Filmkritik | Ring – Spiral (Japan, 1998)

Ring - SpiralWaren schon die anderen drei Teile der Ring-Saga wenig aufregend, so schießt diesbezüglich der hierzulande als vierter und letzter Teil ausgewertete Film Ring – Spiral den Vogel ab. Im selben Jahr wie der Ur-Ring abgedreht, versuchen die Macher bei Ring – Spiral krampfhaft, uns die dümmstmöglichsten Ideen aus den Ring-Romanen als eine dufte Sache anzudrehen—und fliegen damit kläglich auf die Nase.

Das mit Sadakos Fluch belegte Videoband ist auch in Ring – Spiral wieder mit von der Partie, doch diesmal krabbelt nicht mehr Sadako selbst aus dem Fernseher, sondern ein tödlicher Pockenvirus, der die Neugierigen, wie gehabt, nach sieben Tagen dahinrafft. Als würde das noch nicht reichen, muss man das Video noch nicht einmal gesehen haben, um infiziert zu werden. Die Aufzeichnungen über das Thema der inzwischen toten Reiko Asakawa, der Reporterin aus dem ersten Ring-Film, reichen völlig aus, um den Leser mit dem Fluch zu belasten. Denn Reiko Asakawa, so scheint es, hat sich in diesem Film mit Sadako verbündet, um ihren Fluch in gewisser Weise nicht sterben zu lassen.

Der Pathologe Mitsuo Ando muss eines Tages seinen alten Schulfreund Ryuji Takayama obduzieren und findet in seinem Magen einen unverdauten Zettel mit kryptischer Zahlenkombination. Mitsuo Ando knackt das Rätsel bald, während jeder Unbedarfte die Zahlenfolge wohl eher erst einmal als Telefonnummer ausgelegt und dort angerufen hätte. Und so schlussfolgert er bald, dass das berühmte Video immer noch im Umlauf sein muss und den Virus überträgt. Als würde diese geistlose Idee allein noch nicht reichen, plant Sadako im Jenseits ihre Wiedergeburt, was in einem mehr als strunzdämlichen konfusen Finale gipfelt, das Ring – Spiral auch noch das letzte Bisschen Respekt einbüßt.

Geistergrusel ist für den Film genauso ein Fremdwort wie gute Schauspielleistungen, Spannung oder Logik. Selbst eine überaus träge Dialogführung reizt zum Gähnen—dank der schlechten deutschen Synchronisation sowieso. Völlig willkürlich werden hier die haarsträubendsten Ideen zusammengewürfelt, um eine mehr als unausgegorene Mischung zu kreieren, bei der sich selbst der größte Ring-Gegner eingestehen muss, dass der Ur-Ring da doch noch um Längen besser war. Denn alles, was sich Ring im ersten Teil mühsam, wenn auch platt porträtiert, aufgebaut hat, wird hier in einem großen Rundumschlag zunichte gemacht. Die kaum nachvollziehbare Geschichte ufert in einen mehr als öden Krimi rund um Viren und genetischem Halbwissen aus und hält sich trotzdem noch für intelligent zusammengesponnen.

Ring – Spiral ist in jeder Beziehung grottenschlecht und floppte bei einer einstigen Kinoauswertung völlig zurecht.

© Shaoshi, 10. Juli 2008
1/10

らせん | Rasen
Japan • 1998 • 97 Min. • FSK 16 • Horror
Regie | Joji Iida
Drehbuch | Joji Iida
Darsteller | Kouichi Satou, Miki Nakatani, Shingo Tsurumi, Shigemitsu Ogi, Hiroyuki Sanada, Hinako Saeki, Yutaka Matsushige, Daisuke Ban, Naoaki Manabe

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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