wust an schlecht getimten Witzen, platten Figuren und Spannungsarmut ist. Die Idee, die Entführung als eine Art Spiel zu inszenieren ist eigentlich ganz vielversprechend. Dass man dafür drittklassige Schauspieler engagiert, die beherzt ihre Rollen als Entführer spielen und beim Chef schon mal meckern, weil ihre Figuren dank schlechtem Script nicht immer logisch handeln, könnte ebenfalls unterhaltsam sein. Nur setzte man beim Humor insgesamt eher auf die Holzhammermethode, so dass es schon als lustig genügen muss, wenn die Entführer-Nulpen in kunterbunten Urlaubsklamotten herumlaufen, sich auf dem geistigen Stand von Kleinkindern befinden und mindestens einer von ihnen sich schwul benehmen muss.

Auch die Hauptfiguren haben ihre Probleme. Da sich Xiaolei und Jing gleich in der ersten Szene scheiden lassen und sie für fast den Rest des Films voneinander getrennt sind, lernt man sie nie richtig kennen. In kurzen Rückblenden und Gesprächen wird zwar angedeutet, warum sie sich mal geliebt haben und jetzt nicht mehr (letzteres wird auch von anderen Figuren analysiert), aber das reicht nicht aus, um irgendwie mit den Figuren mitzufühlen. Sie bleiben platt, fremd, uninteressant. Ob Jing nun im Sumpf versinkt, Xiaolei von Glücksspielern aufgemischt wird und eventuell das Lösegeld für Jing gar nicht zusammenbekommt—mir doch egal. Mit sonderlich Hirn sind die beiden auch nicht gesegnet. Beispiel Jing: Nachdem sie ganz allein in einem Baumhaus im Dschungel aufwacht, findet sie das nicht merkwürdig und glaubt erst an eine Entführung, als man sie Tage später in einen Container sperrt. Das sind Logiklöcher, die stören. Ebenso fehl am Platz ist das Tempo. Xiaolei steht zwar unter Zeitdruck, um das Geld rechtzeitig zu haben, aber die Hektik springt nicht über. Spannung: Null. Obendrein ist auch das Finale auf dem Wasser lieblos hingeschludert und das Ende reine Formsache.

Bei Holding Love kann man zwar zwei-, dreimal schmunzeln, doch für eine Komödie ist das viel zu wenig. Ein schlechtes Script und langweilige Charaktere trüben den Spaß außerdem. Ich habe zwar schon Schlechteres aus China gesehen, doch macht das Holding Love noch lange nicht zu einem guten Film. Ach ja, das Product Placement nervt auch. Aber das gehört im modernen, chinesischen Film leider schon fast zum guten Ton.

© Shaoshi, 29. Oktober 2012
3/10

Hold住爱 | Hold Zhu Ai
China • 2012 • 95 Min. • Komödie
Regie | Zhang Qi
Drehbuch | Zhang Qi, Huang Wei, Ben Zhao
Darsteller | Mini Yang, Hawick Lau Hau-Wai, Chrissie Chow, Sherman Chung, Wang Jingchun, Wang Xiao, Ng Doi-Yung, Feng Danying

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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