Filmkritik | Initial D (Hongkong, 2005)

Initial DNach den Infernal Affairs-Filmen legte das Regie-Duo Andrew Lau und Alan Mak mit der Manga-Verfilmung Initial D anspruchslose Kost nach, die sich mehr als zielgruppenorientiert an ein junges Publikum richtet. Und dieses berechnende Abzielen auf eine ganz bestimmte Gruppe von Zuschauern ist es schließlich auch, was den Film so schwer akzeptierbar macht. Denn wer sich nicht für Autos interessiert, hat schon verloren.

Die 18-jährige Schlaftablette Takumi (Jay Chou) hilft seinem saufenden Vater (Anthony Wong) schon seit Jahren bei der Auslieferung von Tofu. Der Vater, früher selbst Rennfahrer, hat sein Auto nach allen Regeln der Kunst aufgemotzt und erlebt nun durch seinen Sohn erneut die Freude am Fahren. Denn Takumi, der regelmäßig (wenn auch nicht immer ganz freiwillig) an nächtlichen Rennen auf einer gefährlichen Bergstraße teilnimmt, ist der beste Fahrer der Gegend—was auch bald die zwielichtigen Profis spitz kriegen, die nur zu gerne einmal gegen ihn antreten würden.

Wie im Film selbst einmal gesagt wird, muss man seine eigene Welt finden, um seiner Existenz Sinn zu geben. Bei Initial D wird dieser Sinn ganz klar durchs Autorennen definiert. Es vergehen kaum einmal zehn Minuten, in denen sich nicht irgendjemand ein Rennen liefert, auf dem Weg zu einem solchen ist oder wenigstens darüber redet. Was anderes scheint es hier nicht zu geben. Konflikte, egal ob zwischen Takumi und seinem Vater oder in der Liebesbeziehung, sind hier nie das Thema. Nahezu jeder im Film hat irgendetwas mit Autos zu tun, und wenn er nur, so wie Takumis Freund Amu (Chapman To) und dessen Vater (Kenny Bee), eine Tankstelle betreibt. Da hilft auch nicht Takumis blasse Liebesgeschichte, die wohl nur der Vollständig halber eingebracht wurde und ohnehin ein fragwürdiges Ende nimmt. Zudem ist das dunkle Geheimnis von Takumis Freundin schon sehr früh im Film vom aufmerksamen Zuschauer zu entschlüsseln und wird ebenfalls nur nach Schema F heruntergespult.

Spannung kommt bei Initial D leider niemals auf. Obwohl die immer nachts stattfindenden Autorennen durchaus Atmosphäre haben, sind sie im Grunde immer gleich. Takumi tritt mit gelangweilt-lässiger Miene gegen irgendeinen anderen Fahrer an und gewinnt. Das nervt auf Dauer. Da helfen auch handwerklich gut gearbeitete Spielereien wie Zeitlupen, nicht immer ganz passende Split Screens oder Standbilder nicht mehr sehr viel. Man sieht den Rennen ziemlich gleichgültig zu, da selbst hier nicht viel passiert. Schon längst zum Standard gewordene wilde Schnitte aufs Armaturenbrett, den Schaltknüppel, Reifen oder Pedale und in Kurven schlingernde Autos reißen sicher niemandem mehr vom Hocker.

Obendrein bleiben dann auch noch die Figuren ziemlich blass. Takumi ist zwar gut porträtiert, aber einfach ein zu langweiliger Charakter, um wirklich zu überzeugen. Die restliche namhafte Belegschaft wie Shawn Yu, Edison Chen, Chapman To oder Jordan Chan fühlt sich sowieso wie ein Haufen Statistenrollen an. Schon traurig, dass ausgerechnet ein Nebendarsteller, der großartige Anthony Wong nämlich, als saufender und bei Bedarf prügelnder Vater von allen Beteiligten am besten wegkommt und dabei auch noch ganz leicht Sänger Jay Chou, der musikalisch weit mehr überzeugen kann als mit seiner Schauspielerei, in den Schatten stellt. Ein wenig befremdlich auch, dass der Film in Japan spielt, die Hauptpersonen aber trotzdem von Chinesen besetzt wurden, die als Japaner natürlich trotzdem alle Kantonesisch sprechen. Vielleicht hätte man hier doch ein wenig weiter von der Manga-Vorlage weggehen und den Film in China spielen lassen sollen.

Obwohl Initial D zwar trotz eher ruhiger Inszenierung handwerklich durchaus Stil und manchmal sogar Atmosphäre hat, kann es zu keiner Zeit Spannung erzwingen. Arg bemüht, in jeder Szene mit blankpolierter Coolness zu überzeugen, um zu verbergen, dass der Film eigentlich nichts zu sagen hat, zieht sich Initial D teilweise wie geschmolzener Reifengummi. Wer zudem an der Materie kein Interesse hat, wird sich zu Tode langweilen. Dass der Film in Hongkong einen so großen Erfolg hatte, lag wohl vornehmlich an der Riege beliebter Jungstars, die aber definitiv schon in besseren Filmen zu sehen waren.

© Shaoshi, 15. Januar 2008
4/10

頭文字D | Tou Wen Zi D
Hongkong • 2005 • 109 Min. • FSK 12 • Action
Regie | Andrew Lau Wai-Keung, Alan Mak Siu-Fei
Drehbuch | Felix Chong Man-Keung
Darsteller | Jay Chou Jie-Lun, Edison Chen Koon-Hei, Anthony Wong Chau-Sang, Shawn Yu Man-Lok, Jordan Chan Siu-Chun, Chapman To Man-Chak, Anne Suzuki, Kenny Bee

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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