Filmkritik | I Do (China, 2012)

I DoI Do. Der Titel macht nicht unbedingt Lust auf mehr. Klingt nach Hochzeitsfilm, 08/15-Romanze, nach Klischees, schon-tausend-mal-gesehen und für viele auch nach Langeweile. Yup, genau richtig eingeordnet. Die Zielgrupppe steht damit eindeutig fest. Und für diese wirft sich Darstellerin Li Bingbing in feine Designergarderobe und mimt eine toughe Geschäftsfrau, die zwar im Beruf erfolgreich ist, in Sachen Liebe aber immer noch auf Solopfaden wandert. Klingt bekannt? Sorry, ist nun mal ein bewährtes Rezept für moderne Romanzen.

Zu allem Überfluss hat Tang Weiwei (Li Bingbing) bereits das magische Alter von dreißig Jahren überschritten—zählt in Beziehungsdingen fortan also als schwer vermittelbar, wenn man dem Klischee Glauben schenken mag. Weiwei lässt sich zwar nicht auf diesen Makel reduzieren, hätte aber trotzdem gerne einen Ehemann. Deshalb sucht sie auf baihe.com (Werbepartner Nr. 1) nach einem geeigneten Kandidaten. Das bevorstehende Blind Date entpuppt sich dann als Yang Nianhua (Sun Honglei), einen netten Typen von nebenan, der wenig Geld aber viel Freizeit zu haben scheint. Stalking könnte man sein Verhalten nennen, wenn er sich mit viel Charme und prallen Einkaufstüten von Yidianhao (Werbepartner Nr. 2) in Weiweis Leben schleicht, bis die doch mal Interesse an ihm zeigt. Verkompliziert wird die Sache, als Weiweis einstige große Liebe Wang Yang (Duan Yihong) aus Amerika zurückkommt, um eine Kooperation zwischen seiner und Weiweis Firma zu suchen. Fortan sind er und Nianhua Liebesrivalen. Für wen wird sich Weiwei also entscheiden?

Klingt tatsächlich nach bekannten Versatzstücken. Zwei Männer, die um die gleiche Frau kämpfen, gab es nun wirklich schon unzählige Male. Die Idee, dass ein Ex-Pärchen zumindest beruflich wieder zusammenarbeiten muss, was natürlich von privatem Heckmeck überschattet wird, gab es in China zuletzt mit dem im Dezember letzten Jahres gelaufenen Dear Enemy zu sehen. Erfolgreiche Frauen in Spitzenpositionen, die teure Kleider und Accessoires tragen, in schicken Autos sitzen und sich nur in den schillerndsten Vierteln Pekings aufhalten, sind neben plumpem Product Placement sowieso ein Trend im chinesischen Film, der extrem nervt. Auch der Rest ist wenig überraschend, außer vielleicht das Ende, das durch seinen unrealistischen Überraschungsmoment allerdings mehr verärgert denn gefällt.

Li Bingbing spielt dabei nur einen bedingt sympathischen Charakter. Sie ist launisch und kann ganz schön sturköpfig sein. Außerdem ist ihre Figur reichlich inkonsistent. Sie arbeitet hart, fährt in einem Audi durch die Gegend, trägt teure Kleider und hält uns penetrant ihre goldene Bulgari-Uhr unter die Nase, behauptet aber später, dass ihr Geld nicht wichtig sei, dass eigentlich nur der Mensch zähle, hat plötzlich auch ständig frei und wird im Laufe des Films eine zunehmend schwächere Figur. Was sie jemals in Wang Yang gesehen hat, ist auch fraglich. Rückblenden suggerieren uns zwar, dass die beiden mal einige Jahre lang ganz dicke waren, aber das Warum verstehen wir eher weniger. Seit Wang Yang dann über Nacht nach Amerika verschwunden ist, um das große Geld zu machen, hat Weiwei ihre Liebe gegen Hass getauscht. Nun ist Wang Yang als reicher und schmieriger Firmenvorstand zurück in China und ziemlich unsympathisch, auch wenn er trotz seiner angeblichen Topmanagerqualitäten unrealistisch viele Gefühle zeigt. Weiwei ist hin- und hergerissen, was Li Bingbing schon mal überzeugend mit nassen Augen darzustellen weiß. Trotzdem wünschen wir uns eigentlich, dass sie lieber mit Yang Nianhua zusammenkommt. Sun Honglei spielt seine Rolle zwar etwas zu lebensbejahend und munter und seine ehrenamtlichen Besuche im Kinderheim hätten nun wirklich nicht sein müssen, aber insgesamt nimmt man ihm seine Ernsthaftigkeit gegenüber Weiwei schon ab. Er würde offensichtlich alles für sie tun. Dabei schlägt er zwar mal über die Stränge, wenn er zu sehr ungefragt in ihre Privatsphäre dringt, aber er bringt ihr eben auch spätabends Essen ins Büro, fährt sie ins Krankenhaus oder lässt sich von ihr ankotzen. Wenn er endlich die Scheidungsgründe seiner ersten Ehe offenlegt, gewinnt sein Charakter sogar etwas an Tiefe, wenngleich sämtliche Figuren und die meisten Situationen im Film doch ziemlich oberflächlich bleiben. Der ultimative Überraschungsmoment rund um Yang Nianhua ist dann aber nicht verziehen, wofür I Do in der Wertung mindestens einen ganzen Punkt verliert.

Mit der Romantik ist es auch nicht weit her. Gleichzeitig von zwei Männern umworben werden—welche Frau wünscht sich das nicht? Weil das alles aber sehr platonisch abläuft, kann sich auch keine Romantik entfalten. Ist vermutlich auch besser so. Die wäre vermutlich hoffnungslos kitschig ausgefallen.

Am besten gefallen die Rangeleien zwischen den beiden Männern. Die sind schon mal ganz witzig, was vor allem auf Sun Hongleis Kappe geht, der vor seinem Rivalen herrlich trocken als Weiweis fester Freund angibt, auch wenn er das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht ist. Ansonsten ist I Do eher ernst und pathetisch. Auch nicht unbedingt gut.

I Do ist eine durchschnittliche RomCom, die ihre Comedy-Anteile nur in den Streitereien zwischen den beiden Männern verbuchen kann und die Romantik gleich ganz außen vorlässt. Weil das Drama ziemlich oberflächlich bleibt und auch die Charaktere teils etwas inkonsistent wirken, ist der Film im Grunde herzlich überflüssig. Streckenweise zieht er sich sogar und wird im letzten Drittel immer weniger interessant, bis er durch eine überraschende Wendung nur noch nervt. Schlampigkeit kann man den Machern immerhin nicht vorwerfen—der Streifen ist sauber gefilmt, mit Li Bingbing und Sun Honglei ganz gut besetzt und passt zum Zeitgeist Chinas. Dass diese Kriterien einen Film nicht unbedingt gut machen, zeigt I Do recht anschaulich. Ein begeistertes Publikum hat er aber trotzdem gefunden. Nur gehöre ich da beim besten Willen nicht dazu.

© Shaoshi, 14. März 2012
5/10

我愿意 | Wo Yuanyi
China • 2012 • 106 Min. • Romanze
Regie | Sun Zhou
Drehbuch | Tong Chen
Darsteller | Li Bingbing, Sun Honglei, Duan Yihong, Xue Jianing, Liu Mu, Zhang Li, Xia Lixin, Wang Maolei, Li Meng, Zhao Yuetong, Wu You

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s