Filmkritik | Mad Mission II – Heißes Pflaster Unterwelt (Hongkong, 1983)

Mad Mission IIEric Tsang hatte wohl vom ersten Teil der Mad Mission-Reihe noch nicht genug und führte auch im zweiten Teil, der u.a. auch den doofen deutschen Untertitel Heißes Pflaster Unterwelt trägt, wieder Regie. Qualitativ schließt sich der herrlich alberne Mad Mission II nahtlos an den ersten Teil Mad Mission an.

Wieder einmal wurden Diamanten gestohlen, weshalb die Amerikaner ihren härtesten Mann, Filthy Harry, nach Hongkong schicken, um sie zu finden und den Dieb zu liquidieren. Auch Bozo, der Anführer einer Bande, möchte die Diamanten gern haben und verwickelt unseren infantilen Diamantendieb Sam (Sam Hui) kurzerhand mit seiner Komplizin Juliet in einen Banküberfall, damit Sam für ihn arbeitet. Weil Sam ablehnt, wird er bald nicht nur von der Polizei und Filthy Harry sondern auch von Bozos Mannen gejagt und zieht auch noch seinen dummschwätzenden Kumpel Kodijak (Karl Maka) sowie dessen keifende Frau Ha Tung (Sylvia Chang) mit hinein.

Mad Mission und Mad Mission II sind sich vom Stil der Inszenierung und der Gags so ähnlich, dass man sie hinterher kaum auseinander halten kann. Was Fortsetzungen anderer Filme den Gnadenstoß versetzt, macht in der Mad Mission-Reihe jedoch nichts aus. Entweder man liebt die Filme oder man hasst sie. Und dass das Publikum dabei gespalten wird, ist klar.

Die dünne Story gibt narrativ so gut wie nichts her, ja verläuft sich sogar zunehmend. Um einen plausiblen Plot rund um die Diamanten schert sich niemand und auch sonst scheint die Handlung nur ein Vorwand zu sein, um wahllos Szenen voller Stunts, Sketche, Parodien, Verfolgungsjagden, klamaukigen Eifersüchteleien und billigen Roboterkämpfen aneinanderzureihen.

Die Spezialeffekte, die sich auf Laserstrahlen und klapprige Spielzeugroboter als gefährliche Waffen beschränken, sind grauenhaft lächerlich. Die Kampfroboter, egal ob groß wie ein Mensch oder kleinere Vertreter aus dem Spielwarenhandel, sind niemals furchteinflößend, haben oft Probleme sich überhaupt fortzubewegen, sind aus billigstem Plastik und sehen aus, als würden sie schon erledigt umfallen, wenn man sie nur leicht anpustet. Das gilt auch für andere Gimmicks, die Sam so in petto hat, wie etwa ein absolut »cooles« Gefährt gegen Ende, bei dem die schwarz bemalte Pappverkleidung immer so aussieht, als würde sie jeden Moment auseinanderfallen.

Auch die Action ist höchstens zweitklassig, obwohl es durchaus kracht. Abgeschossene Raketen enden meist in einem Funkenfeuerwerk und zahlreiche Karambolagen sind nur ein Vorwand, sinnlos durch die Luft wirbelnde Autos zu zeigen bzw. teure Autos wie etwa einen Porsche in die Luft zu jagen. Hier und da gibt es dann auch noch einige waghalsige Kunststücke zu Motorrad, zu Fahrrad, zu Auto oder zu Fuß zu bestaunen, die aber allesamt nicht unbedingt nötig gewesen wären.

Eric Tsangs laienhafter Regiestil hat sich im zweiten Teil kein bisschen weiterentwickelt. Die Schnitte sind immer noch furchtbar, einigen (Action)-Szenen fehlt es einfach an Pep und auch die Handlung wird hier und da etwas wirr, weil man sich nie die Mühe macht, die Geschichte ordentlich zu erzählen.

Sam Hui und »Kodijak« Carl Maka kalauern sich gewohnt dümmlich durch den Film (»Wieso trittst du meinen Lieblingsfuß?«), verdrehen so allerlei Wörter und passen einfach perfekt zusammen. Sylvia Chang ist als Ha Tung ebenso nervend wie im ersten Teil, hat zum Glück aber eine ziemlich untergeordnete Rolle. Positiv hervorzuheben wären noch die kleinen Gastauftritte von Tsui Hark als verrückter FBI-Agent, die einfach brüllend komisch sind.

Mad Mission II wartet also mit simpelstem aber durchaus witzigem Humor auf und vereint doofe Ideen mit Stunts, unlogischen Actionsequenzen und wirkt auch als Gesamtpaket überaus stümperhaft. Da man aber merkt, dass alle Beteiligten am Dreh offensichtlich Spaß hatten und es ihnen auch nichts ausgemacht hat, sich vor einem großen Publikum zum Affen zu machen, ist die gute Laune ansteckend. Qualitative Defizite verzeiht der geneigte Zuschauer dem 80er-Jahre-Klamauk also gern. Wem der erste Teil von Mad Mission gefallen hat, der wird auch Mad Mission II toll finden. Ein Fest für Trash-Fans. Nur wer auf ernsthaftere, qualitativ hochwertigere Filme steht, wird hier nicht fündig werden und sollte sich am besten gar nicht an die Mad Mission-Reihe heranwagen.

© Shaoshi, 6. Juni 2009
7/10

最佳拍檔大顯神通 | Zui Jia Pai Dang Da Xian Shen Tong
Hongkong • 1983 • 84 Min. • FSK 16 • Actionkomödie
Alternativtitel | Mad Mission II – Aces Go Places
Regie | Eric Tsang Chi-Wai
Drehbuch | Raymond Wong Pak-Ming
Darsteller | Sam Hui Koon-Kit, Karl Maka, Sylvia Chang, Joe Dimmick, Yasuaki Kurata, Suzanna Valentino, Hector Britt, Walter Tso Tat-Wah, Tsui Hark, Charlie Cho, Yip Ha Lei

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Cover-Quelle: movie.douban.com
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