Filmkritik | The Eye 2 (Hongkong / Thailand / Singapur, 2004)

The Eye 2Logisch, dass auf einen erfolgreichen ersten Teil immer mindestens noch ein zweiter folgen muss. Auch bei The Eye von den Pang-Brüdern Danny und Oxide war das so. Was man den beiden beim Dreh von The Eye 2 aber zugute halten muss, ist ihr eigentliches Bestreben nicht den Vorgänger aufzuwärmen sondern eine ganz neue Geschichte zu kreieren. Im Ansatz haben sie das auch geschafft und doch guckt sich The Eye 2 viel von seinem Vorgänger—und vergleichbaren Streifen—ab.

Diesmal geht es um Joey (Shu Qi), eine junge Frau, die nach drei missglückten Beziehungen und einem halbherzigen Selbstmordversuch wie durch ein Wunder schwanger ist und plötzlich die Geister der Toten um sich herum sehen kann. Doch nicht genug: einer von diesen scheint es nämlich auf ihr ungeborenes Baby abgesehen zu haben.

Im Ansatz ist das also ein andere Story als in The Eye, wo es um eine verfluchte Hornhaut ging, doch unterm Strich bleiben die Filme doch dasselbe: Eine Frau, die plötzlich Geister sehen kann, fühlt sich Psychoterror ausgesetzt und möchte das Rätsel um ihre mysteriöse Gabe lösen. Nicht nur der rote Faden ist in beiden Filmen der gleiche, die Pang-Brüder haben auch szenenweise von ihrem eigenen Vorgänger-Werk abgekupfert. So gibt es in The Eye 2 wieder eine gruselige Fahrstuhlszene, die aber leider viel weniger effektiv ausfällt als im ersten Teil, und auch die üblichen Schockeffekte sind ganz im Stil des ersten Teils gehalten.

Überhaupt muss angemerkt werden, dass man da, wo sich der erste Teil noch auf seine Psychospielchen verlassen hat, hier lieber mit plakativen Effekten arbeitet—Geister, die einem zwischen die Beine wollen, schreiende Frauen während der Geburt, Geister mit langen schwarzen Haaren (nicht schon wieder!), ein bisschen Kotzerei und Blut. Das ist alles nicht sonderlich sensibel und entlockt dem Zuschauer kein Gruseln, sondern stößt ihn höchstens ab. Die Geister selbst sind bleiche Gestalten, die, man ahnt es schon, urplötzlich hinter einem stehen und dann doch wieder nicht. Diese übliche Masche zieht so langsam nicht mehr. Trotzdem verstehen es die Pang-Brüder, ihrem Film Spannung einzuhauchen, so wie es Shu Qi versteht, eine erwachsene junge Frau zu spielen, die mit ihrem Leben nicht zurecht kommt. Das hätte man der sonst so quirligen Schauspielerin gar nicht zugetraut. Die Figuren um sie herum bleiben aber ziemlich schemenhaft, ist außer ihr auch niemand sonderlich wichtig. Die Geschichte um Selbstmörder und Wiedergeburt wird noch ergänzt um buddhistischen Firlefanz und findet in einem für den Film passenden, aber ziemlich an den Haaren herbeigezogenen abgehobenen Finale sein Ende.

The Eye 2 steigt ohne große Umschweife mit Joeys Selbstmordversuch ins Geschehen ein und fängt so immerhin besser an als der Vorgänger, fällt dann aber schnell ab. Zwischendrin wird The Eye 2 fast schon ein Drama um eine junge Frau, die ohne Mann an ihrer Seite zu Schwangerschaftsvorbereitungskursen gehen muss und sich ständig auf der Polizeiwache oder im Krankenhaus wiederfindet. Das dürfte auch so manchem nicht zusagen: Ständiges Schwangerschafts- und Babygeschwätz und in den Wehen liegende bzw. gebärende Frauen dürften nicht jedem gefallen.

Insgesamt ist The Eye 2 ein akzeptabler Mysterythriller, der nicht nur dank superber Kameraarbeit und solider Regie gut unterhält. Shu Qi spielt überzeugend eine junge Frau, die langsam verrückt wird, und auch die Effekte (wenn auch zu plakativ eingesetzt) können sich sehen lassen. Weniger lobenswert ist da, dass man die Geschichte im Grunde schon in Tausend Variationen gesehen hat und sie vor allem auch noch ein doofes Ende hat. Gruselig wird es trotz der Geister kaum, aber das macht nichts, so lange The Eye 2 in seinen guten Sequenzen spannend und unterhaltsam bleibt. Passable Massenware.

© Shaoshi, 10. November 2009
7/10

見鬼2 | Gin Gwai 2
Hongkong | Thailand | Singapur • 2004 • 91 Min. • FSK 16 • Mystery
Regie | Danny Pang, Oxide Pang
Drehbuch | Jojo Hui Yuet-Chun
Darsteller | Shu Qi, Jesdaporn Pholdee, Eugenia Yuan, Phillip Kwok, May Phua, Rayson Tan, Alan Tern, San Yow

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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