Filmkritik | Double Trouble (Taiwan, 2012)

Double TroubleTaiwan hat ein paar echt gute Dramen vorzuweisen und ist sonst eher für überzogene, kindische und kunterbunte Serien bekannt. Der Film Double Trouble passt schon vom Titel her in keine von beiden Kategorien. Das Genre liegt irgendwo zwischen Actionkomödie, Roadmovie und Buddymovie. Und weil Jaycee Chan noch nicht so gewinnträchtig scheint, muss mit seinem Papa geworben werden—Jackie Chan.

Jay (Jaycee Chan), seineszeichens Wachmann im taiwanesischen Nationalmuseum, ist gerade hinter zwei Diebinnen (Jessica Cambensy, Shoko) her, die im Auftrag eines Gangsterbosses einen Kunstraub begehen, muss aber erst einmal den Kürzeren ziehen, als ihm zufällig Ocean (Xia Yu), Tourist aus China, in die Quere kommt und das Diebesgut im Bus seiner Reisegruppe landet. Ocean, zu Hause auf dem Festland selbst als Wachmann tätig, fühlt sich solidarisch und möchte Jay helfen, den Kunstdiebstahl rückgängig zu machen. Allerdings gestaltet sich das als nicht so leicht, zumal sich das ungleiche Paar auf ihrer planlosen Reise durch Taiwan mit allerlei Hindernissen konfrontiert sieht.

Der Kunstraub, so groß er eingangs auch angelegt ist, ist nichts weiter als ein Aufhänger, um unser ungleiches Heldenpaar in ein unfreiwilliges Abenteuer zu schicken. Irgendwas muss man schließlich hinterherjagen und was böte sich da besser an als gestohlene Kunstgegenstände und Klischeebösewichte? Dumm nur, dass die ganze Jagd ziemlich konstruiert wirkt. Die Ausreden, warum unseren Helden immer wieder der Besitz der Beute erschwert wird, sind viel zu bemüht, um zu fesseln. Da stört der schlecht getrickste Kampf auf einem fahrenden Bus ebenso wie das Aufgemischtwerden in einem abgelegenen Nudelrestaurant. Auch das Finale im Containerhafen von Kaohsiung ist nur noch reine Formsache. Wenig interessant, platt und wie schon tausendmal gesehen.

Der Film lebt also vom Zusammenspiel der beiden ungleichen Hauptpersonen. Meinungsverschiedenheiten und erfrischende Kulturunterschiede zwischen Chinesen und Taiwanesen (und solche gibt es tatsächlich!) sind ganz nett, allerdings auch nicht so präsent, dass man sich in einer klasse Komödie wähnt. Überhaupt hat man das klassische Schema des Buddymovies schon viel zu oft gesehen, um noch aufrichtiges Interesse dafür aufbringen zu können, zumal man in Double Trouble nicht übermäßig kreativ wird. Um den Humorgehalt also zu erhöhen, wirft man noch einen schrillen Reiseleiter mit in den Film, der zwar rein gar nichts zur Handlung beiträgt, sich aber trotzdem ständig in den Vordergrund drängt, um TV-Formate zu veräppeln und mit krätzigem Overacting die Zuschauer zu vergraulen.

Irgendwie ist Double Trouble stellenweise ganz unterhaltsam geworden, und zwar genau dann, wenn unsere beiden Helden abseits der Actionszenen miteinander zanken. Für einen ganzen Film ist das allerdings zu wenig Stoff, um wirklich zu gefallen, und so endet Double Trouble im unbefriedigenden Mittelmaß. Der Film lässt zuletzt die Option auf eine Fortsetzung offen—allerdings wäre eine solche absolut unnötig. Kann man sehen, muss man aber nicht. Schlussendlich war der IKEA-Katalog, der am Tag der TV-Ausstrahlung zu mir ins Haus flatterte, interessanter.

© Shaoshi, 24. September 2012
5/10

宝岛双雄 | Bao Dao Shuang Xiong
Taiwan • 2012 • 89 Min. • Actionkomödie
Regie | David Chang Hsun-Wei
Drehbuch | Ye Shouheng, Zhang Hongyi
Darsteller | Jaycee Chan, Xia Yu, Chen Han-Dian, Deng Jiajia, Vivian Dawson, Jessica Cambensy, Shoko

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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