Filmkritik | Love You You (Hongkong, 2011)

Love You YouIn einem indirekten Sequel zu seiner romantischen Komödie Summer Holiday aus dem Jahr 2000 kehrt Jingle Ma zurück an die exotischen Strände Malaysias. Zum Glück hat Love You You kaum etwas mit dem Vorgänger zu tun und natürlich sind Sammi Cheng und Richie Ren nicht mehr mit dabei—so kann auch die neue Generation an Zuschauern den Film ohne Vorwissen verstehen. Nicht, dass er so kompliziert wäre. Im Gegenteil, simpler geht es wirklich nicht mehr.

Als Kind verlor Xiami ihre Eltern bei einem Schiffsunglück. Sie selbst konnte von einem Fischer aus den azurblauen Gewässern vor Malaysias Traumständen gerettet werden. Nun ist sie erwachsen (und wird von Angelababy gespielt) und arbeitet lippenlesend in einer Kanzlei. Dort bekommt sie den Auftrag, einem Mandanten dabei zu helfen, einen Betrüger zu überführen, der im Resort Love You You auf einer malaysischen Trauminsel sein Unwesen treibt. Wie es der Zufall so will, ist dies ausgerechnet die Insel, vor der sie damals beinahe in den Fluten ertrunken wäre. Ein Trauma ruft das bei Xiami allerdings nicht hervor. Stattdessen trifft sie schon bald auf den Betrüger You Lele (Eddie Peng) im Captain Jack Sparrow-Kostüm und knallt ihm einen Schuh an den Kopf. Die gegenseitige Abneigung geht so weit, dass Lele Xiami beinahe erstickt, doch schlussendlich arbeitet Xiami ohne Bezahlung für ihn. Bald schon haben die beiden eine Mission: einem im Streit liegenden Pärchen dabei zu helfen sich zu versöhnen und doch noch zu heiraten. Was das mit der eigentlichen Handlung zu tun hat? Keine Ahnung, aber schließlich braucht eine romantische Komödie konstruierte Situationen, in denen die keifenden Hauptdarsteller unfreiwillig zusammenarbeiten müssen. Nachdem dieser Handlungsstrang aufgelöst ist, kommt es natürlich zur Katastrophe: Lele wird als Betrüger entlarvt und Xiami hat offensichtlich dabei mitgewirkt! Können es die beiden trotzdem schaffen, zueinander zu finden?

Die Antwort ist offensichtlich. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg. Zwar ist die Laufzeit von rund 90 Minuten schön kompakt, doch zieht sich die Romanze quasi von der ersten Minute an. Schuld daran dürfte Regisseur und Drehbuchautor Jingle Ma sein, der schon so manchen mittelmäßigen Film zu verbuchen hatte. Auch bei Love You You wirkt seine Regie plan- und vor allem lustlos. Die wenigen Gags sind dadurch total verschenkt. Auch einer richtigen Handlung kann man nicht folgen, da es schlichtweg keine gibt. Noch dazu sorgen Logiklöcher für Ärger, die man scheinbar mit Problemen, die keine sind, mehr schlecht als recht stopfen wollte. Oder warum verliebt man sich in jemanden, der einen beinahe umgebracht hätte? Warum findet Xiami den Verlust ihrer Eltern weniger schlimm als die Tatsache, dass sie in einer Legende der Insel ausgerechnet als fettes Mädchen weiterlebt?

Als wäre das alles noch nicht schlecht genug, ist auch der männliche Hauptdarsteller unerträglich. Eddie Peng klebt mit einer Penetranz auf dem Celluloid, dass es wirklich nicht mehr schön ist. Der braungebrannte Sunnyboy verdient eigentlich mehr Schläge als er im Film abbekommt und das gilt nicht nur für die garstige Rolle, die ihm das Drehbuch verpasst, sondern auch für den Darsteller selbst. Seine Fans werden das aber vermutlich anders sehen. All diese Schwächen macht Love You You neben Love In The City und Somebody To Love mit zum schlechtesten Film, den ich dieses Jahr gesehen habe. Zuletzt gibt’s doch noch einen kleinen Lichtblick: Immerhin Angelababy macht ihre Sache ganz nett. Sie spielt ein Mädchen mit Herz und Verstand und legt sich beim Heulen mächtig ins Zeug.

Kurz und schmerzlos: Love You You ist eine filmische Katastrophe. Zäh, öde, unlogisch, nervig und obendrein bis ins kleinste Detail vorhersehbar. Wenigstens die exotischen Strände sind schön eingefangen.

© Shaoshi, 23. Oktober 2012
2/10

夏日樂悠悠 | Xia Ri Yue You You
Hongkong • 2011 • 91 Min. • Romantische Komödie
Regie | Jingle Ma Chor-Sing
Drehbuch | Jingle Ma Chor-Sing
Darsteller | Angelababy, Eddie Peng Yu-Yan, Zhu Yuchen, Zhou Yang, Angel He, Alvin Wong, Steve Yap, Bernard Hiew, Karena

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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