Filmkritik | Ring 0 (Japan, 2000)

Ring 0Man erinnere sich an die Filme Ring und Ring 2 und das Mädchen Sadako, das in diesen als rachsüchtiger Geist seine Opfer per Videoband dezimiert. Nur rudimentär erfuhren wir hier von ihrem tragischen Leben, ihrem scheinbar 30jährigen Dahinvegetieren in einem dunklen Brunnen und ihrem Tod, der sie schließlich zum bösen Geist werden ließ.

In Ring 0 wird Sadakos Vergangenheit wieder aufgegriffen und eingängig beleuchtet. Sadako ist ein junges scheues Mädchen, das keine Freunde hat, dafür aber mit dem Übernatürlichen in Kontakt zu stehen scheint. Als sie der Theatergruppe beitritt, sind ihre Schulkameraden nicht gerade begeistert und lehnen Sadako ab. Wieder einmal beginnen ungerechte Menschen um sie herum ihr Leben zu lassen. Dabei haben die Opfer vor ihrem Tod Visionen von genau jenem Brunnen, in dem die unheimliche Sadako später den Tod finden soll. Diese Visionen sind es auch, die den Inhalt des in den anderen beiden Ring-Teilen gezeigten Videobandes erklären.

Ring 0 ist im Grunde eine einzige Rückblende für die beiden vorangegangenen Ring-Teile. Dementsprechend spielt Ring 0 in der Vergangenheit und fokussiert sich gänzlich auf das Leben der jungen Sadako. Ring 0 liefert somit (fast) alle Antworten zu den Fragen, die in den beiden Vorgängern aufgeworfen wurden. Was aber auch gleich wieder ein Problem darstellt: Denn im Grunde wurde Sadakos Schicksal bereits in den Vorgängern ausreichend geschildert, um ihre Rache als Geist zu erklären. Somit wirkt Ring 0 eher unnötig, ist für den Liebhaber der Ring-Filme aber sicherlich eine nette Ergänzung.

Ring 0 lässt sich auch als eigenständiger Film verstehen, wenn er insgesamt auch nur wie ein fader Abklatsch von Stephen Kings Carrie anmutet. Zum Horror mutiert Ring 0 dabei nie, sondern verschreibt sich eher dem Genre eines Außenseiterdramas, das zufällig mit ein paar übernatürlichen Vorkommnissen gewürzt ist und am Ende mit einer verstörenden Jagd durch den Wald aufwartet, die zwar fragmentarisch blutig wird, aber allzu übertrieben und seltsam daherkommt, um wirklich ins Gesamtbild zu passen oder gar zu überzeugen.

Wie allen Teile von Ring fehlt es auch der Inszenierung von Ring 0 leider trotz Regisseur-Wechsel an Pep. Recht langsam und staubig wird die Geschichte im klassischen Muster erzählt, ohne dabei je großartig aufregend zu werden. Was man dem Film jedoch zugute halten kann: Im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern weiß Ring 0 wenigstens subtile Emotionen aufzubauen und scheint so ein wenig tiefer zu reichen als die anderen beiden Teile. Das liegt vielleicht auch daran, dass hier Hideo Nakata, der Meister der hölzernen Inszenierung, nicht mehr hinter der Kamera stand.

Für Freunde der Ring-Filme ist Ring 0 nur der Vollständigkeit halber zu empfehlen. Als eigenständiger Film kann Ring 0 zwar auf wackligen Beinen stehen, bleibt aber dank wenig innovativer Handlung im Grunde auch nur belanglose Massenware.

© Shaoshi, 29. Juli 2008
3/10

リング0 バースデイ | Ringu 0: Basudei
Japan • 2000 • 99 Min. • FSK 16 • Horrordrama
Regie | Norio Tsuruta
Darsteller | Yukie Nakama, Seiichi Tanabe, Kumiko Aso, Yoshiko Tanaka, Ryuji Mizukami, Takeshi Wakamatsu, Kaoru Okunuki, Daisuke Ban, Tsukasa Kimura, Junko Takahata, Masako, Yasuji Kimura

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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