Filmkritik | Love In The City (China, 2007)

Love In The CityMit Filmen wie Fly Me To Polaris und Happy Birthday hat Hongkong-Regisseur Jingle Ma bewiesen, dass er Romanzen am besten kann. Mit der chinesischen Produktion Love In The City stellt er eine weitere auf die Beine, die auch noch mit einem internationalen Cast aus Hongkong, China und Japan glänzen kann. Dabei erzählt er zwei kleine Geschichten von der Liebe im ländlichen China und geizt nicht mit Schmalz und großer Tragik.

Kernstück der Handlung ist die Liebesgeschichte um dem Verkehrspolizisten Yang Le (Shawn Yu), der in die taubstumme Kindergärtnerin Xiaoyou (Gao Yuanyuan) verknallt ist, sich aber erst einmal nicht traut, auf sie zuzugehen, wenn sie jeden Tag mit ihren Kindern an einer Kreuzung an ihm vorbeigeht. Als er doch endlich mutig genug ist, erfährt er, dass Xiaoyou eben zu ihrem Vater aufs Land gefahren ist, weshalb sich Yang Le sofort auf sein Motorrad schwingt und Xiaoyou vor schöner Landkulisse ihre Gefühle offenbart. Toll, dass Xiaoyou diese erwidert, denn sie selbst findet Yang Le auch schon seit Langem toll. Man bleibt also zusammen, auch wenn es Xiaoyous Vater nicht gefällt. Weniger rosiger wird ihr Leben jedoch, als Xiaoyou schwanger wird und die Tragödie ihren Lauf nimmt.

Das reicht eigentlich für einen ganzen Film, aber aus unverständlichem Grund gibt es noch einen zweiten Handlungsstrang. Zwar soll der offensichtlich mit dem ersten gleichgestellt sein, nur ist er von der Ausführung und Screentime um einiges ärmlicher und verschwindet zugunsten des großen Liebesdramas um Yang Le und Xiaoyou zeitweise ganz aus dem Film. Da hätten wir also Yang Les chinesisch-japanischen Halbbruder Makoto (Japan-Model Takuya Suzuki), der ebenfalls die große Liebe findet. Er arbeitet gerade als Assistent und Dolmetscher für die japanische Schauspielerin Yuko (Miyake Nao), die in China einen Film dreht, und verliebt sich in sie. Zum Glück erwidert auch sie seine Gefühle. Ihre Liebe wird überschattet vom bevorstehenden Drehschluss, mit dem Yuko nach Japan zurück muss, während Makoto lieber in China bleiben will.

Für Leute, die von Liebesgeschichten nicht genug bekommen können, ist Love In The City ein gefundenes Fressen. Die erste Hälfte des Films ist blauäugig, naiv und so unschuldig, dass die jungen Hauptdarstellerin stets in weißen Gewändern herumlaufen müssen, um ihre kindliche Unschuld noch plakativer zur Schau stellen zu können. Genauso naiv sind die Geschichten, bis die beiden Pärchen zueinanderfinden. Es gibt weder Probleme noch irgendwelche Konflikte, stattdessen nur eine wahre, reine Liebe. Langweilig, könnte man moquieren, wenn man nicht gerade selber noch jung und naiv ist oder zumindest Fan von Shawn Yu und Gao Yuanyuan ist. Jingle Ma gibt sich Mühe, den Film mit genau dem Kitsch anzureichern, den die verträumte Zielgruppe in so einem Film braucht, und dürfte damit einen jeden ernsthafteren Zuschauer verlieren.

Ein bisschen Konflikt findet dann doch noch zumindest in die erste Story, als Xiaoyous Vater die Vereinigung zwischen seiner Tochter und Yang Le nicht gutheißt (aus Gründen, die wir erst viel später erfahren werden) und das verliebte Pärchen Reißaus nimmt, hinter dem Rücken des Vaters heiratet und ihm auch ihren Aufenthaltsort verschweigt. Ganz schön rebellisch. Von Jingle Ma aber so in Szene gesetzt, dass selbst solche Probleme nebensächlich und vor allem immer noch unschuldig wirken. Damit wird der Film aber immer absurder. Nach einer überraschend nackten Bettszene (für Chinaverhältnisse natürlich, d.h. es blitzt mal eine bloße Schulter unter der Decke hervor) ist Xiaoyou schwanger und will das Kind mit aller Gewalt austragen. Weil ihr Leben dabei auf dem Spiel steht, will Yang Le sie davon abhalten, woraufhin Xiaoyou eine der dümmsten Entscheidungen trifft, mit denen man einen Film komplett ruinieren kann. Diese Entscheidung ist so abwegig und nicht nachvollziehbar, dass man die Beteiligten am liebsten mal gehörig durchwatschen möchte.

Love In The City ist unschuldig, naiv und furchtbar kitschig. Der internationale Titel ist außerdem irreführend, da wir uns nicht in einer Stadt sondern in malerischer chinesischer Provinz befinden. Die öde und eingangs viel zu konfliktarme Handlung der beiden Geschichten langweilt und gegen Ende nerven auch die unerträglich sympathischen Figuren mit absolut hirnrissigen Entscheidungen. Selbst für Leute, die auf Schnulzen und große Tragik stehen, dürfte dieser Murks zu viel sein. Love In The City verdient also von vorn bis hinten ein großes, fettes »War wohl nix!«

© Shaoshi, 19. Oktober 2012
2/10

男才女貌 | Nan Cai Nu Mao
China • 2007 • 96 Min. • Romanze
Regie | Jingle Ma Chor-Sing
Drehbuch | Yeung Sinling
Darsteller | Shawn Yu Man-Lok, Gao Yuanyuan, Naoko Miyake, Takuji Suzuki

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s