Filmkritik | Rush Hour 2 (USA, 2004)

Rush Hour 2Nach dem Erfolg von Rush Hour konnte eine Fortsetzung natürlich nicht ausbleiben und so folgte drei Jahre später ein zweiter Teil, der sich—in seiner Eigenschaft als Sequel—doch tatsächlich sehen lassen kann.

Nahtlos knüpft man an das Prequel an. Wir erinnern uns: Hongkong-Bulle Lee (Jackie Chan) löste in Amerika einen Entführungsfall und bekam dabei die Quasselstrippe Carter (Chris Tucker) zur Seite gestellt. Nach dem Happy End ging Cop Lee zurück nach Hongkong und sein neuer Freund Carter begleitete ihn aus Urlaubsgründen. Genau hier geht es nun im zweiten Teil weiter. Die beiden sind eben erst ein paar Tage in Hongkong, als sich Lee schon wieder pflichtbewusst in Polizeiarbeit stürzt. In der US-Botschaft gab es einen Bombenanschlag und Triadengangster Ricky Tan (John Lone) gilt als der Hauptverdächtige. Cop Carter hatte sich eigentlich einen ruhigen Urlaub vorgestellt, wird aber natürlich schnell in die ganze Sache mit hineingezogen. Und so führt die Reise bald wieder zurück in die Staaten, wo man eine schöne Geheimagentin (Roselyn Sanchez) und die bösartige Hu Li (Zhang Ziyi) trifft und plötzlich Falschgeld und Gelddruckplatten hinterherjagen muss.

Und was die Fortsetzung von einem ziemlich mittelmäßigen ersten Teil war, funktioniert erstaunlich gut. Besser sogar als das Original. Woran es liegt? Höchstwahrscheinlich daran, dass die erste Hälfte von Rush Hour 2 in Hongkong spielt und Carter, der dort nur schöne Frauen und Spaß sucht, aus seiner natürlichen US-Umgebung herausgerissen wird und im ach so exotischen Hongkong mit blödem Gelaber nicht allzu weit kommt. Zumal fällt er in Hongkong mit seiner Größe und Hautfarbe ganz schön auf und kann sich auf Kantonesisch nur per Wörterbuch und dann ziemlich sinnentstellt verständigen. Chris Tucker schafft es dabei sogar, endlich einige Sympathiepunkte zu ergattern, wenn er auf dem Frischmarkt statt Auskünften nur Hühner bekommt und sich touristentypisch erst mal in entsprechende chinesische Gewänder kleidet. Diesmal ist es Cop Lee, der ortskundig durch die Hood führt. Zwar bringt sich Carter mit seiner vorschnellen Art auch in Hongkong in die ein oder andere missliche Lage, wenn er in Karaoke-Bar und Massagesalon Triadengangs verstimmt. Dies passiert allerdings eher durch (wieder touristentypische) Ignoranz denn—wie im ersten Teil—nervtötende Arroganz. Und das ist gut.

Auch der Humor funktioniert in Rush Hour 2 besser und das ausgerechnet, weil man hier sämtliche »coolen« Sprüche aus dem ersten Teil wiederholt—allerdings legt man sie in fremde Münder. Und was Carter im ersten Teil noch an Bissigkeit und Lässigkeit über die Lippen brachte, wiederholt hier Lee (wo man etwa in Amerika nie das Autoradio eines Schwarzen anfassen darf, ist der Griff zum Senderwechsel in China eben nur den Chinesen vorbehalten usw.)—und gerade dieses Spiel der vertauschten Rollen gefällt. Lee ist nicht mehr ganz der steife Chinese wie im ersten Teil, sondern kann schon mal zu P. Diddy-Musik um seinen totgeglaubten Freund trauern und—weit wichtiger, weil Roselyn Sanchez sonst gar keine Daseinsberechtigung im Film hätte—geifernd schöne Frauen beim Ausziehen beobachten. Das macht seine Figur menschlicher und, seltsamerweise, irgendwie auch sympathischer.

Und so ist Rush Hour 2 als Film eigentlich ganz okay. Zumindest in der ersten Hälfte. Spätestens wenn man sich dann in Las Vegas befindet und im typischen Hollywood-Stil Casinos unsicher macht, ist all der Spaß wieder zunichte gemacht. Denn dann beginnt nicht nur Carter, sondern auch alles andere zu nerven. Selbst Zhang Ziyi, die als bitterböses Gangsterweib anfangs noch schön gruselig daherkommt, verkommt irgendwann zur stereotypen Lachnummer—und mit ihr der Rest. Zwar gibt’s in Rush Hour 2 mehr Kämpfe mit Hand und Fuß als im ersten Teil—was vermutlich daran liegt, dass sich Zhang Ziyi durch ihre Tanzausbildung nett verbiegen kann und das kommt Kampfeinlagen optisch natürlich zugute. Und Jackie Chan muss sein Können sowieso in jedem Film unter Beweis stellen—sonst würde ein Chan-Streifen nicht funktionieren.

Rush Hour 2 ist eine durchschnittliche Actionkomödie, die einen Tick besser ist als der erste Teil. Das heißt zwar noch lange nicht, dass der Buddy-Movie als Film an sich gut wäre, nur kommt die Fortsetzung eben im Vergleich ganz gut weg. Der Humor und die Charaktere gefallen besser als im Prequel, wobei auch Zhang Ziyi einen weit charismatischeren Bösewicht abgibt als der überaus blasse Tom Wilkinson im ersten Teil. Rush Hour 2 ist also ein akzeptabler Nachklapp zu einem großen Hit. An das Buddygespann Jackie Chan – Owen Wilson (aus den Shang-High Noon-Filmen) kommt das vorliegende Paar Chan – Tucker allerdings nicht.

© Shaoshi, 19. Juni 2011
6/10

Rush Hour 2
USA • 2004 • 86 Min • FSK 12 • Actionkomödie
Regie | Brett Ratner
Drehbuch | Jeff Nathanson, Ross LaManna
Darsteller | Jackie Chan, Chris Tucker, John Lone, Zhang Ziyi, Roselyn Sanchez, Alan King, Harris Yulin, Kenneth Tsang, Lisa LoCicero, Mei Melançon, Maggie Q, Patricia Chan

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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