Filmkritik | Say Yes! (China, 2013)

Höchste Zeit für eine niegelnagelneue Rezension. Ab damit!

Say YesDie neueste Romanze aus China nennt sich Say Yes! und liest sich wie jeder x-beliebige Film dieses Genres. Der »Clou«: Endlich will mal nicht das nette Mädel von nebenan den reichen Schönling für sich gewinnen, sondern umgekehrt! Einen Unterschied macht das freilich kaum.

Bauarbeiter Huang Da (Huang Bo) gerät bei seinem 99. Blind Date mal wieder nicht an Ehefrauenmaterial, sondern an eine pedantische Buchhalterin. Also hilft er der eleganten Ye Xun (Lin Chiling) aus der Patsche, die bei ihrem eigenen Blind Date mit einem längst verheirateten Mann ebenfalls keinen Treffer gelandet hat. Wie es die Gesetze des Films so wollen, müssen alle, die sich auch nur fünf Minuten als festes Paar ausgeben, zuletzt echt eines werden. Und so setzt der bodenständige Huang Da alles daran, das gefrorene Herz der schönen Cellistin aufzutauen. Als es ihm schließlich gelingt, taucht ausgerechnet ihr verschollener Verlobter Xu Zhuo (Godfrey Gao) auf, der nach all der Zeit immer noch Anspruch auf Xun erhebt. Für wen wird sie sich wohl entscheiden?

Huang Bo stellt sicher nicht das männliche Schönheitsideal Chinas dar und so macht allein diese Tatsache seine Rolle schon etwas sympathischer. Trotzdem bleibt der bodenständige Bauarbeiter eine oberflächliche Figur, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben verliebt, nur unter der Dusche singt und schon mal in Pumps durch die Wohnung stapft. So herzensgut und naiv wie er ist, so uninteressant ist er aber auch. In Ermangelung besserer Alternativen hat er die Sympathien dennoch auf seiner Seite. Dass er sich in die für ihn normalerweise unerreichbare Ye Xun verliebt, ist ebenso nachvollziehbar. Immerhin ist sie erst einmal nett zu ihm, hilft ihm sogar dabei, Schulden einzutreiben, und behandelt ihn kaum von oben herab (wie es andere Zicken ihres Standes in der Regel in Filmen tun). Diese Perfektheit macht die Figur der Xun nur leider genauso langweilig. Im Laufe des Films wird sie dank ihres Verhaltens sogar immer unsympathischer. Nachdem ihr Verlobter verschwunden ist, lässt sie aus Verlustängsten niemanden mehr an sich heran, macht Huang Da erst falsche Hoffnungen und behandelt ihn dann wie das Allerletzte. Lin Chiling spielt dabei auch noch so steif, dass der »Konflikt« einfach keinen Spaß macht. Nachdem Godfrey Gao auch so groß auf den Plakaten zu sehen ist, ist klar, dass seine Figur im Film wieder auftaucht. Einen Schönling braucht eben doch jeder (China-)Film. Nicht überraschend bleibt seine Figur noch blasser als der Rest und seine Beziehung mit Xun ist lediglich Formsache. Für wen sich Xun schlussendlich entscheiden wird, ist sowieso seit dem Vorspann klar.

Originalität ist neben den blassen Figuren nicht gerade eine Stärke von Say Yes!. Die üblichen Klischees, ein paar angesagte Locations in Shanghai, bekannte Versatzstücke und die Oberflächlichkeit lassen eben höchstens mittelmäßigen Spaß aufkommen. Romantisch, um nicht zu sagen kitschig, wird es aber durchaus. Womit man die Zielgruppe eigentlich schon fast zufrieden gestellt haben dürfte. Metropole, Herzschmerz, Meer und Hochzeitskleider – wer auf so was steht, dürfte bei Say Yes! richtig sein, hat den Inhalt aber sicherlich schon in interessanteren Verfilmungen gesehen.

© Shaoshi, 27. April 2013
3/10

101次求婚 | 101 Ci Qiu Hun
China • 2013 • 104 Min. • Romanze
Alternativtitel | 101st Marriage Proposal
Regie | Leste Chen
Drehbuch | Zhang Wei, Ren Peng
Darsteller | Huang Bo, Lin Chiling, Amanda Qin, Godfrey Gao, Takeda Tetsuya, Cheng Yi, Wang Xun, Jiang Xiwen, Li Haibin, Zhao Bingrui, Liu Chunlong, Liu Shining, Chen Ran, Hua Shao, Li Han, Christophe, Qin Yan, Zhuo Tianquan, Zhao Xiaolu, Zhou Ronghua, Zhu Lina, Wu Xuxin, Wang Zheng, Zhang Xinyue, Zheng Peijuan, Xu Rong, Wei Xinyi, Chang Jun, Zhang Qi, Yang Jiexi, Li Kaiyi, Xiang Yi, Huang Wenming, Xiao Fengming, Lu Guoxiang, Guo Junhua, Shen Yanwen, Liu Qilu, Xiao Qinghai, Wu Junbao, Qi Dongxu

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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2 Gedanken zu “Filmkritik | Say Yes! (China, 2013)

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