Filmkritik | If You Care … (Hongkong, 2002)

If You CareHongkong war humortechnisch ja schon immer eher für seine Haudrauf-Art bekannt. Was früher jedoch noch lustig war, wurde nach 1997 zunehmend nerviger. Die Orientierung an Hollywood hat nicht funktioniert, aber eine neue Identität ließ sich auch nicht so recht finden. Was bleibt, ist, Komödien weiterhin mit primitivem Humor auszukleiden und darauf zu hoffen, dass man trotz Overacting und nerviger Inszenierung den ein oder anderen Zuschauer vielleicht doch nicht vergrault. Mit If You Care… ging das mal wieder voll in die Hose, obwohl der Film durchaus Potenzial gehabt hätte.

Gino Cheung (hemmungslos: Eason Chan) ist nicht gerade der netteste Mensch auf Erden. Tatsächlich ist er vielleicht sogar eines der größten Arschlöcher, die auf diesem Planeten wandeln. In der Arbeit legt er sich mit seinen Kollegen (u.a. unerträglich: Candy Lo) sowie Rivalin Jennifer (tödlich nervig: Rain Li) an, in seiner Freizeit schikaniert er Bettler, Kinder und Kranke gleichermaßen. Nun kommt es, dass er sich bei einem Unfall die rechte Hand verletzt, mit der er fortan die Gefühle anderer Menschen miterlebt, sobald er diese berührt. Natürlich könnte er damit nun Gutes tun, aber Gino bleibt seiner Natur erst einmal treu. Kann ihn wenigstens seine Kindheitsfreundin Gillian (Twins-Hälfte: Gillian Chung), die heute bei der Feuerwehr arbeitet, auf den richtigen Weg bringen?

Auf dem Papier klingt das vielleicht noch ganz unterhaltsam, aber auf dem Celluloid ist von Spaß kaum was zu spüren. Mag man meinen, dass es noch ganz witzig sein könnte, einem Misanthropen beim Leute-schlecht-Behandeln zuzusehen, ist es das letztendlich kaum. Die Schikanerie nutzt sich ziemlich schnell ab, auch wenn etwa die Szene, in der Gino einem Krankenhauspatienten die lebensnötigen Geräte ausstöpselt, weil er für seinen Laptop Strom braucht, noch ganz lustig geworden ist. Größtes Problem für den Film ist aber Eason Chan selbst, der sich in konstantem Overacting durch den Film grimassiert, dass er eben nicht einen amüsanten Unsympathen abgibt, sondern als absolut nervtötender Kotzbrocken regelrechte Hassgefühle auslöst. Bei so einer Figur ist es mir egal, ob er irgendwann die Angebetete gewinnen kann und sich zum Guten wandelt—dass das passieren wird, ist sowieso klar. Lediglich, wenn Eason Chan mit Gillian Chung allein auf der Mattscheibe auftritt, nimmt er sich zurück. Man könnte dann fast meinen, man sähe einen normalen Film—wenn auch keinen besonders interessanten. Zu Easons Verteidigung sei gesagt, dass sich auch der restliche Cast nicht besser anstellt. Einzig Gillian Chung nimmt sich zurück, wobei sie außer ein bisschen nett lächeln auch nicht viel tun darf.

If You Care… ist so übertrieben, dass es wirklich keinen Spaß mehr macht, dabei zuzusehen. Die Figuren nerven, die Darsteller wirken wie Verrückte auf Speed und mit der Handlung sowie der Inszenierung lässt sich auch kein Blumentopf gewinnen. If You Care… strapaziert in allen Bereichen die Nerven der Zuschauer. Das ist wahrlich kein Film für Leute, die schnell zu Aggressionen neigen.

© Shaoshi, 26. Mai 2012
3/10

賤精先生 | Chin Cheng Sin Sang
Hongkong • 2002 • 107 Min. • Komödie
Produzent | Benny Chan Muk-Sing
Regie | Adrian Kwan Shun-Fai
Drehbuch | Adrian Kwan Shun-Fai, Chit Ka-Kei, Wai Mei
Darsteller | Eason Chan Yik-Shun, Gillian Chung Yan-Tung, Candy Lo Hau-Yam, Eric Kot Man-Fai, Hui Siu-Hung, Rain Li Choi-Wah, Patrick Tang Kin-Won, GC Boo Bi, Tats Lau Yi-Tat, Lam Suet, Tony Wai Ka-Hung, Lawrence Chou Chun-Wai, Yoyo Yiu Wing-Man, Bonnie Wong Man-Wai

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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