Filmkritik | Frugal Game (Hongkong, 2002)

Frugal Game Es ist immer wieder schön zu sehen, dass in Hongkong auch nach 1997 noch die ein oder andere Komödie funktioniert. Frugal Game kann man nämlich durchaus als gelungen bezeichnen.

Da hätten wir die arbeitslose Chin-Wah (Miriam Yeung), die den Haushalt schmeißt, während ihr Vater Wai (Eric Tsang) nicht zu Hause ist. Obwohl alle glauben, er würde arbeiten gehen, ist er in Wirklichkeit ebenfalls arbeitslos und hängt jeden Tag in einem Restaurant ab, bis er von seiner herrischen Ex-Kollegin Diana (Carol Cheng), inzwischen selbst ohne Job, ein Angebot erhält: Er soll mit seiner Familie bei einer Reality-TV-Show mitmachen und den Gewinn absahnen. Da nur vierköpfige Familien zugelassen sind, will Diana fortan die Mutter für Chin-Wah und deren kleinen Bruder spielen. Eine Woche lang muss die Familie nun in ein kunterbuntes TV-Apartment einziehen und mit gerade mal 500 HK-Dollar auskommen. Dumm nur, dass Duschen, Essen und Fernsehen im Apartment bezahlt werden muss und die zweite Familie, die bei der Show mitmacht, starke Konkurrenz ist.

Als intelligente Persiflage des Reality-TV-Booms ist Frugal Game nun nicht zu gebrauchen. Dafür wird mit der Thematik viel zu zahm umgegangen und auch das Potenzial, das sich durch ständige Kamerabegleitung ergeben hätte, nicht ausgereizt. Also wieder nur eine hirnlose Komödie? Nicht ganz. Denn immerhin nimmt sich der Streifen der schlechten wirtschaftlichen Lage in der ehemaligen Kronkolonie an und gibt der Komödie so ein klein wenig mehr Tiefe. Genau durch dieses Thema gewinnt der Streifen auch noch gehörig an Humorpotenzial. Denn die Kandidaten müssen zu drastischen Maßnahmen greifen, um mit dem bisschen Geld über die Runden zu kommen. Da wird also am Essen gespart, im Einkaufszentrum getrickst und sich gegenseitig in die Pfanne gehauen, wenn es darum geht, dass der Rivale im Bus kein Fahrgeld entrichtet haben könnte. Und da kommt es zu höchst amüsanten Situationen. Die Darsteller, allen voran Miriam Yeung, machen ihre Sache so gut, dass die an sich unsympathischen Figuren doch noch ganz gut wegkommen und man tatsächlich mit Chin-Wahs Familie mitfiebert.

Überraschend ist auch, dass der Humor, der gerade im Mittelteil im Vordergrund steht, weniger überdreht ist als man gemeinhin angenommen hätte. Selbst Eason Chan schafft es, seine an sich depperte Rolle als TV-Regisseur, der eigentlich lieber Kung Fu-Filme mit Ti Lung (witziger Cameo-Auftritt als er selbst, übrigens) drehen würde, etwas zurückhaltender zu spielen. Dadurch wird seine Figur nicht nur nachvollziehbar, sondern bis zu einem gewissen Grad sympathisch. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Chin-Wah hätte trotzdem nicht sein müssen, nimmt aber glücklicherweise nicht viel Raum ein.

Frugal Game ist sicherlich kein Meisterwerk, nutzt aber den Reality-TV-Show-Hype geschickt aus, um daraus eine moderne Hongkong-Komödie zu machen, die ganz unterhaltsam geraten ist, ohne allzu albern zu werden. Das Ende kommt etwas anders als man denkt, hat aber eine moralisch korrekte Aussage zu bieten und rundet den Film zufriedenstellend ab.

© Shaoshi, 20. Dezember 2012
7/10

慳錢家族 | Haan Chin Ga Chuk
Hongkong • 2002 • 102 Min. • Komödie
Regie | Derek Chiu Sung-Kei
Drehbuch | Lee Biu-Cheung, Fung Chi-Keung
Darsteller | Eason Chan Yik-Shun, Miriam Yeung Chin-Wah, Carol ‚Dodo‘ Cheng, Eric Tsang Chi-Wai, Wayne Lai Yiu-Cheung, Ti Lung, Josie Ho Chiu-Yi, Yiu Tak-Sing, Woo Ying-Man, Chan Man-Lui, Lee Shun-Yan, Tsang Kan-Wing, Jimmy Wan Chi-Man, Conroy Chan Chi-Chung

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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