Filmkritik | Romeo Must Die (USA, 2000)

Romeo Must DieMatrix setzte ja bekanntlich neue Maßstäbe für Actionszenen. Folglich musste man bei Romeo Must Die irgendwie damit Schritt halten können, zumal man ja auch mit Produzent Joel Silver warb—dem Mann, der auch schon Matrix produziert hat. Nur wie soll man ein vernünftiges Ergebnis zustande bringen, wenn man eigentlich keine Ideen hat? Richtig, das Ergebnis fällt dementsprechend so lala aus. Die Zielgruppe stört sich allerdings nicht daran. Immerhin hat man das Nichts an Story geschickt verpackt.

Oakland, an der Bucht von San Francisco: Zwei verfeindete Clans—ein schwarzer und ein chinesischer—kämpfen um die Vorherrschaft im Hafenviertel, um die große Kohle zu machen. Derweil entwickeln deren Sprösslinge Han (Jet Li) und Trish (Aaliyah) Zuneigung zueinander.

Klingt nach altbewährtem Szenario nach Schema F und ist es auch. Macht ja nix, legt man den Schwerpunkt halt auf Actionszenen. Nachdem der schwarze Clan um O’Day (Delroy Lindo) ja einen chinesischen gegenübergestellt bekommt, dem auch Kampfsport-As Jet Li angehört, lässt sich hervorragend Hand- und Fußgekloppe in die Handlung einarbeiten. Das peppt man mit viel Wirework und hektischer Kamera auf, damit niemandem auffällt wie öde diese Kämpfe eigentlich sind. Doch wo das künstliche Treiben in Matrix noch cool wirkte, kommt übertriebenes, hektisches Wirework in Romeo Must Die einfach nur noch unnatürlich und ziemlich schlecht ausgeführt rüber. Zum Glück steckt aber auch R’n’B-Sängerin Aaliyah in einer Hauptrolle. Legt man das Augenmerk eben auf sie, richtet sie in jeder Szene nett her und lässt ihre Songs spielen. Überhaupt hat man bei Romeo Must Die das Gefühl, ein zweistündiges Musikvideo zu sehen. Ein ellenlanges Medley aus sämtlichen Songs, ähem, Tracks (das Wort »Songs« ist unter Hoppern ja verpöhnt), die auch auf dem käuflich erwerbbaren Soundtrack enthalten sind, unterstützt die optisch aufpolierten Bilder. Wenn also schwarze, glänzende Luxuskarossen durch die nächtliche Stadt fahren, Neonreklame widerspiegeln und Chromfelgen aufblitzen lassen, bellt DMX (der auch eine kleine Rolle im Film hat) seine Hiphop-Texte; wenn man sich durch angesagte, schwarze Szenediscos drängt, haut man uns satte Beats um die Ohren und so weiter. Ist ja auch kein Wunder, wenn ein Großteil des Casts aus schwarzen Schauspielern besteht, die das nötige Blackmusic-Feeling aufkommen lassen. Dem gegenübergestellt sind dann wieder die Chinesen, die nicht nur beim Frühstück im Zen-Garten von asiatisch angehauchten Klängen begleitet werden. Dabei muss gesagt werden, dass außer Jet Li kein Chinese wirklich wichtig ist, höchstens vielleicht noch Russell Wong als Kai, der Jet Lis Endgegner markiert. Außer Jet Li kommt übrigens auch kein einziger Chinese gut weg, denn so unsensibel wie man hier mit Chinesen-Klischees umspringt, sind auch die bösen asiatischen Figuren selbst.

So hängt selbst Han (Jet Li) zu Beginn erst mal eine Runde im unmenschlichen Chinesenknast herum—natürlich nur zum Wohle seines kriminellen Vaters, der sich inzwischen in Amerika ein Imperium aufgebaut hat—entkommt dem Folterknast dann aber doch rechtzeitig, um bei der plötzlichen Beerdigung seines ermordeten Bruders in Amerika anwesend sein zu können. Kaum in den Staaten klaut Han erst einmal ein Taxi (kriminelles Potential hat er trotz seiner Gutmütigkeit also doch), in dem sich auch gleich Trish (Aaliyah) herumkutschieren lassen will, wodurch sich die beiden Hauptfiguren endlich kennen und lieben lernen. Romantik kommt dabei aber niemals auf—schließlich möchte man die ach so harte, Hiphop-hörende Zielgruppe nicht mit weichen Figuren verschrecken.

