Filmkritik | Winners & Sinners (Hongkong, 1983)

Winners & SinnersMit Jackie Chan wird für Winners & Sinners ja nicht zu knapp geworben. Tatsächlich ist der Streifen aber ein Sammo Hung-Film, in dem Jackie Chan lediglich eine unbedeutende, aber sehenswerte Nebenrolle hat. Ferner sei noch gesagt, dass sich in Winners & Sinners mehr Komödie als Action finden lässt, und die fällt getreu des 80er-Jahre-HK-Films ziemlich klamaukig aus. Wer sich auf all diese Gegebenheiten einlassen kann, der wird mit dem Auftakt der Lucky Stars-Reihe gut unterhalten.

Inhaltlich dreht es sich um fünf nicht gerade große Leuchten, die durch eher dümmliche Gaunereien im Knast gelandet sind und sich dort anfreunden. Als sie entlassen werden, entschließen sich die fünf, die da so schöne Namen haben wie Teekanne (Sammo Hung), Auspuffrohr (Richard Ng), Curly (John Sham), Vaseline (Charlie Chin) und Rookie (Stanley Fung), in Zukunft ehrbare Männer zu werden. Sie gründen also eine kleine Reinigungsfirma und hausen fortan bei Curly, in dessen Haus auch noch seine schöne Schwester Shirley wohnt. Während Curly seiner Schwester sogleich übertriebene Beschützerinstinkte entgegenbringt, führen sich die anderen ziemlich lüstern auf und versuchen nun für den Rest des Films sich gegenseitig auszustechen, um Shirley nahe sein zu können. In all den episodenhaften Sketchen, die nun 100 Minuten aneinandergereiht werden, lässt sich ungefähr nach einer Dreiviertelstunde so was wie eine Handlung ausmachen, wenn zwei Gangsterbanden hinter einem Koffer voller Falschgeld und Gelddruckplatten her sind, der inzwischen bei unseren fünf Armleuchtern gelandet ist.

Zugegen ist das eine sehr fade Handlung, aber sie reicht, um den Streifen irgendwie zusammenzuhalten. In all dem Treiben taucht dann auch mal Jackie Chan als CID 07 auf, der erst ein bisschen beim Rollschuhturnier angibt und dann per Rollschuh Gangster auf der Autobahn verfolgt und somit für die größte Actionszene in Winners & Sinners sorgt, wenn er in gewohnter Qualität seine Stunts abliefert und auch noch für eine Massenkarambolage verantwortlich ist, bei der über 50 Autos auf überzogene aber ansehnliche Weise zu Schrott gefahren werden. Das hat zwar herzlich wenig mit dem Rest zu tun und ist für Jackies kleine Rolle viel zu groß angelegt, aber ist halt in sich wieder eine kleine abgeschlossene Episode. Erst gegen Ende gibt es dann noch mal eine größere Actionszene, in der dann der dicke Sammo Hung im roten Trainingsanzug beweisen kann, dass er trotz Leibesfülle eine tolle Körperbeherrschung besitzt und trotz doofer Rolle mit noch blöderer Frisur mächtig austeilen kann.

Herzstück des Gaga-Films ist aber der Humor, der in all seiner primitiven Klamaukpracht einfach herrlich ist—sofern man sich denn darauf einlassen kann. Wie blöde ist es, wenn sich Auspuffrohr nackt auszieht und den Unsichtbaren markiert—und dann zu Höchstform aufläuft und sich vor dem Fernseher in idiotische Posen wirft, weil seine Freunde bei dem Blödsinn mitspielen und so tun als könnten sie ihn nicht sehen. Das ist unterstes Niveau und so dumm, dass es schon wieder gut ist. Und das gilt auch für den Rest: die ganze Zeit hackt man aufeinander rum, versucht sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen und stellt sich wunderbar infantil an.

Das ergibt zwar alles kein rundes Ganzes, aber irgendwie macht das hier nichts. Winners & Sinners hat andere Qualitäten und die liegen beim Comedy-Quintett. Die wenigen Actionszenen sind zwar ganz nett, viel unterhaltsamer sind aber die Witzeleien und das tolle Zusammenspiel der fünf Hauptfiguren, was genug Potential für sechs Fortsetzungen hat.

Jackie Chans Fans werden wohl enttäuscht sein, dass ihr Idol nur so wenig Screentime hat. Yuen Biao schaut zwar auch mal kurz vorbei und hat eine winzige Auseinandersetzung mit Jackie Chan, doch ist das kaum von Bedeutung. Auch die Fans von Sammo Hung hätten von der Kampfwurst vermutlich mehr Action erwartet, doch die hat sich hier lieber auf den Humor verlassen, der trotz allen Klamauks und aller Infantilität funktioniert. Sogar in der deutschen Synchronisation. Wer also nach 100 Minuten spaßiger Unterhaltung ohne Hirn sucht, für den wird Winners & Sinners, in dem jede einzelne Person ziemlich blöde im Kopf ist, zur Goldgrube.

© Shaoshi, 21. November 2009
7/10

奇謀妙計五福星 | Wu Fu Xing
Hongkong • 1983 • 104 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Alternativtitel | 5 Lucky Stars
Regie | Sammo Hung Kam-Bo
Drehbuch | Sammo Hung Kam-Bo, Barry Wong Ping-Yiu
Darsteller | Sammo Hung Kam-Bo, Richard Ng Yiu-Hon, Charlie Chin, Stanley Fung Shui-Fan, John Shum, Cheri Chung, Philip Chan, Jackie Chan, Cecilia Yip, James Tien, Dick Wei, Fung Hak-On, Tai Bo, Pat Ha, Manfred Wong, Walter Tso, Lam Ching-Ying, Wu Ma, Yuen Biao, Moon Lee, Barry Wong, Mars, Chung Fat

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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