Filmkritik | Godzilla – Tokyo SOS (Japan, 2003)

Godzilla - Tokyo SOSDer 2003 entstandene Film Godzilla – Tokyo SOS ist der bis dato vorletzte der Reihe und kann sich wahrlich sehen lassen. Das Schöne an ihm ist, dass er Bezug auf andere Godzilla-Filme nimmt und so jeden Godzilla-Insider ganz heimelig ums Herz werden lässt.

Wir erinnern uns: In Godzilla Against Mechagodzilla kämpften die beiden titelgebenden Monster gegeneinander, worauf sich Godzilla am Meeresgrund schlafen legte und sein Roboter-Pendant stark angeschlagen in die Werkstatt kam. Dort wird Mechagodzilla inzwischen immer noch verarztet, als unvermittelt Godzilla erwacht, was der angeschwemmte ramponierte Kadaver von Kameba (Kennern aus Monster des Grauens greifen an bekannt) noch verdeutlicht. Doch damit nicht genug: Auch Mothra ist mit von der Partie und wird gleich mal von diversen Technikbombern beschossen, dabei will die freundliche Riesenmotte doch nur die Menschheit warnen: Mechagodzilla wurde nämlich aus den Knochen des 1954 getöteten Ur-Godzillas (Flashback: Godzilla) gebaut und das bedeutet eine gigantische Katastrophe, begräbt man die Knochen nicht in Bälde dem Zeitfluss gemäß, wie uns die nervigen gleichzeitig sprechenden Zwillingsfeen, die leider immer mit einem Mothra-Auftritt einhergehen, mitteilen. Natürlich erzählen sie das nicht irgendwem, sondern jemandem, dem sie vertrauen. Und das ist der alte Dr. Chujo, der sich bereits in Mothra bedroht die Welt mit den singenden Mini-Schwestern angefreundet hat, und dessen beide Enkel, von denen zumindest einer, Yoshito, an der Mechagodzilla-Entwicklung beteiligt ist und der andere als altkluges Kind noch die Schulbank drücken muss. Den Mächtigen ist der ganze Sums um des alten Godzillas Knochen ziemlich schnurz und man will Mechagodzilla auf Big G hetzen, was unseren Helden aber gar nicht passt und sie Mothra um Hilfe rufen. Es kommt zur altbewährten Monsterschlacht in Tokios Innenstadt.

Eins vorweg: Godzilla – Tokyo SOS hat viel vom trashigen Charme der alten Godzilla-Filme eingebüßt. Das ist aber gar nicht mal so schlimm, da man sich immer noch auf Altbewärtes wie das Szenario vom Mann im Anzug, der durch Miniaturstädte trampelt, verlässt und die Ernsthaftigkeit des Films gerne an die Mattscheibe fesselt. Die beste Veränderung im Vergleich zu den alten Filmen macht mit Sicherheit Mothra durch, die immer noch nach Plüschmotte aussieht, aber mit ihrem neuen herrlichen Flügelschlag ganz schön agil und ansehnlich geworden ist. Godzilla ist immer noch das übliche Latexkostüm, hat aber eine schön fiese Fresse und ist dementsprechend schlecht gelaunt. Kein Wunder also, dass das Zusammentreffen der Monster und Riesenroboter in einer Zerstörungsorgie münden muss, bei der inklusive des Tokyo Towers in altbewährter Tradition viel Bauwerk zerstört wird, wenn Godzilla gegen Mothra, später gegen ihre Nachkommen und auch noch gegen den doofen Mechagodzilla kämpfen muss. Der düstere Soundtrack, der leider kein bisschen mehr an Akira Ifukubes blecherne Musik erinnert, trägt dabei viel zur dunklen Stimmung des Films bei und verträgt sich hervorragend mit dem Monster’schen Treiben.

Auch auf menschlicher Seite lässt es sich diesmal aushalten, und das ist gut so, denn die Monsterkämpfe lassen schon eine Weile auf sich warten. Tiefschürfende Charakterzeichnungen sucht man zwar nach wie vor vergebens, das lässt sich allerdings verschmerzen. Immerhin waren die Godzilla-Filme nie für ausgefeilte Figuren bekannt und es wäre blöde, jetzt noch damit anzufangen. Trotzdem stellen sich die Figuren hier weniger steif und lahm an als sonst, interagieren sogar direkt miteinander und sind nicht ganz die emotionslosen Schablonen wie einst.

Wer Godzilla-Filme sonst wegen des hohen Trash-Gehalts liebte, wird bei Godzilla – Tokyo SOS positiv überrascht werden. Zwar kann man auch diesen handfesten Streifen nicht so recht ernst nehmen, im Vergleich zu den Filmen der 60er und 70er Jahre hat sich die Monster-Saga aber ganz schön gemausert. Was zeigt, dass Godzilla auch ohne Trash hervorragend funktionieren kann, ist man als Zuschauer nicht allzu anspruchsvoll. Gelungene, moderne Spezialeffekte gepaart mit Althergebrachtem dürften alte wie neue Fans gleichermaßen zufrieden stellen und machen Godzilla – Tokyo SOS zu einem ganz besonders guten Vertreter der Monsterfilmreihe.

© Shaoshi, 30. Mai 2010
7/10

ゴジラ×モスラ×メカゴジラ 東京SOS | Gojira Tai Mosura Tai Mekagojira: Tokyo S.O.S.
Japan • 2003 • 90 Min. • FSK 12 • Monsterfilm
Regie | Masaaki Tezuka
Drehbuch | Masaaki Tezuka, Masahiro Yokotani
Darsteller | Noboru Kaneko, Miho Yoshioka, Katsuya Onizuka, Masami Nagasawa, Chihiro Otsuka, Ko Takasugi, Hiroshi Koizumi, Akira Nakao, Koichi Ueda, Tsutomu Kitagawa, Naomasa Rokudaira, Yumiko Shaku

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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