Filmkritik | Godzilla – Die Rückkehr des Monsters (Japan, 1984)

Godzilla - Die Rückkehr des Monsters1984. Fast zehn Jahre ist es her seit dem letzten Godzilla-Film. Nun ist Godzilla mit dem Film Godzilla – Die Rückkehr des Monsters wieder zurück und markiert damit den Beginn der zweiten Godzilla-Periode, der Heisei-Serie. Godzilla – Die Rückkehr des Monsters ist böser und ernsthafter als die letzten Filme, richtet seinen unmissverständlich politischen Tenor an die Amerikaner und Russen und thematisiert doch tatsächlich den Kalten Krieg. Das sorgt aber auch (zumindest im Director’s Cut) für unglaublich zähe politische Diskussionen, die den Godzilla-Genuss ganz schön schmälern.

Und darum geht’s: Durch einen Vulkanausbruch (Archivaufnahmen) wird Godzilla aus seinem Schlaf gerissen, woraufhin er gleich mal im Meer baden geht (alles im Off) und die Latex-Parasiten auf seinem Körper bis auf den Biologiestudenten Okumura die gesamte Crew eines Fischerboots auslöschen, wie unser Held, Journalist Goro Maki, zufällig beim Segeltörn zu 80er-Jahre-Japan-Schlagern herausfindet. Um eine Panik zu verhindern, wird im ganzen Land eine Nachrichtensperre verhängt, weshalb die Russen den Übeltäter auch in den Amerikanern vermuten, als Godzilla eines ihrer U-Boote versenkt. Um einen Atomkrieg zu verhindern, veröffentlicht man in Japan dann doch die Information, dass Godzilla wieder da ist und palavert im heimelig tapezierten Regierungsmeetingraum mit spießigen Küchenvorhängen an den Fenstern mit den beiden Supermächten, um Godzillas Vernichtung zu planen, die zumindest aus Sicht der Amerikaner und Russen freilich mit Waffen- und klar auch Atomgewalt einhergehen muss. Derweil hat Okumuras Professor, der Godzilla für eine »fantastische Kreatur« hält, eine bessere Idee—man sollte Godzilla in einen ausbrechenden Vulkan locken, um ihn so auf ganz natürlichem Wege zu vernichten.

Godzilla – Die Rückkehr des Monsters missachtet sämtliche vorangegangenen Godzilla-Filme mit Ausnahme des Originals von 1954 und gilt so als direktes Sequel zu diesem. Komischer- und vor allem ärgerlicherweise bekommt Godzilla, das eigentliche Herzstück des Films, unverschämt wenig Screentime zugestanden. So dauert es tatsächlich eine geschlagene halbe Stunde (die einem fast doppelt so lang vorkommt), ehe Godzilla erstmals scheinbar aus dem Nichts vor einem staunenden Sicherheitsbeamten auftaucht und ungefähr eine Minute lang völlig lethargisch ein paar Spielzeugautos und lieblose Miniaturgebäude zertrampeln darf, ehe er sich an einem Atomkraftwerk stärkt und für die nächste halbe Stunde wieder von der Bildfläche verschwindet. Sein eigentliches Ziel—man weiß es nicht, findet zum Glück aber bald heraus, dass Godzilla wie die Zugvögel einen inneren Kompass besitzt (!), den man für sich zu nutzen weiß.

Erst als Godzilla nach einer Stunde von Super-X, einem Luxuskriegsflieger mitohne Flügel, erstmals mit Cadmiumraketen beschossen wird und die Russen mehr so aus Versehen eine Atomrakete aus dem Weltall abfeuern, läuft der schielende Latex-Riese langsam zu Hochform auf, haut die seltsam beständigen Hochhäuser aus ihren Latschen und spielt als kleines Highlight mit einem Zug voll gebeutelter Passagiere. Bis zur Zerstörungsorgie, die viel mit Feuersbrunst und schlecht ausgeleuchteten Nachtaufnahmen zu tun hat, dauert es aber einfach viel zu lange.

Hauptaugenmerk liegt dafür fälschlicherweise auf den blassen, unsympathischen Figuren, die scheinbar stundenlang ohne Sinn und Zweck in gähnend langweiligen Politikszenen diskutieren können oder sich wie im Falle von Okumuras Schwester wie die typischen, zu Rettungszwecken durch den männlichen Helden unbeholfenen Weibchen ganz schön peinlich aufführen können. Auch die Spannung bleibt—mit Ausnahme der anfänglichen Fischerbootszene—auf der Strecke, obwohl einige Szenen wie die leider lahm inszenierte Rettungsaktion aus einem Hochhaus durchaus Potential gehabt hätten. Dies wird noch auf die Spitze getrieben, als sich unser Journalisten-Held in all dem Atombomben-Monster-Weltuntergangszerstörungsszenario ausgerechnet beim Aufbrechen einer Tür ernsthaft verletzt.

Der Spaß bleibt bei Godzilla – Die Rückkehr des Monsters zwar stellenweise arg auf der Strecke, als Auftakt einer neuen Reihe an Godzilla-Filmen braucht sich der ernst inszenierte Streifen allerdings auch wieder nicht verstecken. Godzilla – Die Rückkehr des Monsters genießt einen ungerechtfertigt guten Ruf, wartet aber mit den üblichen hölzernen Dialogen, unfähigen Darstellern, einer sauöden deutschen Synchronisation und dem üblichen Mann-in-Latexkostüm-Monster und Miniaturbauten auf. Die haarsträubende Story und die gefühlt ellenlangen Diskussionen zwischen den Staatsoberhäuptern geben dem Ganzen den Rest. Für Godzilla-Fans ist Godzilla – Die Rückkehr des Monsters ein definitives Muss. Trash-Fans werden hier allerdings nicht so recht auf ihre Kosten kommen. Dafür ist der Film trotz aller Dümmlichkeiten zu ernst und »realitätsnah« inszeniert worden.

© Shaoshi, 30. Mai 2010
6/10

ゴジラ 1984 | Gojira 1984
Japan • 1984 • 103 Min. • FSK 12 • Monsterfilm
Regie | Koji Hashimoto
Drehbuch | Shuichi Nagahara
Darsteller | Keiju Kobayashi, Ken Tanaka, Yasuko Sawaguchi, Shin Takuma, Mizuko Suzuki, Yosuke Natsuki, Eitaro Ozawa, Taketoshi Naito, Junkichi Orimoto, Hiroshi Koizumi, Kei Sato

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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