Filmkritik | Battle Of Kingdoms – Festung der Helden (Hongkong / China / Japan / Südkorea, 2006)

Hier noch schnell was Aufgewärmtes:

A Battle Of WitsHongkong-Regisseur Jacob Cheung wollte das Manga »Bokushi Kouryaku« mit historischem Bezug eigentlich schon Mitte der 90er Jahre verfilmen, bekam aber erst zehn Jahre später, dank den Erfolgen von Kostümschlachten wie Hero oder Musa – Der Krieger, die nötige finanzielle Unterstützung, um so ein großangelegtes internationales Projekt wie Battle Of Kingdoms (vor und hinter der Kamera finden sich Chinesen, Japaner und Koreaner) realisieren zu können.

370 Jahre v.Chr. ist China in viele kleine Reiche aufgeteilt. Eines der größten und stärksten Reiche ist Zhao, das eine Truppe von Soldaten unter Führung von General Xiang (Ahn Seong-Gi) ausschickt, um gegen das Reich Yan zu kämpfen. Auf ihrem Weg liegt das kleine Königreich Liang mit gerade einmal 4000 Einwohnern, das sich ganz in guter alter Gallier-Manier dem übermächtigen Feind stellen will—dabei wollte General Xiang auf seiner Durchreise gar keinen Ärger vom Zaun brechen. Das Liang-Reich sucht Hilfe vom Mozi-Clan, von dem allerdings nur ein einziger hilfsbereit ist—der Frieden liebende Stratege Geli (Andy Lau). Mit seiner Hilfe wird Liang zu einem starken Gegner für Zhao—es entbrennt eine Schlacht, wo eigentlich gar keine geplant war, und in der es letztendlich nur noch ums Ego geht, ehe sie alle Beteiligten ins Verderben zieht.

Zentrale Figur der Schlacht ist Geli, der die philosophischen Lehren des Mozi-Clans, die sich für die Erhaltung von Frieden, Liebe und Gerechtigkeit einsetzen, transportiert und so in ständigem Konflikt mit sich selbst steht. Einerseits wünscht er sich nichts sehnlicher als Frieden, andererseits kann er den Krieg und die daraus resultierenden Leichenberge nicht vermeiden. Dumm nur, dass Andy Lau (als einziger mit Kurzhaarschnitt) den Charakter Gelis und dessen innere Zerrissenheit nicht einfühlsam darstellen kann, und es ihm das starre Drehbuch auch nicht gerade leicht macht. Im Grunde ist Geli im Film der gebrochene Held, der sich allein dadurch charakterisiert, dass er sehr intelligent ist, wenn es darum geht, gerissene Kriegsstrategien auszutüfteln, und in naiven, pseudo-philosophischen Zeilen dafür plädiert, keine Menschen totzumachen.

Besser widmet sich Regisseur Cheung da der Philosophie der Mozi, wenn er nicht nur das Leben der Generäle, Kriegshelden und Herrscher berücksichtigt, sondern uns auch das der einfachen Leute wie Bauern, Kinder, Flüchtlinge, Gefangene und sogar einem ausländischen Sklaven präsentiert. Dennoch lässt sich nicht übersehen, dass auch hier der Schwerpunkt auf den Kriegsführern liegt. Neben Andy Lau als blasser Geli glänzen dabei vor allem Ahn Seong-Gi als General Xiang sowie Wang Zhiwen als König Liang.

Größtes Lob erhält Jacob Cheung allerdings für seine originalgetreue Darstellung von Kostümen, Kulissen, Farben und dem damaligen Leben der Leute. Karge Wüstenlandschaften als Hintergründe passen ebenfalls hervorragend zu der Misere, in die sich die Figuren schnell hineinmanövrieren. Das war es allerdings auch schon mit den guten Seiten von Battle Of Kingdoms.

