Filmkritik | Kung Fu Panda (USA, 2008)

Kung Fu PandaDer ständige Output an Animationsfilmen war in den letzten Jahren gefährlich hoch. Nahezu sämtliche Tiere und Genres scheinen abgegrast, die ewig gleichen Geschichten in einem anderen Setting wiederholt. Für Kung Fu Panda beschritten die Dreamworks-Zauberer neue Wege, Richtung Osten nämlich. Nicht nur sollte der Hauptprotagonist ein Pandabär und die Geschichte ausgerechnet in China angesiedelt sein, der Film sollte sich auch noch an das gesamte Easterngenre anlehnen und sozusagen irgendwie eine Hommage an die alten Prügelfilme aus Fernost darstellen. Kann man damit überhaupt Interessenten anlocken? Klar. Sofern man vordergründig auf überdrehten Humor, knuffige Figuren und atemberaubende Animationen setzt.

Handlungstechnisch bemüht man der Einfachheit halber die ausgelutschte Story vom Loser von nebenan, der sich quasi über Nacht zum Helden mausert und es mal allen so richtig zeigt. Obendrein pappt die Moral von wegen »man kann alles wollen, wenn man nur will« ziemlich penetrant in so mancher Szene. Trotzdem ist der Film gelungen. Schuld hat natürlich die knuffige Hauptfigur. Panda Po ist dick und verfressen, hat eine schlechte Kondition und wirkt eher faul. Wie ein echter Panda eben. Nachts träumt er davon, mit seinen Kung-Fu-Helden »die furiosen Fünf« böse Buben zu verdreschen, tags arbeitet er bei seinem Vater (einer Gans – warum das geht, erfahren wir im zweiten Teil) in einem Nudelrestaurant. Wie es der Zufall so will, wird ausgerechnet Po bald von Meister Shifu zum Auserwählten ernannt, weshalb Po nun sehr zum Missfallen der leibhaftigen furiosen Fünf diverse Kung-Fu-Lektionen erhält. Als unser Oberbösewicht, Schneeleopard Tai Lung, aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausbricht, muss Po seine Kampfkünste schließlich anwenden—dabei nehmen die sich doch immer noch eher bescheiden aus.

So platt wie in einem herkömmlichen Eastern handelt Kung Fu Panda die üblichen Klischees ab. Die Trainingseinheiten mit Meister und Schüler, die Wahl zum Besten seiner Art, der finale Kampf gegen einen übermächtigen Endgegner, den man natürlich besiegen wird—und das ist kein Spoiler, sondern einfach das Happy End, das man für einen familiengerechten Film erwartet. Bei den furiosen Fünf ist die Wahl der Tiere besonders getroffen, denn jedes Tier, ob nun Schlange, Tiger, Gottesanbeterin, Affe oder Kranich, repräsentiert einen eigenen Kampfstil, bekannt aus den klassischen Eastern. Man muss nun aber kein Eastern-Kenner sein, um den Anspielungen folgen zu können, denn man bedient sich den gängigen Klischees, ohne sonderlich spezifisch zu werden. Die malerischen Landschaften und das asiatische Setting gefallen dem Auge, aber wirklich chinesisch wird es nicht. Dafür ist der Film trotz China-Flair und stimmiger Musik von Hans Zimmer immer noch viel zu amerikanisch und die Figuren so amerikanisch in ihrem Verhalten (allen voran Po), dass man manchmal fast meint, es hätte einen Ami zufällig nach China verschlagen.

Größtes Plus des Films ist die Animation. Nicht nur bestechen die schönen Hintergründe und detailliert ausgearbeitetes Fell von Po und Shifu, vor allem auch die Bewegungen sind hier sehr gelungen. Und in einem Film, in dem ständig die Fäuste fliegen, war das eine besondere Herausforderung. Die Kamerafahrten und Schnitte sind bei den Kämpfen erfrischend schnell, ohne übertrieben hektisch zu wirken, die Kämpfe durchdacht und rasant, ohne aber allzu brutal zu werden. Dreamworks holte hier das Maximum aus dem Möglichen heraus.

So schnell wie in den Kämpfen geht es auch im Film zur Sache. Obwohl Po ein eher langsamer Zeitgenosse ist, geschieht um ihn herum alles in einem solchen Tempo, dass es kaum Zeit für Verschnaufspausen gibt—auch nicht fürs Publikum. Nur für das Allernötigste an Handlung oder Erklärung dreht man mal ein, zwei Stufen zurück. Kein Wunder also, dass bei der kompakten Spielzeit fast keine Zeit für andere Figuren außer Po und Shifu bleibt. Auch die furiosen Fünf sind nur schmückendes Beiwerk, hätten im Grunde auch weggelassen werden können, vielleicht mit Ausnahme der etwas kantig animierten Tigress, die noch am ehesten ein bisschen bei der Handlung mitmischen darf. Ansonsten bleibt Kung Fu Panda meist eine Ein-Mann-Show rund um den depperten Panda Po. Sein Verhalten regt oft zum Schmunzeln an, aber oft ist der Humor auch schon so überdreht, dass es nicht allen gefallen dürfte.

Angesichts der Tatsache, dass ich Animationsfilmen eigentlich selten etwas abgewinnen kann, fand ich Kung Fu Panda ganz amüsant. Durch das hohe Tempo kommt man gar nicht dazu, sich zu langweilen oder über irgendetwas aufzuregen. Die Witze sind zwar keine Brüller, aber nette Schmunzler, die 08/15-Handlung passt als Rahmen und die Animationen sind rundherum top. Frei von Makeln ist Kung Fu Panda zwar nicht, aber das ist ein Film selten. Die Actionkomödie ist unterhaltsam und exotisch, wenn insgesamt auch viel zu amerikanisch und in ihrem Kern zu abgedroschen. Vorrangig richtet sich der Film natürlich an die Kinder, aber auch Erwachsene können hier auf ihre Kosten kommen.

© Shaoshi, 30. Oktober 2012
7/10

Kung Fu Panda
USA • 2008 • 88 Min. • FSK 6 • Actionkomödie [Animation]
Regie | Mark Osborne, John Stevenson
Drehbuch | Jonathan Aibel, Glenn Berger, Ethan Reiff, Cyrus Voris

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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