Filmkritik | Der Fluch der goldenen Blume (China / Hongkong, 2006)

Der Fluch der goldenen BlumeSo verarscht man uns also im Westen. Man bläst eine an sich hohle Geschichte zu einem pompösen visuellen Spektakel auf, wirft ein paar im Westen relativ bekannte chinesische Gesichter dazu und steckt das ganze Geld in ein künstlich wirkendes Finale um eine Massenschlacht. Dazwischen stopft man anderthalb Stunden bedeutungsloses Treiben (in diesem Falle im schönen Palast), verkompliziert das Ganze so sehr, bis kaum einer der ganzen Chose folgen kann und verkauft uns das Ganze dann als echten chinesischen Film. Das war schon in den vergangenen Jahren der große Trend, aber mit Der Fluch der goldenen Blume hat Zhang Yimou, dem einige solcher Werke zu verdanken sind, den Bogen fast schon überspannt.

Die Story liest sich wie typische Seifenoper-Thematik, wurde allerdings an den kaiserlichen Palast verlegt und optisch veredelt. Nach Einnahme ihrer Medizin erwartet Kaiserin Phoenix (Gong Li) zusammen mit Tausenden von Untertanen die Ankunft von Kaiser Ping (Chow Yun-Fat) im herrlichen Palast zu Peking. Doch der entscheidet sich rücksichtslos dazu, einen Tag später aufzukreuzen, um zuvor noch seinen mittleren Sohn Jai (Jay Chou) zu besuchen und um, etwas unterschwelliger, seine Macht zu demonstrieren, sich je nach Belieben der allgemeingültigen Ordnung entziehen zu können. Nicht nur durch diese Umstände zeichnen sich bereits die zerworfenen Verhältnisse der kaiserlichen Familie ab. Der Hass und die verqueren Beziehungen brodeln freilich tief unter der perfekt polierten Oberfläche. Fast unmerklich nimmt die tödliche Intrige ihren Lauf und endet mal wieder mit fragwürdiger Ideologie.

Auf der großen Kinoleinwand mag der Film ja noch beeindruckend wirken, aber spätestens beim Abspann muss man feststellen, dass er einen hungrig zurücklässt. Der Fluch der goldenen Blume ist Fast Food im Edelrestaurant-Stil, eine Mogelpackung, die man vermutlich aber akzeptieren kann, hätte man nicht von Anfang an so viel erwartet.

Das wohlgeordnete Leben im prächtigen Palast ist zwar schön anzusehen, doch die Zeremonien und alltägliches Schönmachen der unüberschaubaren Bewohnerzahl wird viel zu plattgewalzt, um den Zuschauer über eine so lange Zeit bei der Stange zu halten. Erst gegen Ende kommt es dann zur großen Massenschlacht—silberne Soldaten gegen goldene, mehr gibt es hier eigentlich nicht zu sagen—die zeigt, wie sinnlos Machtkämpfe ausarten können, aber auch, wie hohl der Film eigentlich ist.

Die Hauptdarsteller werden alt. Chow Yun-Fat als ergrauender phlegmatischer Kaiser hat man so oft besser und inspirierter gesehen und auch Gong Li hat schon mal mehr überzeugt. Und beide haben definitiv in besseren, fesselnderen Filmen mitgewirkt. Jay Chou sollte sich lieber weiter aufs Musizieren konzentrieren und Regisseur Zhang Yimou sollte mal wieder von seinem hohen Ross heruntersteigen und etwas gemäßigtere Filme mit einem interessanteren Inhalt drehen.

Viele Kritiker wollen in den überschätzten Film jede Menge Gewicht hineininterpretieren, doch wäre seine Aussage bedeutend genug, hätte man sie wohl kaum hinter all der visuellen Pracht verstecken müssen. So bleibt Der Fluch der goldenen Blume ein zähes, aufgeblasenes Machwerk. Plattgewalzt und selbstverliebt erzählt es von Intrigen am Kaiserhof, die eigentlich niemanden so recht interessieren, zumal auch die Figuren so dermaßen leblos und blass bleiben, dass einem als Zuschauer alles egal ist. Der unbefriedigende Streifen Der Fluch der goldenen Blume wird zur herben Enttäuschung, der trotz übermäßigen visuellen Eindrücken nur mäßig beeindruckend ist, ob man es nun wahrhaben will oder nicht. Ein Meisterwerk sieht einfach anders aus.

© Shaoshi, 29. Juni 2009
4/10

滿城盡帶黃金甲
China | Hongkong • 2006 • 113 Min. • FSK 12 • Kostümdrama
Alternativtitel | Curse Of The Golden Flower
Regie | Zhang Yimou
Drehbuch | Zhang Yimou
Darsteller | Chow Yun-Fat, Gong Li, Jay Chou, Qin Junjie, Li Man, Liu Ye, Ni Dahong

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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