Filmkritik | Shanghai Knights (USA/GB, 2003)

Shanghai KnightsWider Erwarten gefiel mir die Jackie-Chan-Westernkomödie Shang-High Noon ja erstaunlich gut. An die Fortsetzung Shanghai Knights bin ich trotzdem mit niedriggesteckten Erwartungen herangegangen. Warum? Weil Fortsetzungen in der Regel nichts taugen und US-Filme mit Jackie Chan größtenteils ganz schön mäßig sind. Und genau dieses traurige Los hat Shanghai Knights letztendlich auch gezogen.

Shang-High Noon gefiel durch seine Story und das starke Zweiergespann Jackie Chan und Owen Wilson. Das Setting vom Wilden Westen gefiel und der Humor saß. Wenn man sich vor Augen führt, dass der Nachfolger nicht mehr im Wilden Westen sondern in London spielt und man beim Titel obendrein an Ritter denkt, ist fraglich, wie man den Ortswechsel plausibel erklären soll. Man verlässt sich deshalb auf eine pergamentpapierdünne Verbindung zum ersten Teil und steigt erst einmal mit einer Szene ohne Jackie Chan in den Film ein. Die spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts am Kaiserhof in China. Chon Lin (Fann Wong), die kampferprobte kleine Schwester von Chon Wang (Jackie Chan), muss sich eben gegen bewaffnete Eindringlinge wehren. Ihr Vater, Hüter des kaiserlichen Siegels, ist den Schwertern der Bösewichter bereits zum Opfer gefallen, doch trotz Akrobatik und Ausdauer schafft es Chon Lin nicht, das Siegel zu beschützen. Als die Bösewichter damit nach London abdüsen, bittet Chon Lin ihren Bruder um Hilfe, ehe sie die Jagd auf die Bösen selbst in die Hand nimmt. Chon Wang lebt immer noch als fähiger Sheriff in Nevada, will aber sofort nach London aufbrechen, um das Siegel zurückzuholen und nebenbei den Tod seines Vaters zu rächen. Weil er für die Reise Geld braucht, sucht er Kumpel und Kollege Roy O’Bannon (Owen Wilson) auf, der gerade in New York ein vermeintlich angenehmes Leben führt. Es kommt wie es kommen muss und zuletzt verschlägt es beide Ex-Cowboys nach London. Dort verbünden sie sich mit Polizeichef Arthur Conan Doyle und kriegen auch noch das Waisenkind Charlie Chaplin als unliebsames Anhängsel mit auf den Weg. Außerdem treffen sie natürlich auf Oberbösewicht Nelson Rathbone (Aidan Gillen), der gern der direkte Thronfolger des britischen Königshauses wäre, und dessen chinesischen Verbündeten Wu Chow (Donnie Yen), der es mit Hilfe des Siegels gern in China zum Kaiser bringen würde. Klar, dass unsere beiden Helden das nicht so stehen lassen, zumal auch Schwesterchen Chon Lin in Gefahr schwebt.

Was das nun für eine Verbindung mit dem Vorgänger hat? Außer fadenscheinigen Ausreden absolut gar nichts. Lucy Liu als Prinzessin Pei-Pei bekommt eine kurze Referenz zu Beginn, um ihr Ausscheiden zu rechtfertigen, das eigensinnige Pferd von einst darf Jackie ein letztes Mal übers Gesicht schlabbern und das Indianermädchen, das in Shang-High Noon durchaus zum Handlungsverlauf beigetragen hat, wird gleich ganz unter den Tisch gekehrt. Dass Chon Wang und Roy O’Bannon echte Cowboys waren, interessiert einen Scheißdreck, so dass es in London auch zu keinerlei Situationskomik diesbezüglich kommt. Schade.

