Filmkritik | Hot War (Hongkong, 1998)

Hot WarIn den Jahren nach Hongkongs Rückgabe an China war es ja eine Zeit lang Mode, sich actionfilmtechnisch eher am Westen zu orientieren und damit (meistens zu Recht) eher auf die Nase zu fliegen. Möchtegern-Hollywood-Streifen ohne das nötige Budget können einfach nicht punkten—weder bei denen, die auf Asienfilme stehen, noch bei den Hollywood-Jüngern, die qualitativ dann doch andere Sachen gewohnt sind. Hot War ist definitiv ein Vertreter dieser Gattung und hat tatsächlich einen schweren Stand. Das Regiedebüt von Jingle Ma, der sich später besonders für Actionfilme der gleichen Nische, wie etwa Tokyo Raiders oder The Korean Job aber auch für das wirklich niedliche Liebesdrama Happy Birthday, verantwortlich zeigte, krankt vor allem durch seinen abgehobenen Inhalt:

Die drei Freunde Tango One (Ekin Cheng), C.S. (Jordan Chan) und Blue Szeto (Kelly Chen) arbeiten an einem geheimen Projekt für die CIA. Mit Hilfe von Manipulationen in den Erinnerungen einer Person können diese in kürzester Zeit zu perfekten Kampfmaschinen ausgebildet werden. Auch durch den subtilen Einsatz von Subliminarcodes, die man in Bilder oder im Fernsehen einsetzen kann, um das Verhalten von Menschen zu beeinflussen, werden die Kenntnisse der Wissenschaftler freilich auch für Terroristen interessant. Und die lassen nicht lange auf sich warten: Unter Führung des wasserstoffblonden, ständig vom Mantel bis zu den Handschuhen in schwarze Lederklamotten gekleideten Alien (Terence Yin) stürmen sie C.S. Hochzeit, bringen seine Braut um und kidnappen Blue. Die beiden Kumpel C.S. und Tango One lassen das natürlich nicht auf sich sitzen und absolvieren flugs ein VR-Fighter-Training, um als perfekte Kämpfer ihre Kollegin und Freundin aus den Klauen der Bösewichter zu befreien. Das ist bald geschafft, doch eitel Sonnenschein will sich nicht einstellen. Das Projekt der VR-Fighter hat selbstverfreilich auch seine Nebenwirkungen, weshalb C.S. auch bald Amok läuft. Es kommt zur Tragödie und die beiden Freunde C.S. und Tango One werden zu Feinden. C.S., der den Tod seiner Braut rächen will, ist nun im Alleingang hinter Alien her, der inzwischen mit Hilfe des über einen Satelliten verbreiteten Subliminarcodes Unruhen in diversen Ländern hervorrufen will, um so richtig absahnen zu können. Und das muss natürlich ebenfalls verhindert werden.

Die verworrene Story, die mal hierhin, mal dorthin ausbricht, ist etwas anstrengend, wartet aber wenigstens mit der ein oder anderen Wendung und vor allem einem guten Ende auf. Das Ziel des Oberbösewichts Alien—Unruhen dank des geheimen Subliminarprojekts—ist schon sehr einfallslos und naiv. Auch die übertriebenen technischen Spielereien, die den Film beherrschen, machen den Actioner eher zum primitiven Cyber-Film mit zu viel virtuellem Tamtam (vor allem bei der entsprechenden Ausbildung von C.S. und Tango One). Die angedeutete Internationalität durch viele Schauplatzwechsel geht außerdem in die Hose, da man sich meist auf Innenaufnahmen beschränkt, wobei die sterilen Kulissen sowieso alle gleich aussehen und den Cyberwelt-Effekt noch verstärken. Das lässt den Film unglaublich unrealistisch erscheinen—zu Recht, natürlich.

Auch die Charaktere haben es nicht leicht. Terence Yin mimt den Klischeebösewicht und unsere drei Freunde, die sich freilich schon seit Kindertagen aus dem Waisenhaus kennen, lernt man überhaupt nicht kennen. Dass Blue (von Kelly Chen mal wieder viel zu steif und ernst gespielt) plötzlich nicht mehr da ist, interessiert den Zuschauer nicht die Bohne, dass sich die übriggebliebenen einstigen Freunde plötzlich als Feinde gegenüberstehen, ebenso wenig. Auch C.S.s Wandlung vom umgänglichen Typen zum Rachelüstling im Blutrausch kommt wenig einfühlsam oder gar gut dokumentiert. Höchstens Ekin Cheng darf als Tango One mal ein paar Tränchen verdrücken, aber das reicht natürlich nicht für große Sympathien beim Zuschauer.

Hot War bleibt also ziemlich halbgare Kost. Ist die abgehobene Story schon eine Sache für sich, hätte man aus ihr aber um einiges mehr herausholen können als im vorliegenden Fall. Zwar ist Hot War immer noch unterhaltsam, einigermaßen spannend und ausgestattet mit akzeptabler Action, aber eben auf sehr primitive, und teilweise nahezu naive Weise. Die ewigen technischen Spielereien, die Pseudo-Internationalität, das abgedroschene billige Ziel des Oberbösen sowie die fehlende Charakterisierung der Hauptfiguren machen aus dem durchaus ambitionierten Film eben nur mittelmäßige Unterhaltung. In der Hollywood-Fassung wäre dieser Streifen vermutlich direkt in den Videotheken gelandet. Übrigens auch kein besonders großer Verlust.

© Shaoshi, 31. Oktober 2009
5/10

幻影特攻 | Waan Ying Dak Gung
Hongkong • 1998 • 89 Min. • FSK 16 • Action
Regie | Jingle Ma Chor-Sing
Drehbuch | Poon Yuen-Leung, Law Chi-Leung, Chow Siu-Man
Darsteller | Ekin Cheng Yee-Kin, Jordan Chan Siu-Chun, Kelly Chen Wai-Lam, Terence Yin Chi-Wai, Vanessa Yeung, Asuka Higuchi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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