Filmkritik | Rob-B-Hood (Hongkong, 2006)

Rob-B-HoodJackie Chan verkauft sich gut. Babys auch. Der gutaussehende Louis Koo wird auch immer gefragter. Und Michael Hui war doch auch mal ein Star. Und wenn man das alles in einen großen Topf wirft, ein bisschen altbewährte Handlung dazugibt und kräftig umrührt, hat man Rob-B-Hood, eine Soße, die zwar nicht besonders gut schmeckt, aber immerhin den gröbsten Hunger stillt.

Die beiden Tresorknacker Fong Ka-Ho (Jackie Chan) und Octopus (Louis Koo) müssen unfreiwillig in die Vaterrolle schlüpfen, als ihr Freund Landlord (Michael Hui) ein Baby stiehlt. Die beiden sind freilich erst einmal überfordert, doch bald schon wächst ihnen der zuckersüße Wonneproppen ans Herz—spätestens dann, wenn sie es einer Horde Bösewichte für einen Vaterschaftstest übergeben sollen.

Die Thematik dieses Streifens galt schon Ende der 80er als ausgelutscht. Unbeholfene Männer tun sich bei der unfreiwilligen Babyaufzucht schwer. Da wird Windelwechseln zur Staatsaktion und Flaschenkochen zur Herausforderung. Da muss man sich beim Babyartikeleinkauf als schwules Pärchen ausgeben und als einziger Mann an diversen Babykursen teilnehmen. Alles schon hundertmal gesehen. Zwar nicht unbedingt besser als hier, aber auch nicht schlechter.

Bis es zum Volle-Windeln-durchs-Zimmer-Werfen kommt (was anschaulicht zeigt, mit welchem Humorniveau wir es bei Rob-B-Hood zu tun haben), vergeht aber erst mal Zeit. Erst nach einer geschlagenen halben Stunde nämlich scheint sich endlich so etwas wie eine Handlung zu entwickeln; will heißen, erst dann geraten Fong und Octopus an das Baby, das wie erwartet der süßeste, widerwärtigste Fratz ist, den man in Hongkong auftreiben konnte, und somit Kinderhasser wahlweise mit Geplärre oder fröhlichem Glucksen verstimmt.

Dementsprechend naiv ist auch der Humor in Rob-B-Hood, der entweder auf typischem Jackie Chan-Klamauk, aber vor allem auf dem Klischee basiert, dass unbedarfte Männer mit der Säuglingsversorgung maßlos überfordert sind. So wird der Spaß massenkompatibel flach, kitschig und familientauglich.

Ebenso harmlos fallen selbstverständlich Schlägereien und Akrobatikeinlagen von Jackie Chan aus, die immerhin ganz passabel in den Film eingepasst wurden, auch wenn z.B. die Batscherei auf einem Riesentrampolin, bei der sich wieder mal nur Jackie als agil beweist, nicht vonnöten gewesen wäre. Da ist die turbulente Jagd nach dem Korb samt Baby, der sich eben aktiv am Straßenverkehr beteiligt, weitaus interessanter zu sehen und stellt den vielleicht einzigen Lichtblick im ansonsten so zuckersüß-klebrigem Gefüge. Nicht nur in den Kampfszenen, auch insgesamt gibt es relativ viel Wirework und Computernachbearbeitung zu sehen, was dem Film einen künstlichen Touch verleiht und den Spaß weiter mindert.

Mit mehr als zwei Stunden ist der Film dann auch noch gut eine Dreiviertelstunde zu lang, was zur Folge hat, dass man beim doofen Finale im Vergnügungspark, wo unser Oberbösewicht (Chen Baoguo) sein Lager samt privatem Kühlraum aufgeschlagen hat, schon gar nicht mehr richtig hinguckt. Ist vielleicht auch besser so.

Hauptaugenmerk liegt klar auf Jackie Chan, aber auch Louis Koo hat seine Leinwandpräsenz. Nur Michael Hui in seiner Nebenrolle als Landlord wurde völlig verschenkt. Er darf weder witzig sein, noch Gewicht in den Film legen. Tatsächlich hat man es sogar versäumt, seine unsympathische Rolle vernünftig in die Handlung einzubauen, so dass er ziemlich isoliert von den beiden anderen Hauptdarstellern mit seiner Frau, die stets eine Puppe wie ein lebendiges Baby mit sich herumträgt, vor sich hinsiecht. Für Fans hat dann immerhin Jackie Chans alter Kollege Yuen Biao einen Cameo-Auftritt als schlagkräftiger Polizist.

Rob-B-Hood ist mal wieder nichts anderes geworden als harmloser Familienspaß, allerdings kommen bei den bunten Kindereien höchstens die Kleinen auf ihre Kosten. Im Grunde ist der Film eine aufgeblähte, substanzlose Zuckerwattewolke, die zwar niemandem weh tut, die man sich aber trotzdem sparen kann. Stereotypen, ein niedliches Baby, ein viel zu ausufernder Handlungsablauf, das übliche harmlose Gekloppe, Familiendramatik und eine so naive Moral, dass einem das nackte Grausen kommt, lassen bei Rob-B-Hood keine Freude aufkommen. Beinharte Jackie-Chan-Jünger werden ihrem Idol zwar auch diesen bunten Murks verzeihen, sollten aber auch nicht zu viel verlangen.

© Shaoshi, 22. März 2009
3/10

寶貝計劃 | Bo Bui Gai Wak
Hongkong • 2006 • 121 Min. • FSK 12 • Actionkomödie
Regie | Benny Chan Muk-Sing
Drehbuch | Jackie Chan, Benny Chan Muk-Sing, Alan Yuen Kam-Lun
Darsteller | Jackie Chan, Louis Koo Tin-Lok, Michael Hui Koon-Man, Charlene Choi Cheuk-Yin, Chen Baoguo, Gao Yuanyuan, Teresa Carpio, Ken Lo Wai-Kwong, Hiro, Terence Yin Chi-Wai, Conroy Chan, Andrew Lin, Yuen Biao [Cameo], Daniel Wu Yin-Cho [Cameo]

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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