Filmkritik | Curiosity Kills The Cat (China, 2006)

Curiosity Kills The CatWenn aus einem Land bevorzugt romantische Komödien nach dem ewig gleichen Muster kommen, kann man froh sein, wenn man in diesem ganzen Wust endlich mal wieder etwas anderes entdeckt. Dementsprechend erwartungsvoll habe ich mich auf den Thriller Curiosity Kills The Cat gestürzt. Und siehe da: Chinesen können tatsächlich auch noch anders!

Als Fotografin Momo (Lin Yuan) entdeckt, dass der reiche Zheng Zhong (Hu Jun) mit der Kosmetikerin Sharon (Song Jia) eine Affäre hat, spioniert sie den beiden hinterher, um Zheng Zhongs Frau Rose (Carina Lau) ein Beweisfoto zukommen zu lassen. Zheng Zhong würde seine heimliche Beziehung allerdings am liebsten beenden, um seine Ehe zu retten, doch Sharon lässt ihn nicht so einfach gehen. Dann wird Rose plötzlich Opfer diverser Farbattacken. Und was hat Security Man Liu Fendou (Liao Fan) mit all dem zu tun?

Das liest sich zunächst einmal wie ein typischer Thriller rund um eine verbotene Liebe. Und genau das ist Curiosity Kills The Cat letztendlich auch. In einem Land, wo Erotik unter Zensur steht, ist natürlich fraglich, was für eine Daseinsberechtigung so ein Film hat, aber die ungewöhnlich intelligente Herangehensweise an das Material weiß zu fesseln. Zhang Yibai (Eternal Moment) erzählt seine Geschichte nämlich aus mehreren Blickwinkeln, deren einzelne Episoden oft kryptisch bleiben. Erst aus der Sicht einer anderen Figur lernen wir eingangs noch merkwürdig erscheinende Details zu deuten und tasten uns so langsam ans Finale heran. Allzu überraschend ist dieses zwar dann nicht, doch folgt der Film zufriedenstellend dem Motto »der Weg ist das Ziel«.

Als weitere Abwechslung spielt der Thriller einmal nicht in den schillernden Metropolen Peking oder Shanghai, sondern im Großstadtmoloch Chongqing—eines der größten Ballungszentren der Welt. Versmoggte Luft, versiffte Containerhäfen und unansehnliche Wolkenkratzer fangen perfekt die düstere, kühle Atmosphäre des Films ein, immer wieder unterbrochen durch die fast schon romantische Darstellung eines alten Viertels samt seiner kleinen Häuschen, Treppchen und armen Bewohner. Kameramann Yang Tao stellt an seine Bilder einen fast schon künstlerischen Anspruch, der dem Auge wohltut und trotz geringem Budget den großen Produktionen in Nichts nachsteht.

Zwei kleine Kritikpunkte gibt es aber doch. Obwohl Momo die Geschichte durch ihre Schnüffeleien überhaupt erst ins Rollen gebracht hat, rückt sie im Laufe des Films immer mehr in den Hintergrund. Insgesamt bleiben die Figuren auch zu distanziert. Gerade Hu Jun spielt seine Rolle als Ehebrecher so dermaßen kalt, dass es schwer ist, sich in seine Gefühlswelt hineinzuversetzen oder seine drastische finale Entscheidung nachzuvollziehen. Da er mit die wichtigste Rolle innehat, ist das sehr schade.

Unterm Strich ist Curiosity Kills The Cat ein gelungener Thriller, der nur umso mehr erfreut, wenn man von all den chinesischen RomComs langsam die Schnauze voll hat. Der Thriller spielt nicht nur an einem erfrischend anderen Ort, sondern erzählt auch seine Geschichte auf ungewöhnliche und fesselnde Weise. Ganz ohne Makel ist der optisch ebenfalls schöne Thriller jedoch nicht. Man hätte definitiv noch mehr aus dem Film herausholen können. Vergleicht man den Streifen jedoch mit den oftmals seichten Chinafilmen der letzten Jahre, wird Curiosity Kills The Cat zu einem interessanten Thriller, der gut unterhält, aber den Zuschauer auch fordert, zur Entwirrung der Geschehnisse ein bisschen sein Hirn eingeschaltet zu lassen.

© Shaoshi, 25. Oktober 2012
7/10

好奇害死貓 | Hao Qi Hai Si Mao
China • 2006 • 93 Min. • Thriller
Regie | Zhang Yibai
Drehbuch | Zhang Yibai, Huo Xin
Darsteller | Carina Lau Ka-Ling, Lin Yuan, Song Jia, Liao Fan, Hu Jun

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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Ein Gedanke zu “Filmkritik | Curiosity Kills The Cat (China, 2006)

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