Filmkritik | Heimweg – The Road Home (China, 1999)

Heimweg - The Road HomeIn den letzten Jahren hat sich der chinesische Regisseur Zhang Yimou ja hierzulande ganz besonders mit epischen Actiondramen wie Hero oder House Of Flying Daggers einen Namen gemacht. Sein Drama Heimweg von 1999 ist da um einige Nummern kleiner ausgefallen, wenngleich Zhang Yimou auch diesem Film unweigerlich seinen Stempel aufgedrückt hat.

Die Geschichte an sich ist eine kleine zarte Liebesgeschichte. Als Rahmenhandlung, und da nicht so wichtig, in schwarz-weißen Bildern dargereicht, dient die Geschichte eines jungen Mannes, der in sein Heimatdorf zurückkehrt, um die Bestattung seines eben verstorbenen Vaters zu organisieren. Seine Mutter besteht darauf, den Verstorbenen gemäß alter Tradition in seine Heimatstadt zurückzutragen, und zwar genau auf jenem Weg, auf dem er damals zum ersten Mal als neuer Lehrer ins Dorf gelangt war.

Das Kernstücks des Films, die in einer Rückblende erzählte Liebesgeschichte zwischen der damals noch ganz jungen Xiao Di (Zhang Ziyi in ihrer ersten Rolle), die bei ihrer fast blinden Großmutter lebt, und dem Lehrer Luo Changyu, ist dann wieder in gewohnt farbenprächtigen und pompösen Landschaftsaufnahmen dargestellt.

Die junge Xiao Di ist anfangs ganz schüchtern und noch nie in einer Schule gewesen. Als der gebildete Grundschullehrer Luo Changyu eines Tages in Xiao Dis armes Dorf zieht, um dort eine Grundschule zu eröffnen, bleibt dem begeisterten jungen Mädchen zunächst nichts weiter als den Lehrer ganz im Stillen anzuhimmeln. Bald schon wird sie forscher und lauert ihm genau an jenem Weg auf, auf dem viele Jahrzehnte später einmal seine Bestattungsprozession stattfinden wird, nur um ihm wie zufällig zu begegnen. Xiao Di merkt rasch, dass ihre Gefühle für ihn erwidert werden, doch bis die beiden endlich zusammenkommen können, soll noch einige Zeit vergehen.

Chengyu wird zurück in die Stadt berufen, wo er aus nicht näher definierten Gründen, aber wohl angedeuteten Problemen mit der kommunistischen Regierung, der er sich nicht beugen will, für lange Zeit bleiben muss. Xiao Dis Bemühungen, ihn wiederzusehen sind dabei so herzzerreißend niedlich wie naiv. Mit hohem Fieber kämpft sie sich durch einen Schneesturm Richtung Stadt, scheut keine Mühen ihm zum Abschied ein leckeres Essen zu übergeben, wobei sie den Angebeteten nicht nur verpasst, sondern auch noch die heißgeliebte Schale, aus der er immer gegessen hat, zerbricht und obendrein noch die Haarspange, die er ihr geschenkt hat, verliert.

Die junge Zhang Ziyi passt einfach perfekt in die Rolle der Xiao Di, die alles unternimmt, um für die Liebe eines Mannes in einer Zeit zu kämpfen, in der es mehr als ungewöhnlich war, aus Liebe zu heiraten. Wirkt der Film dank der musikalischen Untermalung und der fast grenzenlosen Naivität Xiao Dis teilweise recht kitschig, so sind die Hauptpersonen in ihrer einfachen dörflichen Umgebung immerhin so sympathisch gezeichnet, dass man gern darüber hinwegsieht. Was mit der Zeit jedoch ein wenig nervt, sind die Szenen, in denen Xiao Di fast schon wie Rotkäppchen durch den Wald zu jenem Weg pilgert, um jeden Tag (und oft vergeblich) auf Chengyu zu warten. Hat sie wirklich überhaupt nichts anderes zu tun, als den ganzen Tag dort zu sitzen? Da merkt man dann wieder, dass Heimweg im Grunde nur eine ganz banale Handlung mit ganz offensichtlichem Schwerpunkt vorzuweisen hat. Zhang Yimou gelingt es einen Film zu schaffen, der sich nur rudimentär mit dem harten Alltagleben der Dorfbewohner beschäftigt und der vor allem nicht vehement Kritik am kommunistischen System Chinas übt, sondern dies nur ganz nebensächlich in den Hintergrund mit einfließen lässt. Stattdessen fokussiert sich Heimweg aus einer blauäugigen Sichtweise heraus ganz auf die niedliche Liebesgeschichte zwischen Xiao Di und Chengyu, fernab jeglicher wollüstiger Hollywoodromanze, aber doch recht unmissverständlich für den westlichen Markt produziert.

Heimweg ist schön gefilmt und nett gemacht, wenn auch keineswegs so opulent wie Zhang Yimous spätere Werke, und hat eine einfache geradlinige Handlung, die dank der Ausführung kaum langweilt und ziemlich realistisch anmutet. Wer ruhiges, klassisch erzähltes Kino bevorzugt, der wird bei Heimweg bestimmt auf seine Kosten kommen.

© Shaoshi, 14. Januar 2008
7/10

我的父親母親 | Wo De Fuqin Muqin
China • 1999 • 86 Min. • FSK 0 • Drama
Regie | Zhang Yimou
Drehbuch | Shi Bao
Darsteller | Zhang Ziyi, Sun Honglei, Hao Zheng, Yuelin Zhao, Li Bin, Guifa Chang, Wencheng Sung, Qi Liu, Bo Ji, Zhang Zhongxi

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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