Während Trish dann in ihrem Boutiquen-Café zusammen mit diversen Kindern das Tanzbein schwingt und von allen ihre Ruhe haben will, muss Jet Li seine eigene Kultur parodieren und sich als Dim-Sum-Lieferjunge mit Akzent ausgeben oder—weil es offenbar in der Natur der Chinesen liegt unschlagbares Kung-Fu zu können—entweder in Nebengassenschlägereien oder als Footballspieler Kämpfe mit Trish‘ unliebsamen Bodyguards austragen. Als Han dann den undurchsichtigen Mord an seinem Bruder aufdecken will, kreuzt sich sein Weg wieder mit Trish—umso mehr als auch deren Bruder aus der Bucht gefischt wird. Doch auch bei den Vätern spitzt sich die Lage zu. Verluste in den eigenen Reihen nach dem Auge-um-Auge-Prinzip machen die Stimmung nervös. Vor allem auf chinesischer Seite bleibt man aber Klischee-getreu aalglatt und stoisch, während Delroy Lindo als tragische Vaterfigur schon mal etwas mehr Gefühl andeuten darf.

Wer Blackmusic nicht mag, für den könnte Romeo Must Die schon allein wegen der ständigen musikalischen Berieselung zur Qual werden. Auch dumm plappernde Schwarze mit »Yo Brother«-Attitüden wie Witzfigur Maurice (Anthony Anderson) dürften nicht jedermanns Sache sein. Jet Li als schlagkräftiger Exot wird sowieso verheizt und darf dank übermäßig eingesetztem Wirework auch nichts von seinem Können zeigen, sondern nur in schlechten Kampfszenen durch die Luft gewirbelt werden, die man keinesfalls mit Matrix vergleichen sollte, um nicht das letzte Bisschen Spaß daran zu verlieren. Innovativ dürften hier höchstens noch die Röntgenaufnahmen von brechenden Knochen sein. Ansonsten gibt es viel Gedöhns im Ami-Stil—coole Mucke, coole Typen, ein bisschen Action, ein bisschen Humor, ein bisschen angedeutete Romantik und jede Menge Klischees und Vorurteile. Zur Fastfood-Unterhaltung taugt Romeo Must Die aber tatsächlich. Fans von Aaliyah sollten dabei ganz auf ihre Kosten kommen—sie ist in ihrem Schauspieldebüt nicht nur sehr leinwandpräsent, sondern darf auch noch ihre Musik bewerben. Nachhaltig beeindrucken wird Romeo Must Die aber nur die 14- bis 18-Jährigen unter uns. Früher oder später wird also auch die MTV-Generation ihr Interesse an dem Zweistundenmusikvideo verlieren. Übrigens nicht weiter tragisch.

© Shaoshi, 15. November 2009
5/10

Romeo Must Die
USA • 2000 • 111 MIN • FSK 16 • ACTION
Regie | Andrzej Bartkowiak
Drehbuch | Eric Bernt
Darsteller | Jet Li, Aaliyah, Isaiah Washington, Russel Wong, DMX, Delroy Lindo, D.B. Woodside, Henry O, Jon Kit Lee, Edoardo Ballerini, Anthony Anderson, Matthew Harrison, Terry Chen, Derek Lowe, Ronin Wong, Byron Lawson, Kendall Saunders, Benz Antoine, Keith Dallas, Taayla Markell, Chang Tseng, Tong Lung, Richard Yee, Colin Foo, Lance Gibson, Grace Park, Jennifer Wong, Manoj Sood, Fatima Robinson, Gaston Howard, Clay Donahue Fontenot, Ryan Jefferson Lowe, Jonross Fong, Alonso Oyarzun, Samuel Scantlebury, Francoise Yip, Alvin Sanders, William S. Taylor, Morgan Reynolds, David Kopp, Aaron Joseph, William MacDonald, Oliver Tan, Kandyse McClure, W.J. Waters, Cesar Abraham, Jerry Grant, Tonjha Richardson, Chic Gibson, Jody Vance, Perry Solkowski, Ann Gwathmey, Larry Lam

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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