Filmkritik | Godzilla vs. Spacegodzilla (Japan, 1994)

Godzilla vs. SpacegodzillaKein Wunder, dass die zweite Godzilla-Phase mit Godzilla vs. Spacegodzilla 1994 beinahe beendet war. Nach so einem Murks war das Image der Riesenechse doch stark angeschlagen, weshalb man ein Jahr später mit Godzilla vs. Destoroyah die Godzilla-Reihe erst einmal einstellte. Weil aber Roland Emmerich mit seinem US-Godzilla 1998 so ziemlich alles verbockte, wollten die Japaner der Welt noch einmal zeigen, dass sie es halt doch am besten verstehen, Großstädte per Monster in Schutt und Asche zu legen. Da kann man froh sein, denn mit dem US-Godzilla und dem vorangegangenen Godzilla vs. Spacegodzilla kann man ja nun wahrlich keinen Blumentopf gewinnen.

Bei Godzilla vs. Spacegodzilla wird die Erde wieder einmal von einem Monster aus dem All bedroht. Weil das Monster aus Godzilla-Genen, die bei früheren Monsterkämpfen mit Biollante und Mothra ins All gelangten, entstanden ist und dementsprechend aussieht wie ein bösartiger Godzilla mit einer Menge beleuchteter Bergkristalle auf dem Buckel, hat man es schnell auf den flotten Namen Spacegodzilla getauft. Bevor in diesem Streifen aber irgendetwas Sinn machen wird, führt uns die UNCGC (United Nations Counter Godzilla Committee) erst einmal ihre neueste Spielerei vor—MOGUERA, ein riesiger flugfähiger und weltraumtauglicher Transformer-Roboter, der sich nicht nur teilen kann sondern auch noch mit so tollen Waffen wie Plasmalaserkanonen und Spiralgranatraketen ausgestattet ist und in seinem Plastikspielzeuglook einfach nur saublöde aussieht. Mit diesem bemannten Riesenroboter will man gegen Godzilla anstinken. Man hat da aber auch noch einen harmloseren Plan—das Projekt T, bei dem Godzilla mittels Telepathie zur Friedfertigkeit ermahnt werden soll. Dafür schickt man die zwei Nulpen Koichi und Kiyoshi auf eine kleine Insel, wo sie Godzilla einen Sender ins Hirn schießen sollen, um ihn dann mit Hilfe der Telepathie-begabten Miki (Megumi Odaka, deren Rolle dem Kenner bereits aus vorangegangenen Godzilla-Filmen bekannt ist) zu kontrollieren. Auf der Insel befindet sich aber noch der verrückte Yuki, der in einem Film zuvor seinen besten Freund verloren hat und sich nun an Godzilla rächen will, indem er am Strand der Insel nicht nur überall Tränengasminen installiert, sondern der Riesenechse auch ein tödliches Mittel spritzen will. Dann aber landet Spacegodzilla auf der Erde und hat nur das eine Ziel, Godzilla zu vernichten. Während Godzilla sich also durch Japans Städte kämpft, legt man den Fokus auf die »größere Bedrohung« Spacegodzilla, der es sich mit seiner Kristallburg inzwischen in Fukuoka gemütlich gemacht hat und eigentlich keinen weiteren Schaden mehr verübt. Letztendlich kommt es also zum finalen Kampf zwischen Godzilla, Spacegodzilla und MOGUERA, wobei der Ausgang ziemlich klar sein dürfte. Ach ja, Godzilla-Hasser Yuki besinnt sich natürlich auch noch eines Besseren und findet rechtzeitig zum Happy End, dass Godzilla ja schon irgendwie »eine bemerkenswerte Kreatur« sei.

Die Story von Godzilla vs. Spacegodzilla ist natürlich ganz schön hanebüchen und oft auch reichlich wirr, was an furchtbaren Schnitten zwischen einzelnen Szenen und der generellen Unfähigkeit, ein vernünftiges Drehbuch zu schreiben liegt. Um Logik oder Charaktere schert man sich einen Dreck und das, obwohl es für einen Godzilla-Film noch relativ viel Story zu sehen gibt. Die wird auch noch durch einen sinnlosen, vielleicht zehnminütigen Nebenplot angereichert, in dem die Yakuza Miki entführt, weil man mit einem kontrollierbaren Godzilla ja so schön die Machtstrukturen ändern könnte.

Der ganze Film strotzt nur so vor schlechten Effekten und Ideen. Der Meteoritenschauer im Weltall ist in seiner ganzen stümperhaften Form vermutlich der traurige Abschuss, aber auch das dämliche Design von MOGUERA verleitet zum Aufstöhnen und Kopfschütteln. Zudem sind die Monsterkämpfe kaum sehenswert; außer einer Menge Funkenschlag im Tag/Nacht-Szenario (wie gesagt, ist Logik für den Film ein Fremdwort) gibt es nicht allzu viel zu sehen. Die Monster bekämpfen sich mit ihren Energiestrahlen und auch der teilbare Roboter MOGUERA mit seinem doofen Waffensammelsurium sorgt nicht gerade für großen Spaß. Bis zum Schluss wird auch relativ wenig Miniaturstadt zerstört. Man rühmt sich lieber damit, die herumstapfenden Monster mit Bildern von fliehenden Menschen zu kombinieren, was aber wieder so schlampig verarbeitet ist, dass da noch nicht einmal richtiges Trashgefühl aufkommen mag. Als weitere doofe Idee bekommt etwa die segelohrige Miki Besuch von einer Miniatur-Mothra und den gleichzeitig sprechenden Cosmos-Zwillingen, die ihr einreden, dass man auf der Welt doch in Frieden leben müsse. Passend dazu tapst dann auch noch Godzilla Junior mit großen Glubschaugen überflüssiger Weise über die Insel, wo er aber schon bald bei Papa (oder Mama?) Godzilla Schutz sucht, wenn er von Spacegodzilla angegriffen und auch überaus sinnlos gefangen genommen wird.

Godzilla vs. Spacegodzilla ist ein absolut bescheuerter Godzilla-Streifen, bei dem nicht einmal Trash-Fans auf ihre Kosten kommen, weil er nicht trashig sondern einfach nur schlecht ist. Godzilla-Komplettisten sollten sich den hanebüchenen, schlecht getricksten, unlogischen Monstermurks trotzdem einmal antun. Alle anderen sollten sich lieber bei einem anderen Godzilla-Film amüsieren.

© Shaoshi, 21. November 2009
3/10

ゴジラvsスペースゴジラ | Gojira VS Supesugojira
Japan • 1994 • 102 Min. • FSK 12 • Monsterfilm
Regie | Kensho Yamashita
Drehbuch | Hiroshi Kashiwabara
Darsteller | Megumi Odaka, Jun Hashizume, Zenkichi Yoneyama, Akira Emoto, Towako Yoshikawa, Yosuke Saito, Kenji Sahara, Akira Nakao, Koichi Ueda, Keiko Imamura, Sayaka Osawa, Kenpachiro Satsuma

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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