Filmkritik | Six Strong Guys (Hongkong, 2004)

Six Strong GuysSix Strong Guys bietet uns vor allem eins: Jede Menge bekannter Namen, so man sich denn fürs Hongkong-Kino interessiert. Und das ist es auch, worauf sich der Film am meisten stützt: die Berühmtheit seiner Hauptpersonen, denn sonst hat er insgesamt leider nicht allzu viel zu bieten.

Weil Ben (Hacken Lee) und seine besten Freunde, jeder aus anderen Gründen, nicht mehr mit ihrem Leben klar kommen, beschließen sie gemeinsam Selbstmord zu begehen, indem sie von einem Hochhaus springen. Und so geht der Film auch los. Zögernd stehen die Männer auf dem Dach eines Hochhauses—Presse, Krankenwagen und Polizei stehen unten schon bereit—und springen schließlich nicht, als ihnen schon ein anderer (Shaun Tam) zuvorkommt. Stattdessen beschließen sie, sich noch eine letzte Chance zu geben, um in ihren Leben aufzuräumen. Und so wird denn episodenhaft der alltägliche Kampf eines jeden starken Mannes dargestellt, um ganz zuletzt auf dem Friedhof wieder zusammenzutreffen:

Da wäre Ben, angesagter Friseur, der jede Frau haben könnte, aber ausgerechnet mit der langweiligsten von allen (Candy Lo) zusammen ist, ihr eine Hochzeit aber nicht ausschlagen kann, weil er ihr in seinem Leben zu viel zu verdanken hat. Weiberheld Malcolm (Andy Hui) kriegt plötzlich keinen mehr hoch, als er dann auch noch erfährt, dass er längst einen Sohn hat. Chai (Chapman To) hingegen hält es nicht aus, dass seine Frau in der Berufswelt so erfolgreich ist, während er selbst ein arbeitsloser Loser ist und dann auch noch auf seine Jugendliebe trifft, die inzwischen eine süße kleine Bäckerei eröffnet hat. Long (Ekin Cheng), der schon am Tag des geplanten Selbstmords zu spät kommt, arbeitet so hart für seinen Chef Rico (George Lam), ohne jemals dafür Anerkennung zu finden. Rico selbst steht ganz im Schatten seines Vaters (Kenneth Tsang), lernt aber schließlich, dass eine Freundschaft mit Long nicht ganz so schlecht zu sein scheint.

Geht Six Strong Guys wirklich noch flott und spaßig los, so flacht der Film leider schon bald, nachdem die Freunde das Hochhaus wieder verlassen haben, deutlich ab. Während die Hauptpersonen alle ihre eigenen Leben und Probleme haben, werden ihre Geschichten nämlich im Grunde nur dadurch zusammengehalten, dass sich die Freunde ab und zu über einer Tasse Kaffee oder beim Kegeln treffen, um ihre Erfahrungen auszutauschen (was teilweise irgendwie wie eine asiatische männliche Alternative zu Sex And The City anmutet). So hat Six Strong Guys denn keine richtige eigenständige Handlung, sondern lebt von den kleinen parallel erzählten Geschichten der Hauptfiguren. Dass diese kleinen Lebensgeschichten kaum alle das gleiche Niveau haben, versteht sich von selbst.

Während es noch ganz lustig anzusehen ist, wie Playboy Malcolm völlig bestürzt darüber ist, dass er im zarten Alter von 30 Jahren bereits impotent ist und er verzweifelt darüber nachgrübelt, welche seiner ehemaligen Liebhaberinnen seinen mysteriösen kleinen Sohn denn nun ausgetragen hat, ist z.B. die Geschichte über Chai, der sich schon früh in eine Midlife-Crisis stürzt, viel ernsthafter aber auch romantischer, dafür aber leider auch etwas zäher. Longs Kampf in der undankbaren Arbeitswelt hat anfangs zwar noch Pfiff, schrumpft aber bald schon in die Bedeutungslosigkeit, als er sich immer mehr mit Rico anfreundet. Und auch Bens Geschichte hat im Grunde wenig Substanz und nimmt ein eher fragwürdiges Ende.

Six Strong Guys ist kein schlechter Film, hat nur leider zu wenig Substanz, um ihm übermäßig viel Aufmerksamkeit zu schenken. Ist Six Strong Guys also eher durchwachsen, mal lustig und mal traurig oder schlichtweg langweilig, enttäuscht vor allem noch mal das Ende mit einer befremdlichen Szene auf dem Friedhof. Man hat als Zuschauer die ganze Zeit das Gefühl, als wolle einem der Film eine tiefere Bedeutung des Ganzen vermitteln. Nur was? Vergeblich wartet man auf eine aussagekräftige Schlusspointe, eine Lebensweisheit, die einem der Film unbedingt mitgeben möchte, doch wenn erst der Abspann eingeblendet wird, muss man feststellen, dass man immer noch mit leeren Händen vor dem Fernseher sitzt.

© Shaoshi, 21. Dezember 2007
6/10

六壯士 | Lok Jong Si
Hongkong • 2004 • 107 Min. • Komödie
Regie | Barbara Wong Chun-Chun
Drehbuch | Barbara Wong Chun-Chun, Theresa Tang, Lawrence Cheng Tan-Shui
Darsteller | Ekin Cheng Yee-Kin, George Lam Chi-Cheung, Andy Hui Chi-On, Hacken Lee Hak-Ken, Chapman To Man-Chak, Karena Lam Kar-Yan, Candy Lo Hau-Yam, Crystal Huang Yi, Shaun Tam Chun-Yin, Kenneth Tsang Kong, Serena Po Sai-Yi, Josie Ho Chiu-Yi, Natalie Ng Man-Yan, Lawrence Cheng Tan-Shui, Barbara Wong Chun-Chun, Hyper BB

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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