Filmkritik | Plain Jane To The Rescue (Hongkong, 1982)

Plain Jane To The RescueImmer wieder einmal beschert einem der ein oder andere Film diverse »WTF?!«-Momente. Ein Streifen, der für besonders viele solcher Momente verantwortlich ist, ist die Hongkong-Komödie Plain Jane To The Rescue, ihres Zeichens ausgerechnet ein Frühwerk von Kultregisseur John Woo. John Woo, den kennt man ja eher als Schöpfer diverser Ballerballette, weshalb so mancher hier bereits seinen ersten WTF?!-Moment erleben dürfte. Denn, was viele vermutlich gar nicht wissen, John Woo kann auch weniger ernst und brutal. Er kann auch lustig, Low Budget und abgedreht. Nach der Charlie-Chaplin-Hommage Laughing Times beweist er es mit dem Klassiker Plain Jane To The Rescue einmal mehr.

Das geht schon im Vorspann los, wenn Jane (Josephine Siao) zu primitivster Musik Straßenmarkierungen auf die Autobahn malen muss und die ganze Szene dann in humoristisch simpel inszeniertem Chaos endet. Jane, so merkt man bald, ist das hässliche Entlein in weiter Jeans und Flanellhemd, das mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, sich mit den demütigsten Jobs finanziell über Wasser hält und hinter dicken Brillengläsern in die Welt glotzt, als könne sie nicht bis drei zählen. Das Gute: das hässliche Entlein wird sich in Plain Jane To The Rescue nicht in einen Schwan verwandeln, sie wird nicht den reichen Mann ihrer Träume finden, ja noch nicht einmal das hässliche Brillengestell ablegen. Um was geht es denn dann? Nun, da hätten wir einen bösen Konzern, der ganz Hongkong in seine Gewalt bringen will, was damit beginnt, dass man klapprige Wohnhäuser einreißen lässt und Hongkongs Gebäude mit dem Firmenlogo zukleistert. Kopf des Konzerns ist ein reicher Schnösel, der mit seinem Gefolge in seinem Schwarz-Weiß-Büro mit den lächerlichsten Sicherheitsvorkehrungen der Welt residiert und nur noch ein Hindernis vor sich sieht: seinen greisen Vater, der lieber im Park seine Kindheit neu durchlebt und von der eigens dafür eingestellten Jane so allerhand Manieren beigebracht bekommen soll. Das gestaltet sich für Jane äußerst schwierig, ist aber noch lange nicht das Hauptproblem, als es unser Oberfiesling schafft, seinen Vater wegzusperren, nachdem der unwissentlich sein Testament unterschrieben hat. Jane und ihr Verehrer (Ricky Hui) tun sich zusammen, um den alten Mann aus den Klauen seines bösartigen Sohnes zu befreien, das Testament für ungültig zu erklären und obendrein gegen den Konzern im Allgemeinen vorzugehen.

Wenig Handlung, vor allem aber anders als man zunächst angenommen hätte, bildet nur den Rahmen für das lose Aneinanderketten diverser Gags. Die Szene, in der Jane ständig als gedemütigtes Stuntdouble in einem Film mitwirken muss, ist ein kleiner Klassiker für sich. Aber auch das »Finale« im Tunnel, in dem es eine Massenkarambolage gegeben hat und nun ein Verrückter droht, den ganzen Schrottberg samt Passagieren in die Luft zu jagen und nur Cantopop-Sänger Norman Law im goldenen Lederanzug inklusive Streicherquartett und Nebelmaschine für Entspannung sorgen kann, sorgt für einen weiteren WTF?!-Moment und vor allem eins: gute Laune. Romantik wird ebenfalls anders definiert, wenn Ricky Hui seiner Angebeteten wortwörtlich sein Herz schenken will. Und John Woo grinst als arbeitssuchender Regisseur höchstpersönlich als heiligenscheintragender Gott in die Kamera.

Albern, überdreht, sympathisch und mit dem Charme längst vergangener Zeiten. So ließe sich Plain Jane To The Rescue am einfachsten zusammenfassen. Vielen dürfte die inzwischen etwas angestaubte Komödie zu lächerlich und billig sein, doch nicht nur Fans trashiger 80er-Jahre-Komödien kommen hier auf ihre Kosten. Auch Woo-Fans sollten mal reinschauen und sich davon überzeugen, dass der Großmeister auch anders kann als nur bierernst.

© Shaoshi, 30. Dezember 2010
6/10

八彩林亞珍 | Baat Choi Lam A Jan
Hongkong • 1982 • 90 Min • Komödie
Regie | John Woo
Drehbuch | John Woo
Darsteller | Josephine Siao Fong-Fong, Ricky Hui Koon-Ying, Michael Lee Ming-Yeung, Charlie Cho Cha-Lee, Wu Fung, Lau Hak Suen, Cheung Lui, Chen Sing, Norman Law, David Wu Dai-Wai, Lau Yat-Fan, Fung Ging-Man, John Woo

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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