Filmkritik | Die Macht der Shaolin (Hongkong / China, 1986)

Die Macht der ShaolinDrei Filme braucht’s zur Trilogie. Dass die aber nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben müssen, zeigt die inzwischen sehr in die Jahre gekommene Shaolin-Reihe, mit denen Jet Li sein Schauspieldebüt gab. Basierte Shaolin – Kloster der Rächer noch auf historischen Überlieferungen, war Shaolin – Kinder der Rächer ein echter Actionfilm für Kinder. Mit Die Macht der Shaolin wird man zwar wieder erwachsener, richtet sich aber immer noch ans eher jüngere Publikum.

Jet Li spielt diesmal wieder einen Mönch aus dem Sungshan-Shaolin-Kloster, der eifrig seine Kampfkünste trainiert—allerdings wieder einmal nicht aus religiöser Überzeugung sondern aus purer Lust an Rache. Wie nicht anders erwartet hat der böse Lord He Suo die Eltern des jungen Zhi Ming (Jet Li) auf dem Gewissen, weshalb Zhi Ming bei der nächsten Gelegenheit in die Hauptstadt reist, um auf den kaltherzigen Herrscher ein Attentat zu verüben. Bei einer großangelegten Geburtstagsfeier von Lord He Suo zückt er im Trubel eines Löwentanzes sein Messer, doch eine weitere junge Attentäterin namens Sima Yan (Wong Chau-Yin) und ihr Verbündeter Zhao Wei, beide aus dem südlichen Shaolin-Kloster, kommen ihm zuvor. Der Mord an He Suo wird vereitelt und die drei müssen gemeinsam fliehen. Schnell schlägt sich Zhi Ming auf die Seite der beiden und hat so nicht nur bald He Suos Soldaten sondern auch noch seine Shaolin-Meister im Nacken, die ihn ins Kloster zurückbringen wollen.

Die Handlung ist wahrlich nichts Neues und auch reichlich dünn. In der gefühlt ersten Hälfte des Films beobachten wir deshalb Jet Li und Co. beim Trainieren im Kloster, wo kollektives Stöckeschwingen und Mannschaftskämpfe mit Pinsel an der Tagesordnung sind. Die Choreographien sind einfallsreich und handgemacht, in den Trainingssequenzen dafür aber auch ziemlich harmlos. Auch bei der Geburtstagsfeier von Lord He Suo, bei der die Handlung eigentlich erst so richtig beginnt, hat man ordentlich mit schönen Tänzerinnen und agilem Löwentanz gestreckt. Zum Glück rettet der lockere Erzählstil, der schon mal zum Schmunzeln einlädt, über die erste Hälfte des Films hinweg. Die zweite Hälfte fällt dann schon turbulenter aus, denn die drei flüchtenden jungen Attentäter treffen immer wieder einmal auf Soldaten, die ihnen mit Verfolgungsjagden und Straßensperren das Leben schwer machen. Die Kämpfe im Stil von wenige gegen viele sind wieder ein Augenschmaus, wirken aber gerade im Endkampf auf einem schönen Holzschiff bisweilen etwas lächerlich in ihrer Harmlosigkeit. Das liegt vor allem an den Soldaten, die mit ihren Speeren lieber im Wasser stochern als wirklich zu kämpfen und zu fröhlich planschenden Statisten werden, sobald sie in den Fluss geworfen werden.

Die Macht der Shaolin ist nicht so ein Kindergarten wie Shaolin – Kinder der Rache, besitzt dafür aber auch nicht den Charakter eines Klassikers wie Shaolin – Kloster der Rächer. Jet Li, der hier so um die zwanzig sein dürfte, ist in Hochform, aber auch die Nebenrollen sind in Sachen Kampfkunst echte Profis und lassen sich im Stock-, Schwert- und Faustkampf nicht lumpen. Die Story ist zwar eher dürftig und hat gewisse Anlaufschwierigkeiten, ist insgesamt aber solide. Der Soundtrack sorgt für Oldschool-Feeling, auch wenn er manchmal an Biene Maja erinnert. Für Fans von Jet Li und Kung Fu-Filmen ist Die Macht der Shaolin ganz klar eine Empfehlung wert. Zwar ist er durch seine Harmlosigkeit eher aufs jüngere Publikum zugeschnitten, dürfte aber auch Genre-Liebhaber begeistern. Wer Jet Li außerdem mal als Schäferin verkleidet sehen möchte, sollte auch einen Blick riskieren.

© Shaoshi, 27. November 2010
7/10

南北少林 | Nan Bei Shao Lin
Hongkong | China • 1986 • 93 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Alternativtitel | Shaolin Temple 3: Martial Arts Of Shaolin
Regie | Liu Chia-Liang
Drehbuch | Si Yeung-Ping
Darsteller | Jet Li Lian-Jie, Qingfu Pan, Hu Jian-Qiang, Wong Chau-Yin, Yu Cheng Hui, Yu Hai, Sun Jian-Kui, Liu Huai-Liang, Ji Chun-Hua, Cheung Kin-Man, Chao Tsang-Un, Yim Ding-Wah, Wong Kwon-Kuen, Woo Ying-Kit, Cheung Yin-Lun, Wong Chun-Yuen, Wong Shu-Dang, Ma Chum, Bill Kuo

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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