Filmkritik | Zwei gelbe Höllenhunde (Taiwan, 1977)

Zwei gelbe HöllenhundeZwei gelbe Höllenhunde—der Titel klingt ja eher nach Bud Spencer und Terence Hill in der China-Version. Leider entpuppt sich der sowieso schon extrem mäßige Eastern als einer der ganz ernsten Sorte—und kann somit noch nicht einmal mit Humor punkten. Das hätte er aber dringend nötig gehabt, um die so undurchsichtigen 80 Minuten hindurch wenigstens ein bisschen zu unterhalten.

Über den Inhalt lässt sich nicht viel sagen. Extrem wirr bzw. kaum nachvollziehbar wird hier von Schlächter Kwan erzählt, der nach seinem Versagen selbst auf der Todesliste steht. Bald schon trifft er auf den Kämpfer Sing-Fei, der ebenso gefährlich und ehrgeizig ist, ihm aber immerhin das Leben rettet. Gemeinsam müssen die beiden nicht nur gegen die Mannen einer berüchtigten Bordellbesitzerin kämpfen, sondern auch noch dem »Clan der Weisen« ein Jadepferd stehlen und kurzfristig Rache üben.

Dabei bleibt jede Figur eine konstruierte, unsympathische Schablone. Warum Milchbubi Kwan ein so furchterregender Killer sein soll, bleibt mir verschlossen, warum sich die anderen Figuren so verhalten, wie sie es tun, ist ebenso fraglich. Jeder läuft jedem mal über den Weg und wird gerne in kleinere laienhafte Keilereien verwickelt, bei denen höchstens mal ein Wurfmesserchen zum Einsatz kommt. Und das scheint den Machern schon zu reichen.

Scheinbar wahllos werden die Szenen aneinandergereiht und neue Handlungsstränge eingeführt, von denen mindestens die Hälfte keinen Sinn macht. Trotzdem biegen sich die Macher alles so hin, wie sie es gerade brauchen. Wer also eine Vergangenheit braucht, dem läuft eben mal ein redseliger Mönch mit Hintergrundwissen über den Weg, usw. Überhaupt wird relativ viel gequatscht, um den Taten der Figuren einen Sinn zu geben, entwirren lässt sich das Eastern-Allerlei trotzdem kaum. Dadurch werden die einzelnen Szenen freilich extrem langweilig, so dass der Zuschauer nicht mehr aufpassen mag und so noch mehr vom wirren Plot verpasst. Schlimm ist das allerdings nicht. Wer nur den Anfang und den Schluss sieht und zwischendrin mal duschen geht, dürfte sich auf dem gleichen Wissensstand befinden wie einer, der sich die ganze Chose von vorn bis hinten angetan hat.

Nicht nur die Handlung, auch die Ausführung ist grottig. Die Bildqualität ist so schlecht, als hätte man die Filmrolle für einen Monat im Sandkasten vergraben und sich hinterher nicht die Mühe gemacht, die Sandkörner wieder abzubürsten. Entweder laufen Bild und Ton außerdem gern asynchron ab oder die Synchronsprecher sind ebenso wenig bei der Sache wie der Zuschauer und reden erst, wenn die Schauspieler längst angefangen haben, ihre Münder zu bewegen.

Auch bei der Wahl der Kulissen und Kostüme kann man nicht punkten. Fast jeder trägt seine 70er-Jahre-Matte auf dem Kopf durch die üblichen, lieblos zusammengeschusterten Kulissen spazieren. So klappt es also noch nicht mal mit dem chinesischen Flair, weshalb der Eastern manchmal so wirkt wie ein schlechter Spaghetti-Western.

Die musikalische Untermalung ist (wenn sie nicht gerade wie aus anderen Filmen geklaut klingt) eine Zumutung und die Kämpfe—das Herzstück eines jeden Eastern—sind absolut unspektakulär. Einzig der Endkampf zieht durch seine Waffenwahl (Seile mit Krallenhänden) das Interesse auf sich, rausreißen kann das aber auch nichts mehr.

Zwei gelbe Höllenhunde ist so schlecht, dass selbst einem eingefleischten Trash-Fan beim Gucken die Füße einschlafen würden. Wer primitives aber immerhin unterhaltsames Filmvergnügen sucht, der hätte sich besser doch einen Film mit Bud Spencer und Terence Hill angesehen. Die Filme des schlagkräftigen Italo-Duos wirken gegen Zwei gelbe Höllenhunde nämlich wie ganz großes Arthouse-Kino. Aber das tut eigentlich fast jeder Film. Der Billig-Eastern ist vermutlich einer der schlechtesten seiner Art. Die reinste Zeitverschwendung!

© Shaoshi, 2. Mai 2010
1/10

快刀亂麻斬 | Kuai Dao Luan Ma Zhan
Taiwan • 1977 • 83 Min. • FSK 16 • Eastern
Regie | Ting Chung
Darsteller | Wang Tao, Chang Yi, Doris Lung, Stephen Tung Wai, Ga Hoi, Shan Mao, Chan Pooi Ling, Suen Yuet, Chen Chiu, O Yau Man, Chen Ming Li, Hau Pak-Wai, Kong Yeung, Gam Ming, Jimmy Lung Fong, Sham Chin-Bo, Shaw Luo-Hui, Tin Mong, Wong Chi-Sang, Woo Gwong, Yeung Fui Yuk, Yim Chung

Und wie gefällt Euch der Film?

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