Filmkritik | My Sassy Girl 2 (China / Südkorea, 2010)

My Sassy Girl 2Also, ich weiß ja nicht… Fortsetzungen und Remakes sind ja immer so eine Sache, meistens eine überflüssige. Was aber, wenn ein Film weder Fortsetzung noch Remake ist, sich aber trotzdem am Namen eines erfolgreichen Films bedient, eine 2 hinter den Titel klatscht und so tut als hätte das einen berechtigten Grund? Dann haben wir ein Ergebnis wie My Sassy Girl 2, mit dem man dank des erfolgreichen Namensvetters doch noch ein paar Interessenten anziehen kann. Gerne erinnern wir uns an My Sassy Girl, die witzige wie sympathische Hit-RomCom aus Südkorea. Das gleichnamige amerikanische Remake hat dagegen niemanden interessiert und auch My Sassy Girl 2, Co-Produktion zwischen China und Südkorea, dürfte wohl dieses Schicksal erleiden. Denn mit dem Original hat das wenig zu tun. Stattdessen ködert man mit großen internationalen Namen: Hongkong-Regisseur Joe Ma (Fighting For Love) hinter der Kamera, vor der Kamera Leute wie der in Singapur geborene und gern in Taiwan arbeitende Leon Jay Williams, Hongkongs TVB-Serienstar Bosco Wong (Dicey Business), Festland-Moderator He Jiong, Taiwan-Schauspielerin Abby Fung oder Model Lynn Xiong (Ip Man). Als Extra-Beigabe schreiben sich Choi Seok-Min und Kim Ho-Sik wie schon in My Sassy Girl für das Script die Finger wund und sind so mitverantwortlich für den so-so-la-la Film, obwohl sie es bei My Sassy Girl durchaus verstanden haben, was Unterhaltsames auf die Beine zu stellen.

Jianyu (Leon Jay Williams) mag nicht mehr leben. Just an dem Tag, an dem er um die Hand seiner Freundin anhalten will, gibt die ihm den Laufpass. Sein sehenswerter Selbstmordversuch wird allerdings von einer jungen Frau namens Shangzhen (Lynn Xiong) vereitelt, die ziemlich frustriert ist, weil ihr Ex-Freund Yang Guo (Bosco Wong) lieber eine reiche Frau heiraten möchte. Shangzhen lässt Jianyu bei sich in der Badewanne schlafen und verdonnert ihn dann auch noch dazu, ihr dabei zu helfen, Yang Guos Hochzeit zu ruinieren. Weil das an Handlung kaum reicht, ja kaum als eine solche zu deuten ist, lernen wir auch noch Shangzhens Cousine Yongzhen (Abby Fung) kennen, die zwar nicht minder schlecht gelaunt ist, ihre Aggressionen aber immerhin als Taekwondo-Lehrerin ausleben kann. Dort lernt sie auch den mädchenhaften BH-Designer Zhikai (He Jiong) kennen, der den Kampfsport erlernen will, um männlicher zu werden.

Klingt immer noch nicht nach genügend Handlung? Muss aber reichen. Mehr gibt es nämlich nicht zu sehen. Dass Frauen hier zum starken Geschlecht werden, während Männer kaum überlebensfähige Luschen sind, war vorauszusehen. Dass starke Frauen aber gleichzusetzen sind mit keifenden, launischen Furien ist weniger schön. Lynn Xiong jedenfalls kommt als Shangzhen wenig sympathisch rüber, so dass ihr Ziel, Yang Guos Hochzeit zu ruinieren, höchstens ziemlich kindisch wirkt. Dass sie dafür erst trainieren muss und deshalb so manche Hochzeit zu Testzwecken zu ruinieren versucht, ist dann einfach nur noch lächerlich. Lächerlich ist auch Leon Jay Wiliams, der schon in primitiven Taiwan-Serien wie Green Forest, My Home eindrucksvoll bewiesen hat, dass er nur extrem hölzern schauspielern kann, und in My Sassy Girl 2 den unbeholfenen Loser geben muss, der Shangzhen ständig hinterherdackelt und sich bei jeder Gelegenheit von ihr unterbuttern lässt. Mag sein, dass das in so mancher Szene noch zum Schmunzeln ist, sonderlich interessant, nachvollziehbar oder gar sympathisch wird das Filmpärchen dadurch nicht, zumal es vom zweiten Paar—Yongzhen und Zhikai—überschattet wird, das um einiges unterhaltsamer geraten ist. Freilich wird hier viel mit Klischees um sich geworfen und freilich muss He Jiong ziemlich würdelos die Bi-Tunte geben, aber immerhin wird er mit zur interessantesten Figur. Zwar wird der Bogen oftmals überspannt und er verkommt zum fast schon abstoßend bemitleidenswerten Charakter (Stichwort Trinkspiele mit dem Chef), aber seine Beziehung zu Yongzhen gefällt. Und Yongzhen selbst, die gefällt auch als toughe Kampfsportbraut. Nur, wenn sie mit hochhackigen Overkneestiefeln und Hotpants vor dem kleingewachsenen Zhikai kniet, um ihm einen Ring anzubieten, wirkt das absolut lächerlich.

Trotz der Autoren der Erfolgskomödie My Sassy Girl 2 schafft es der chinesisch-koreanische Abklatsch nicht zu überzeugen. Den Chinesen fehlt mal wieder die Feinfühligkeit für eine Beziehungskomödie, so dass mit plakativem Humor gearbeitet wird, der in seinem Holzhammercharakter oftmals ganz schön primitiv geworden ist. Die Figuren sind größtenteils unsympathisch, was sich bis in die Nebenfiguren (z.B. Bosco Wongs Rolle) verästelt und den Spaß weiter trübt. Ein bisschen was zu lachen gibt es trotzdem und zum Einmalsehen taugt My Sassy Girl 2 durchaus. Mit dem Original hat das aber nichts mehr zu tun, so dass der Titel ganz schön irreführend geworden ist. Südkorea-Vibe gibt es auch kaum zu spüren, so dass der Film eher den Anschein einer mittelmäßigen, ziellosen Chinakomödie trägt. Und genau das ist er auch: mittelmäßig, ziellos, chinesisch. Fans des südkoreanischen Originals sollten sich zweimal überlegen, ob sie sich My Sassy Girl 2 antun wollen. Wer sich auch bei mittelprächtigen chinesischen Komödien amüsieren kann, kann ja mal einen Blick riskieren.

© Shaoshi, 9. März 2012
5/10

我的野蛮女友 | 엽기적인 그녀 | Wo De Ye Man Nu You 2
China | Südkorea • 2010 • 86 Min. • Komödie
Regie | Joe Ma Wai-Ho
Drehbuch | Choi Seok-Min, Kim Ho-Sik
Darsteller | Lynn Xiong, Leon Jay Williams, He Jiong, Abby Feng Yuan-Zhen, Bosco Wong, Hui Siu-Hung, Bruce Law

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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