Filmkritik | My Dream Girl (Hongkong, 2003)

My Dream GirlMittelmäßige Filme gibt es ja zuhauf. Die romantische Komödie My Dream Girl ist einer davon. Und das impliziert ja schon der lustlose Titel.

In dieser Version der ausgelutschten »Prinzessin über Nacht«-Geschichte hätten wir den reichen in Shanghai ansässigen Automobilhersteller Cheung (erstaunlich farblos: Richard Ng), der in den ersten fünf Minuten Film aus nicht näher definierten Gründen seine verlorene Tochter Ning (enttäuschend: Vicki Zhao) wiederfinden will. Er trifft sie schmutzig, ungekämmt und hässlich gekleidet in einem armen Dorf, wo sie sich nicht gerade damenhaft verhält. Cheung nimmt sie mit nach Hause und lässt sie so verlottert in seinem Palast schlafen. Doch weil er einen Alptraum hat, in dem Ning wenig anmutig Kuchen isst, ist dem Milliardär klar—Ning muss so schnell wie möglich zur Tochter aus feinem Haus umgemodelt werden. Das ruft den seit längerer Zeit arbeitslosen Hongkong-Schönling Joe Lam (Ekin Cheng) auf den Plan, der als Image-Berater nach Shanghai beordert wird, um das hässliche Entlein zur Lady umzuerziehen. Leider hat Joe Lam, was seine eigenen Klamotten angeht, zwar treffsicheren Geschmack (Ekin Cheng ist hier stets ganz besonders schön in Schale geworfen), schafft es aber offensichtlich nicht, beim anderen Geschlecht einen modischen Volltreffer zu landen. Ob mit Absicht, aus Unfähigkeit oder aus anderen unerklärlichen, humoristischen Gründen wissen nur die Macher. So geht die Umstyleaktion also nach hinten los, wenn Joe Lam Ning in wallende, bunte, gemusterte Gewänder (alle Designer, aber trotzdem zu viel des Guten) und seltsame Perücken steckt. Das zieht auch den Argwohn der großzügigen Geldgeber auf sich, weshalb sich Joe Lam schnell vor eine Prüfung gestellt sieht. In Kürze soll Ning an einer von Papas High-Society-Partys teilnehmen—mit perfektem Styling und gutem Benehmen, versteht sich. Weil Joe Lam seinen Job gefährdet sieht, sucht er Hilfe bei seiner Ex-Freundin, die zufällig im Modebereich arbeitet. Und siehe da: aus dem hässlichen Entlein Ning wird ja doch noch ein Schwan.

Zuerst die guten Seiten von My Dream Girl: Die hellen, auf Hochglanz polierten Bilder aus Shanghai gefallen, was auch daran liegt, dass man die Protagonisten durch die aufregendsten, modernsten Bürogebäude oder blitzblanke Auto-Showrooms stapfen lässt. Auch der stilsicher gewandete Ekin Cheng macht nicht nur was für die Augen seiner Fans her. Humoristisch bedient man sich an Klamauk und Albernheiten, die zwischendrin sogar mal funktionieren—sofern man denn auf die infantile Art des Hongkong-Humors steht.

Womit wir auch schon bei den schlechten Seiten wären. Eine Handlung existiert praktisch nicht. Lediglich das dünnste Minimum, um das Verhalten der einzelnen Personen zu rechtfertigen, wird uns da aufgetischt. Alles scheint nur darauf hinauszulaufen, dass man aus Vicki Zhao irgendwann eine Schönheit macht. Dass das klappt, wird ja auch von keinem bezweifelt. Schließlich ist Vicki Zhao hübsch und kann das auch nicht verbergen, wenn man ihr die Haare zerzaust, sie in hässliche Klamotten steckt und ihr das Gesicht verdreckt (und sie trotzdem mit übernatürlich weißzahnigem Lächeln blendet). Dennoch bilden Joe Lams misslungene Umstyle-Aktionen im Mittelteil den Schwerpunkt von My Dream Girl—wobei man anmerken muss, dass ihr späteres professionelles Styling auch nicht gerade mit einem Wow-Effekt präsentiert wird. Irgendwo dazwischen soll es zwischen Ning und Joe Lam sogar knistern, nur leider merkt man davon nichts. Als sie sich zwei Jahre später wieder über den Weg laufen, gibt es trotzdem noch schnell ein hingerotztes Happy End. Das nimmt man ihnen aber nun überhaupt nicht ab, weil die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern nicht stimmt und sie sich mal abgesehen von den generierten, sinnlosen Umstyle-Szenen nicht so recht in trauter Zweisamkeit einander näher kommen können. Dass sich Ning schon beim ersten Zusammentreffen auf einer Rolltreppe unsterblich in Joe Lam verliebt, ist klar, aber warum sich Joe Lam in seinen Ansichten plötzlich um 180° dreht, bleibt ein Mysterium.

Und das ist auch so ein Problem von My Dream Girl. Realitätsferne ließe sich ja verschmerzen, wenn man sie denn wenigstens einigermaßen glaubwürdig über die Bühne bringen würde. Durch Raymond Yips überdrehte und oberflächliche Inszenierung kann man die Beweggründe der Figuren kein bisschen nachvollziehen, sei es nun das Hauptpaar Joe und Ning oder auch Cheungs Assistenten (Vincent Kok, Nicole Liang), die sich in ihrer Leidenschaft plötzlich gegenseitig die Haarteile von den Köpfen reißen. Wenig sympathisch und bar jeglicher Überraschung führt man uns durch einen Film, der mehr schlecht als recht unterhält. Selbst ein ausgelutschtes Thema wie dieses hätte man um einiges unterhaltsamer rüberbringen können.

Es gibt zwar schlechtere Filme als My Dream Girl, aber wohl kaum eine schlechtere Interpretation des ausgelutschten »Prinzessin über Nacht«-Stoffs. Blöde Umstyle-Aktionen und eine an den Haaren herbeigezogene Liebesgeschichte machen My Dream Girl zu einem unglaubwürdigen, wenig unterhaltsamen Film. Der Restunterhaltungswert beschränkt sich auf den ein oder anderen Gag (wer’s mag) und Ekin Cheng, den man gern in all den lässigen Outfits sieht. Da könnte man sich aber ebensogut einen Bildband von ihm ansehen.

© Shaoshi, 10. November 2010
4/10

炮製女朋友 | Baau Chai Lui Pang Yau
Hongkong • 2003 • 95 Min. • Romantische Komödie
Produzent | Chan Hing-Kar, Jimmy Law Gwok-Keung
Regie | Raymond Yip Wai-Man
Drehbuch | Chan Hing-Kar, Lee Biu-Cheung
Darsteller | Ekin Cheng Yee-Kin, Vicki Zhao Wei, Vincent Kok Tak-Chiu, Richard Ng Yiu-Hon, Mark Lui Chun-Tak, Nicole Liang Jing, Niki Chow Lai-Kei, Cheung Tat-Ming, Bernice Liu Bik-Yi, Rico Kwok Lik-Hung

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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