Filmkritik | Honesty (Hongkong, 2003)

HonestyHongkong-Regisseur Wong Jing bekommt gerne einmal verbale Ohrfeigen für seine Arbeiten. Mit seinem Werk Honesty kommt er gerade noch einmal davon. Wider Erwarten ist die romantische Komödie nämlich ganz unterhaltsam geworden. Romantisch wird es zwar nicht, dafür entschädigt aber die (primitive) Comedy.

Der junge Tierarzt Moses Tsang (Richie Ren) ist der netteste, ehrlichste und aufrichtigste Mann der Welt. Er ist so gut, dass man ihm dafür gern mal eine langen würde. Auch seiner Freundin Mi (Lee San-San) wird das irgendwann zu viel, weshalb sie sich lieber mit einem Bad Guy einlässt und ihren Ex-Freund Moses aus seiner eigenen Wohnung schmeißt. Von da an hält das Chaos in Moses’ perfekten Alltag Einzug. Er kommt nämlich bei seinem Neffen Barry (Raymond Wong Ho-Yin) unter, der gleich mehrere Freundinnen hat und Moses öfters mal dazu verdonnert, mit Lügen auszuhelfen. Für Moses ist Lügen natürlich das Schwerste der Welt, zumal er dabei auch noch jedes Mal in Tränen ausbricht. Noch turbulenter wird es, als Club Girl Didi (Cecilia Cheung) auf den Plan tritt. Sie erfährt nämlich zufällig von einem Kunden, der gleichzeitig Anwalt eines mit Moses befreundeten Rentners (Wong Jings 2010 verstorbener Vater Wong Tin-Lam) ist, dass ebenjener Rentner Moses sein gesamtes Vermögen hinterlassen will. Und das ist nicht wenig. Da Didi von Moses weicher Seite weiß, hält sie es für ein leichtes Spiel, als angeblich herzkrankes Mädel in sein Leben zu treten, ihn zu verführen und mit ihm zusammen, d.h. mit dem bald geerbten Vermögen, alt zu werden. Moses weiß natürlich von nichts—er weiß weder, dass er bald ein Vermögen erben wird, noch dass Didi ein falsches Spiel mit ihm spielt. Dann aber hält die Liebe Einzug und macht alles noch komplizierter, als plötzlich auch noch Moses Exfreundin Mi wieder auftaucht.

Einst griff Wong Jing in Love Me, Love My Money ein ähnliches Thema auf. Auch in dieser romantischen Komödie wurde der reiche Held (Tony Leung Chiu-Wai) aus seinem Haus geworfen und stand erst einmal vor dem Nichts. Dann verliebte er sich in eine junge Frau (Shu Qi), die nichts von seinem eigentlichen Reichtum wusste. Liebe, Wirrungen und Lügen—und am Ende natürlich ein Happy End. Hier ist es anders herum. Moses ist ein Loser, ohne Geld und Bleibe. Bald aber wird er reich, was zwar er nicht weiß, Didi dafür umso besser. Mit Lügen erschleicht sie Moses Herz, der prompt darauf hereinfällt, aber sich ebenso schnell wieder abwendet, als er die Wahrheit erfährt. Ein Happy End gibt es natürlich trotzdem und das ist kein Geheimnis, das ist offensichtlich. Von der ersten Minute an. Dass dieses aber mit einer Gesangseinlage auf dem Bahnsteig inklusive Statistenchoreographie endet, hätten wir nicht gedacht. Da es sich bei Honesty um einen Film von Wong Jing handelt, hätten wir uns aber zumindest denken können, dass der Film reichlich albern enden würde.

Richie Ren spielt recht überzeugend den liebenswerten, tödlich naiven Moses, wenn er auch so manches Mal mit seiner übertrieben netten Rolle Aggressionen beim Zuschauer zu Tage fördert. Wie schon in Fly Me To Polaris gefällt er an der Seite von Cecilia Cheung. Die darf die dreiste Lügnerin geben, die nur aufs Geld aus ist, die aber bald schon echte Gefühle für Moses entwickelt. Auch Moses verliebt sich, wie es sich für eine romantische Komödie gehört. Allerdings fehlt die Romantik, weil sich Wong Jing darauf nicht so gut versteht und das große Nichts stattdessen mit Comedy auffüllt. Böse Zungen mögen behaupten, dass sich Wong Jing auch auf Comedy nicht versteht, weil seine Gags meist ausgelutschte Schenkelklopfer, wahllose Filmparodien und geschmacklose Zoten sind. In Honesty funktioniert der Humor aber (meistens), weshalb die mehr als blasse Romanze dann doch noch gut unterhält. Zu einem Großteil haben wir das Raymond Wong zu verdanken, der als mehrgleisig fahrender Playboy Barry ganz amüsant geraten ist, zumal er so manches Mal mit Moses‘ Hilfe improvisieren muss, damit seine Freundinnen nicht voneinander erfahren. In einer weiteren Nebenrolle klamaukt sich Chapman To als Didis eifersüchtiger Ex-Freund, der schon mal mit Molotow-Cocktail in Moses’ Praxis vorbeischaut, durch den Film. Das ist zwar überflüssig, da für die Handlung so gut wie nicht relevant, und auch Chapman To haben wir nun schon mehrmals in einer solchen dümmlichen Rolle gesehen, aber wenn man das große Ganze betrachtet, fügt auch er sich nahtlos in das alberne Chaos ein, das Wong Jing in Honesty gestiftet hat.

Als Romanze ist Honesty ein Totalausfall. Als seriöser Film mit tiefen Emotionen und Innovationen ebenfalls. Als hirnlose Unterhaltung taugt Honesty aber ganz gut, um nicht zu sagen sehr gut. Viele Gags sind Treffer und obendrein nicht ganz so geschmacklos wie in anderen Wong Jing-Werken (auch wenn etwa Raymond Wong durchaus mal als Riesenbaby in Windeln über den Bildschirm hüpfen muss…). Die langweilige Liebesgeschichte zwischen Moses und Didi ist mit genügend Nebenfiguren bevölkert, um doch noch ganz gut zu unterhalten. Amüsant und kurzweilig ist Honesty schon. Der Film ist aber auch so inkonsistent und planlos wie die meisten von Wong Jings Werken. Wer Fan von Cecilia Cheung ist und/oder sich auch an primitiven Filmen mit simplem Humor ergötzen kann, für den ist Honesty genau richtig. Wer es etwas anspruchsvoller mag, der sollte um Honesty (wie um den Großteil von Wong Jings Filmographie) einen großen Bogen machen.

© Shaoshi, 13. März 2012
6/10

絕種好男人 | Chuet Chung Ho Nam Yun
Hongkong • 2003 • 100 Min. • Komödie
Regie | Wong Jing
Drehbuch | Wong Jing
Darsteller | Richie Ren, Cecilia Cheung Pak-Chi, Chapman To Man-Chak, Raymond Wong Ho-Yin, Harwick Lau Hau-Wai, Johnson Lee Si-Jit, Lee San-San, Prudence Kao, Lee Fung, Eric Kot Man-Fai, Wong Tin-Lam, Pinky Cheung Man-Chi, Iris Wong Yat-Tung, Louisa Ng, Eva Wong Sum-Yu, Sammy Leung Chi-Kin, Siu Yee, Wong Jing

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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