Filmkritik | The Eye (Hongkong / Thailand / Singapur, 2002)

The EyeAsiatische Gruselfilme waren ja nach dem Erfolg der Ring-Filme eine Zeitlang schwer in Mode. Auch The Eye von den Pang-Brüdern fällt in diese Rubrik, wenngleich sich der Streifen auch an dem ein oder anderen westlichen Werk, wie etwa The Sixth Sense, orientiert hat.

Die Violinistin Jia-Wen (spielfreudig: Angelica Lee) ist seit ihrem zweiten Lebensjahr blind. Nun hat sie durch eine Hornhauttransplantation die einmalige Gelegenheit wieder sehen zu können. Doch sie sieht mehr als ihr lieb ist. Denn sie kann auch die Toten sehen, die überall um sie herum sind, bevor sie vom Tod persönlich abgeholt werden. Psychisch bald völlig am Ende wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an ihren Arzt Luo Hua (viel zu jung: Lawrence Chou). Als er ihr endlich glaubt (und sich nebenbei unnötigerweise noch in Jia-Wen verliebt), geht die Reise nach Thailand, wo Jia-Wens Hornhautspenderin ganz ähnliche übersinnliche Erfahrungen machen musste.

Nach einem lahmen Anfang, der eher an zweitklassiges Drama erinnert, geht es aber auch schon bald übersinnlich los. So richtig gruselig wird es dabei aber nie, obgleich einige Szenen, wie etwa das kleine Highlight, als Jia-Wen mit einem schweigenden Verstorbenen Fahrstuhl fahren muss, durchaus ihre Wirkung tun. Tatsächlich passiert in The Eye mehr auf der psychologischen Ebene, denn der Zuschauer bindet sich schnell an die sympathische Jia-Wen und wenn die glaubt, langsam verrückt zu werden, weil immer wieder so plötzlich wie still ein Geist auftaucht, wird auch der Zuschauer irgendwie in den Bann von The Eye gezogen. Dazu passt die drückende Stimmung, die auf dem Film lastet. Die zweite Hälfte von The Eye fällt dann leider etwas ab, weil The Eye insgesamt zu wenig Handlung vorzuweisen hat und auch die Lösung des Problems in Thailand geisterhaftes Standardprogramm ist. Nach dem uninspirierten Vorgehen gegen den Fluch, der auf Jia-Wens neuer Hornhaut lastet, mag das explosive Finale nicht so ganz passen. Fakt ist aber, dass die Stimmung von diesem schön beklemmend geraten ist und das katastrophale Ausmaß ganz gut getrickst wurde.

Im Grunde spult The Eye nur das Standardprogramm ab und guckt auch noch schamlos von anderen erfolgreichen Streifen ab, so dass die Originalität natürlich flöten geht. Doch lieber gut geklaut als schlecht selbst aus den Fingern gesaugt lautet die Devise. Nach einem etwas mäßigen Anfang mutiert The Eye zeitweise doch tatsächlich zum stimmungsvollen Mysterythriller, nur um beim Ausflug nach Thailand wieder arg banal zu werden. Man gruselt sich trotz Spannung und Thematik zwar kaum und wird nur das ein oder andere Mal einem kleineren Schockmoment ausgesetzt, aber immerhin wird man die knapp 110 Minuten gut unterhalten. Nicht umsonst zog The Eye mehrere Fortsetzungen und Remakes in Indien und den USA nach sich.

© Shaoshi, 9. November 2009
7/10

見鬼 | Gin Gwai
Hongkong | Thailand | Singapur • 2002 • 109 Min. • FSK 16 • Grusel | Mystery
Regie | Danny Pang Fat, Oxide Pang Chun
Drehbuch | Jojo Hui Yuet-Chun, Danny Pang Fat, Oxide Pang Shun
Darsteller | Angelica Lee Sin-Jie, Lawrence Chou, Chutcha Rujinanon, Candy Lo Hau-Yam, Pierre Png, Edmund Chen

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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