Filmkritik | Ultracop 2000 (Hongkong/Philippinen, 1992)

Ultracop 2000Es ist ja praktisch so was wie ein Naturgesetz, dass Filme mit dem Wort »Ultra« im Titel nichts taugen können. Und dieses Gesetz greift bei Ultracop 2000 ganz besonders. Da nützt auch der Vorwand nichts, das inzwischen arg angestaubte Actionfilmchen sei eventuell als Persiflage auf andere Filme gedacht. Denn selbst als Verarsche sollte man ein gewisses Niveau halten—oder es so konsequent kultig-grottig wie etwa bei Angriff der Killertomaten inszenieren. Das ist bei Ultracop 2000 aber nicht der Fall und so bleibt ein wirrer Wust an unzusammenhängenden, zusammengeklauten Szenen und löchriger Handlung.

Zunächst einmal will man dem Zuschauer Philippinenkulisse als Hongkong verkaufen. Dort ist das Sondereinsatzkommando um Tony (Ricky Davao) und Betty (Cynthia Luster) gerade dabei, einen Dealerring zu zerschlagen. Als wäre das nicht schon öde und abgedroschen genug, tauchen plötzlich zwei in schwarze Mäntel gewandete Typen (Außerirdische) auf, die an schlecht retuschierten Seilen durch die Lüfte fliegen und sich mit lächerlichen Weißblechschwertern bekämpfen. Der böse Kota nämlich will die Erdenbewohner in willenlose Zombies verwandeln, und Jack, so eine Art Universum-Cop, will das verhindern. Die Wege der Außerirdischen kreuzen sich freilich bald mit denen der Polizisten. Als Jack im Kampf gegen Kota von dessen Schwert getroffen wird und dampfend und zischend im Sterben liegt (oder so ähnlich, denn später ist er plötzlich wieder da!), müssen die Polizisten in grausigen Freizeitklamotten ran, Jack den Gefallen zu tun, den bösen Kota in einer Art leerem Haus mit Laufstegen zu besiegen—da reichen nicht allein übelst schlecht choreographierte Kung Fu-Szenen, sondern etwas noch viel Hirnloseres: denn der böse Kota ist homophob und glücklicherweise hat man einen Schwulen parat!

Dank des Titels Ultracop 2000 erwartet man bei diesem Film bodenlosen Müll und genau den bekommt man auch aufgetischt. Und garantiert noch viel schlechter als man sich erträumt hat. Dass sich Mode und Einrichtungsstil seit 1992 gewandelt haben (und das auch nicht immer zum Guten, wie man fairerweise zugeben muss), lässt sich ja noch verschmerzen, auch wenn schleimgelbe Jacken, hässliche Hüte und weiße Miami Vice-Jacketts nicht gerade ein Augenschmaus sind. Auch dass die Kameras für einen billigen Schnellschuss wie Ultracop 2000 nicht die teuersten und besten sind, versteht sich von selbst, aber wie dermaßen unscharf und überbelichtet das Bild teilweise ist, ist gelinde gesagt eine Frechheit. Dem gegenüber stehen dann wieder extem unterbelichtete Dialoge, die auch ohne die grottige deutsche Synchronisation kaum gehaltvoller rüberkommen können. Überhaupt scheint das dämliche Gelaber nur vorhanden zu sein, weil sich die Kollegen ja kaum 81 Minuten lang anschweigen können (so kurz ist der Film nämlich in der DVD-Fassung—vermutlich geschnitten?).

Da bei Ultracop 2000 eine Handlung völlig fehlt, bleibt auch die Spannung gänzlich auf der Strecke, die Logik sowieso. Da werden schon mal zusammenhangslos Szenen in beliebiger Reihenfolge aneinandergereiht, die einem teilweise auch noch verdächtig bekannt vorkommen. Tatsächlich wurde z.B. eine kommentarlose Szene mit einer Schießerei in einem Lagerhaus fast identisch von Hard Boiled kopiert, jedoch ohne den Stil, die Kraft oder das Gespür für treffsichere Action zu übernehmen. Dabei kann man in Ultracop 2000 durchaus auf eine Reihe von Schießereien, grundlosen Explosionen (wohl wegen der tollen Optik zerreißt es auch mal mehrere Autos in einer Reihe) und einem Autocrash (wohl wegen einem »Unzureichend« im Fach »Stuntkoordination« nur in Schrittgeschwindigkeit!) herabblicken. Das lächerliche Schwertgefuchtel der Außerirdischen, das wohl auch in die Rubrik Action fallen soll, spottet jeder Beschreibung. Da wird selbst die Geduld des eingeschworenen Trashfans hart auf die Probe gestellt.

Hinzu kommt noch die übelste Schwulenfeindlichkeit, die wohl je in einem Film verarbeitet wurde. Der auftauchende Schwule und seine Gefährten sind so widerwärtig klischeebeladen und verzerrt dargestellt, dass man sich als Zuschauer richtig für die Macher schämt und sich fragt, wie sich ein Schauspieler nur für eine solche Rolle hergeben mag. Dass der Schwule Aids hat, ist logisch, dass nach seinem Besuch auf der Polizeistation genau diese zur Quarantänezone erklärt wird, ist Humor, den wohl außer den Machern niemand wirklich verstehen will und kann. Überhaupt kann man in Ultracop 2000 nur über unfreiwillig lustige Szenen lachen, etwa wenn im Hintergrund mal eine Uhr von der Pappwand fällt (hatte man wohl kein Geld, die Szene noch mal zu drehen?).

Unterm Strich ist Ultracop 2000 ein extrem schlechtes, unfreiwillig komisches, schlecht kopiertes Trash-Fest ohne Sinn, Verstand oder vernünftige Handlung. Egal, was für einen Mist man sich unter dem Titel vorstellt, der Film wird bei Weitem schlechter sein als man sich je hätte träumen lassen. Jeder, der nichts mit trashigen Filmen anfangen kann, sollte von Ultracop 2000 die Finger lassen. Selbst für den Trash-Fan könnte es das eine oder andere mal zu viel werden—vor allem, wenn die ganze Chose im finalen Endkampf einfach nur noch zu nerven beginnt. Und wie man einen Schwulen als Waffe gegen einen bösen Außerirdischen einsetzt, ist einfach nur noch widerwärtig. Das muss man selbst gesehen haben, um es glauben zu können. Der absolute Flop!

© Shaoshi, 22. Januar 2008
1/10

宇宙狙擊 | Yu Zhou Zu Ji
Hongkong | Philippinen • 1992 • 81 Min. • FSK 16 • Action
Regie | Philip Ko Fei
Drehbuch | Philip Ko Fei
Darsteller | Cynthia Luster (Oshima Yukari), Ricky Davao, Philip Ko Fei, Melvin Wong, Monsour Del Rosario, Wilson Wang, Oshima Yukari, Fok Wing-Fu, Bernardo Bernardo, Ricky Davao, Charlie Davao, Eddie Gutierrez, Jaime Fabregas

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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