Filmkritik | The Korean Job (Hongkong / Südkorea, 2005)

The Korean JobTokyo Raiders war zum Einmalsehen ja eine ganz amüsante Actionkomödie, hatte aber auch mit einigen Defiziten zu kämpfen. Nach einer Fortsetzung hat auch keiner geschrien und trotzdem gibt es sie. Seoul Raiders, das hierzulande aus unerklärlichen Gründen den »deutschen« Titel The Korean Job verpasst bekam, fährt im gleichen Fahrwasser wie der Vorgänger und leidet unter denselben Fehlern. Offensichtlich hat Jingle Ma in den fünf Jahren, die zwischen den beiden Filmen liegen, nichts dazu gelernt.

Tony Leung spielt erneut den ultracoolen Privatdetektiv Lam, der inzwischen den Job gewechselt hat, aber in altbewährter Manier schon wieder einer heißen Sache auf der Spur ist. Im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes stiehlt er Dollardruckplatten, die auch die Meisterdiebin JJ (Shu Qi) und ein Haufen Bösewichte gerne hätten. Lam kann mit den beiden Druckplatten entkommen, wird aber von seinem CIA-Kontaktmann Owen (Richie Ren) gelinkt, der die Platten gern an den mysteriösen koreanischen Gangster Polar Bear verscherbeln würde. Zu diesem Zweck fährt Owen nach Korea (ergo der Titel The Korean Job/Seoul Raiders – hätte aber an jedem x-beliebigen Ort spielen können) und Lam folgt ihm. Auf ziemlich lächerliche Weise stellt sich Lam wieder ein paar gut gebaute (für die Story aber sinnlose) Weibsen zur Seite und hechelt für beinahe den Rest des Films dem flüchtigen Owen hinterher. Irgendwann taucht dann die Diebin JJ wieder auf, die immer noch an den Druckplatten bzw. einer angemessenen Entschädigung für ihre durch die Lappen gegangene Beute interessiert ist, und alle arbeiten schlussendlich zusammen, bis es zur finalen sinnlosen Explosion auf einer Autobahn kommt und alles wieder gut ist. So ungefähr.

Schon in Tokyo Raiders hat es Jingle Ma nicht geschafft, richtigen Schwung in die Sache zu bringen. Bilder und Darsteller waren zwar durchgestylt, Tony Leung glänzte als lässiger Detektiv und ein akzeptabler Plottwist im Mittelteil riss dann noch mal das Ruder herum. All das gibt es natürlich auch bei The Korean Job wieder. Mal abgesehen von Tony Leung als charmanter Grinsemann gibt es zwar einen komplett neuen Cast und Kelly Chen hat um einiges besser gefallen als die unterbeschäftigte und nervige Shu Qi, während sich Ekin Cheng und Richie Ren ungefähr die Waage halten, sonst klammert man sich an Bewährtes aus dem ersten Teil. Das bedeutet ein bisschen Humor, der aber nur selten wirklich punktet, sterile Hochglanzoptik und viel zu lasche Actionszenen. Diese werden gern in Zeitlupe gedreht, um zu vertuschen, dass den Darstellern, die sonst ja nicht so im Handkantenactionbereich tätig sind, die nötige Durchschlagskraft fehlt und motorisierte Verfolgungsjagden offensichtlich in Schrittgeschwindigkeit stattfanden. Dementsprechend dümmlich sieht es dann aus, wenn jemand aus einem fahrenden Flugzeug springt. Warum das Flugzeug, das zuletzt mit gefühlten 5 km/h in eine Kunststoffabsperrung rumpelt, gleich explodieren muss, ist ein Rätsel. Aber eine solche finale Explosion gab’s ja auch schon ohne Grund in Tokyo Raiders. Warum also nicht auch hier als letztes Statement, dass es sich hier um einen turbulenten Actionfilm handelt, auch wenn das ganze Davor ganz schön seicht war. Die Musik ist dann auch noch meistens ziemlich unpassend, die Wende in der Handlung kommt mit anmaßender Selbstverständlichkeit und Lams Assistentinnen möchte man für ihre penetrante Überflüssigkeit am liebsten durchwatschen.

Gut ist The Korean Job nun wirklich nicht. Wirklich böse kann man dem Film aber auch wieder nicht sein. Er möchte harmlos unterhalten und das tut er ja auch irgendwie. Ziel erfüllt. Wer Tony Leung und Shu Qi mag, hat hier ebenfalls seine Freude. Wer Tokyo Raiders nicht gesehen hat, dürfte klar im Vorteil sein, weil ihm all die recycelten Ideen nicht so negativ auffallen. Wie schon in Tokyo Raiders zieht sich The Korean Job das ein oder andere Mal ganz schön. Der Film hat aber auch seine heiteren Momente und weiß stellenweise ganz gut zu unterhalten. Zumindest beschönigt er erfolgreich, dass sich unter der glatten Oberfläche nichts verbirgt als lauwarme Luft. Ein Film zum Einmalsehen und Vergessen.

© Shaoshi, 27. November 2010
5/10

韓城攻略 | Hong Sing Gung Leuk
Hongkong | Südkorea • 2005 • 99 Min. • FSK 16 • Actionkomödie
Alternativtitel | Seoul Raiders
Regie | Jingle Ma Chor-Sing
Drehbuch | Jingle Ma Chor-Sing, Chung Wai-Hung, Eric Lin Ming-Chie, Chris Ng Ka-Keung
Darsteller | Tony Leung Chiu-Wai, Richie Ren, Shu Qi, Meme Tian, Choi Yeo-Jin, Cho Soo-Hyun, Jo Han-Na, Saki Seto, James Kim, Jeong Jin, Jo Su-Hyun, Lee Ji-Hyeong

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s