Filmkritik | Godzilla vs. Mechagodzilla II (Japan, 1993)

Godzilla vs. Mechagodzilla IIGodzilla-Filme mit Mechamonstern sind ja in der Regel besonders blöde. Bei Godzilla vs. Mechagodzilla II trifft das natürlich auch wieder zu. Irgendwie. Für infantile Trash-Fans wird der Film so zum gefundenen Fressen, für Freunde des etwas »anspruchsvolleren« Monsterfilms zur großen Enttäuschung. Ein richtiger Godzilla-Film ist man nämlich über weite Strecken auch nicht. Aber auch das macht nichts. Irgendwie.

Nachdem es weder mit der Mechaversion vom dreiköpfigen Monster Ghidorah noch mit dem wendigen Kampfflieger Garuda geklappt hat, Godzilla ein für allemal auszulöschen, hat sich die G-Force das nächste naheliegende Projekt einfallen lassen—Mechagodzilla, ein gigantischer, flugfähiger Godzilla-Roboter, der mit einem synthetischen Diamanten eine besonders wirkungsvolle Waffe gegen Godzilla in seinem Mechawanst eingebaut hat. Während der Roboter allerdings noch in der Testphase steckt, schlüpft Flugsaurier Rodan (hier: »Radon«) auf einer fernen Insel, die freilich als Atommülldeponie benutzt wird, aus einem riesigen Ei. Als man an jener Stelle ein zweites prähistorisches Ei entdeckt, nimmt man es mit nach Hause und beschäftigt sich forschungstechnisch nur noch mit der einen Frage: Wird etwas daraus schlüpfen? Entgegen aller Erwartungen schlüpft aber schließlich kein zweiter Rodan aus dem Ei, sondern—jetzt kommt’s!—ein Godzillasaurusbaby, das zwar nicht mehr ganz so dümmlich mit großen Glubschaugen und Babyspeck daherkommt wie die 60er Jahre-Version, aber doch noch für einigen (zuckersüßen) Trash sorgt. Inzwischen ist auch Godzilla aufgetaucht, den man mit Mechagodzilla ein für allemal erledigen möchte, was sich als viel schwerer als gedacht herausstellt, obwohl man anhand Baby inzwischen herausgefunden hat, welche Schwachstelle Godzilla hat: er hat ein zweites Gehirn, das unbedingt ausgeschaltet werden muss!

So viel Story bekommt man in einem Godzilla-Film ja doch eher selten zu sehen. Freilich bleibt die dann trotzdem auf geradlinigem, simplem Niveau und ist richtiggehend bescheuert. Überhaupt scheint Godzilla vs. Mechagodzilla II so eine Art Jurassic Park auf Sparflamme zu sein, mit seinem niedlichen Dinojungen, das man passenderweise »Baby« genannt hat und das im Grunde das Zentrum des Films bildet. Godzilla verkommt die meiste Zeit zur Randfigur und der verwirrte Rodan hegt dem Saurierbaby gegenüber plötzlich auch noch Beschützerinstinkte, weil sie ja »im gleichen Nest« geschlüpft und somit immerhin »Halbbrüder« sind. Kein Wunder also, wenn der Pteranodon am Ende in einem selbstlosen, kitschigen Akt seine gesamte Lebensenergie auf ein anderes Monster überträgt.

Die Story jenseits Godzillas Screentime wächst sich also schnell zum kindischen, naiven Spaß aus und richtet sich mit all seiner Niedlichkeit ans junge Publikum, was viele Monsterfans verärgern dürfte. Dazu kommt noch Miki Saegusa, die per Telepathie mit den Monstern kommunizieren kann, für den Streifen im Grunde aber absolut nutzlos ist, zumal sich auch eine andere Frau mit dem gummiartigen Saurierbaby anfreundet.

Die Monsterkämpfe machen aber wieder Spaß, selbst wenn der lächerliche, unfähige Mechagodzilla mit von der Partie ist und nicht alle Kampfszenen so bombastisch ausgefallen sind wie man es sich gewünscht hätte. Ganz in alter Tradition geht hier aber allerhand Miniaturstadtkulisse zu Bruch, egal ob nun Monster gegen Monster oder Monster gegen Riesenroboter gekämpft wird. Das entschädigt den erwachsenen Monsterfilmliebhaber für den Murks der kindischeren Momente, erfreut aber auch die Kindsköpfe unter uns. Auch dank Akira Ifukubes Soundtrack fühlt sich der Fan gleich gut aufgehoben.

Ernsthaftere Godzilla-Fans kommen sich bei Godzilla vs. Mechagodzilla II vermutlich veräppelt vor, doch wer auf kindischen Trash steht, der sollte hier ganz auf seine Kosten kommen. Das Godzillababy, so künstlich und gummiartig es nämlich aussieht, ist einfach zum Knuddeln, aber auch Godzilla und Rodan, die hier keinesfalls so böse Monster sind, lassen es menscheln. Glücklicherweise gibt es auch bei den Szenen ohne Monster keine nennenswerten Längen. Für einen Godzilla-Fan ist das sehr erfreulich. Egal wie infantil und bescheuert, Godzilla vs. Mechagodzilla II ist ein kurzweiliges Monstervergnügen und zählt trotz aller Mechaelemente mit Sicherheit zu den besseren Godzilla-Filmen. Irgendwie.

© Shaoshi, 12. Dezember 2009
6/10

ゴジラvsメカゴジラ | Gojira vs Mekagojira
Japan • 1993 • 102 Min. • FSK 12 • Monsterfilm
Alternativtitel | Godzilla vs. Super-Mechagodzilla
Regie | Takao Okawara
Drehbuch | Wataru Mimura
Darsteller | Masahiro Takashima, Ryoko Sano, Megumi Odaka, Yusuke Kawazu, Kenji Sahara, Akira Nakao, Koichi Ueda, Leo Meneghetti, Daijiro Harada, Tadao Takashima, Keiko Imamura, Sayaka Osawa

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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