In gewohnter Manier spielt sich Jackie Chan mit seinem uneingeschränkten Starstatus in den Vordergrund. Zwar funktioniert das Buddygespann Chan-Wilson immer noch ganz gut, aber bei Weitem nicht mehr so perfekt wie noch im Vorgänger. Die Art, wie sie miteinander umgehen, lässt kaum noch erahnen, dass da tatsächlich so was wie Freundschaft im Spiel sein könnte, und Owen Wilson schafft es mit seinen Sprüchen am laufenden Band endgültig den Bogen zu überspannen und hochgradig zu nerven. Teilweise ist sein Verhalten zwar noch ganz witzig und seine Rolle sorgt definitiv für den größten Witz und das meiste Leben auf der Mattscheibe, aber wenn er selbst dann noch dumm palavert, wenn er in Todesangst am Minutenzeiger von Big Ben hängt, ist das einfach zu viel des Guten.

Jackie Chan ist der unerschrockene Chon Wang, nun auch noch vernünftiger großer Bruder, der natürlich auch die aufkeimende Liebe zwischen Roy und Chon Lin überhaupt nicht gern sieht. Er wird in allerlei Kämpfe verwickelt, die auf harmlosen Slapstick hinauslaufen und auch nicht gerade allzu spektakulär geraten sind. Jackie Chan hatte hier offensichtlich relativ viel freie Hand und so ist etwa der Kampf in einer Drehtür durchaus eine Hommage an Charlie Chaplin, den Chan ja bekanntermaßen verehrt. Auch der Kampf im Inneren Big Bens, der freilich damit endet, dass unsere Helden in schwindelerregender Höh’ an den Uhrzeigern hängen, ehrt den Schwarzweiß-Star—und erinnert gleichzeitig an Project A – Der Superfighter, in dem Jackie Chan ja schon Ähnliches erlebt hat. Donnie Yen als Bösewicht bleibt leider viel zu farblos und darf auch nur einmal so richtig ran, wenn es darum geht, Schauspielkollegen Jackie zu vermöbeln. Der Kampf ist allerdings wenig aufregend und auch relativ kurz, so dass hier Fans kaum auf ihre Kosten kommen können. Fann Wong als Jackies Filmschwester darf selbst gehörig austeilen, bleibt durch ihren eigenen Kopf aber wenig sympathisch. Außerdem drischt sie in Zuneigung zu Roy die üblichen ausgelutschten Phrasen, agiert in ein paar abgedroschenen Kampfszenen als knallhartes Kung-Fu-Weib, das zuletzt doch nur ein hilfloses Mädel ist, und muss sich ständig überstürzt umdrehen, dass das schwarze Seidenhaar fliegt. Ein personifiziertes Klischee sozusagen.

Klischeebeladen ist der Film sowieso von vorn bis hinten, so dass kaum Spannung aufkommen mag. Es ist halt das Übliche—mäßige Story, akzeptabler bis nervtötender Humor, Pappschablonencharaktere (nur Owen Wilson darf etwas lebhafter spielen, nervt damit aber so manches Mal) und solide aber wenig spektakuläre Action. Obendrein gibt’s höchst unpassende Musik zu hören (entweder das übliche Hollywood-Orchester-Gedöhns oder Oldies) und—durchaus gelungen übrigens—Referenzen zu Charlie Chaplin, Sir Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes sowie Jack the Ripper.

Unterm Strich ist Shanghai Knights eine ganz schön mäßige Fortsetzung von Shang-High Noon. Ein typischer Ami-Film mit Jackie Chan in der Hauptrolle, wenig Spektakulärem und ausgelutschten Klischees in dünner Handlung. Ritterlich geht es auch nie zu, so dass auch noch der Titel irreführt. Die Idee vom Cowboy im noblen London wird auch verschenkt, weil völlig vergessen, so dass man im Grunde einen eigenständigen Film mit neuen Rollen hätte drehen können. Wäre vermutlich auch besser gewesen. So bleibt Shanghai Knights eine mittelmäßige US-Actionkomödie, an der wohl nur die jüngeren Chan-Fans ihre Freude haben werden.

© Shaoshi, 14. Mai 2011
4/10

Shanghai Knights
USA/GB • 2003 • 109 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Regie | David Dobkin
Drehbuch | Alfred Gough, Miles Millar
Darsteller | Jackie Chan, Owen Wilson, Fann Wong, Aaron Johnson, Aidan Gillen, Tom Fisher, Donnie Yen Chi-Dan, Oliver Cotton, Alison King, Constantine Gregory, Jonathan Harvey, Richard Haas

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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