Insgesamt fehlen dem Film nämlich—wie so oft in Filmen wie Battle Of Kingdoms—Tiefe und Emotionen. Man wird mit keiner Figur so recht warm, kann ihre Beweggründe kaum nachvollziehen, da Dialoge und Schlüsselszenen teilweise unglaublich kurz und oberflächlich gehalten werden. Durch den fehlenden emotionalen Tiefgang mangelt es auch an Dramatik und dadurch wiederum an Spannung. Überhaupt hat man öfters das Gefühl eine imposant gestaltete Geschichtsdokumentation zu sehen denn ein packendes Historienepos. Unverhältnismäßig sachlich widmet man sich den Kriegsstrategien, die da in behäbigen Krisensitzungen so aus dem Ärmel geschüttelt werden—Pfeilregen, Tunnelbau, Spione, Schwefelnebel und das gute alte Schwert-auf-Schwert-Gekloppe. Da auch die Kämpfe nicht allzu spektakulär—wenn für einen Kriegsfilm natürlich ausreichend brutal—dargestellt werden, kommt Battle Of Kingdoms ohne nennswerte Höhen und Tiefen aus. Fan Bingbing als Generälin Yi Yue spielt dabei als Love Interest für Geli eine unbedeutende bis lächerliche Nebenrolle, bekommt aber immerhin so wenig Spielraum, dass sich der Film nicht noch durch unnötige Bettszenen in die Länge zieht. Zuletzt ist auch noch die Kameraführung teils verwirrend, wenn Figuren lediglich in Halbtotalen und Totalen gezeigt werden, so dass man herzlich wenig vom Hintergrund zu sehen kommt und sich oftmals fragt, auf welcher Seite der Stadtmauer sie denn nun gerade stehen.

Wer auf Kriegsfilme steht, die ihren Schwerpunkt auf strategische Überlegungen und sachliche Darstellungen legen, der dürfte bei Battle Of Kingdoms nicht verkehrt liegen. Die realistische Darstellung des damaligen Lebens, der Kulissen, Kostüme und der Kriegsführung tut gut. Der Krieg wird hier nicht heldenhaft verklärt und führt einen jeden Einzelnen ins Verderben. Erfreulicherweise wird auch falsche Romantik bis auf wenige Andeutungen ganz außen vorgelassen. Dass der Film dadurch an Tiefe und Emotionen verliert, ist weniger schön, zumal er durch die innere Zerrissenheit Gelis großes Potential gehabt hätte. Die steife Erzählweise nimmt Battle Of Kingdoms nicht nur viel an Fahrt, sondern macht ihn streckenweise, gelinde gesagt, einfach nur langweilig. Battle Of Kingdoms ist trotzdem nicht unbedingt schlecht, aber zu einem guten Film hätte es mehr gebraucht als ein passendes Setting, gute Absichten und einen Megastar in der Hauptrolle.

© Shaoshi und Xiaobao, 17. Oktober 2010
5/10

墨攻 | Mo Gong
Hongkong | China | Japan | Südkorea • 2006 • 127 Min. • FSK 16 • Historienfilm
Alternativtitel | A Battle Of Wits
Regie | Jacob Cheung Chi-Leung
Drehbuch | Jacob Cheung Chi-Leung
Darsteller | Andy Lau Tak-Wah, Ahn Seong-Gi, Wang Zhiwen, Fan Bingbing, Choi Si-Won, Sammy Hung, Yu Cheng-Hui, Chin Siu-Ho, Wu Ma, Nicky Wu, Wang Ziye, Zhang Zhe, Zhang Wei-Dong, Tao Hai, Liu Si-Ning, Yi Fei, Lin Yong-Jiang, Wang Shuangbao, Zhou Bo, Zhang Li, Peng Li, Ye Hua, Fang Jingru, Zhao Fuli, He Qing-Feng, Xu Xiangdong, Xie Bing, Wu Zhen, Joe Tsang, Shaan Price, Ka Li, Yang Lixiao, Zhou Bin, Zhang Jian, Zhang Tao, Li Xiao-Qiang, Pang Lei, Zhu Deshun, Hao Gang

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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