Filmkritik | Bug Me Not! (Hongkong, 2005)

Bug Me Not!Was soll denn das sein? Dass es eine geniale Vermarktungsstrategie von EEG ist, die ihre angesagtesten Schützlinge wie Isabella Leong, die Twins und die (einstigen) Boy’z zum Kohlescheffeln in einen Kinofilm stecken, wird mehr als schnell deutlich. Dass man zum Extrapunkten allerdings noch ein paar mäßig getrickste CGI-Käfer, die an Disney’s Das große Krabbeln erinnern, mit dazugeben muss, ist schon wieder fast ein Armutszeugnis. Der Plan von der gewinnträchtigen romantischen Highschool-Komödie geht in so einem Fall natürlich auch nicht auf, und so gucken vermutlich auch Fans der oben genannten Sänger/Schauspieler am Ende ganz schön dumm in die Röhre.

Die minderjährige Sängerin Isabella Leong spielt die farbenblinde Moon, die nicht ganz so helle Leuchte ihrer Highschool, deren spielsüchtige Mutter (Candy Lo) den ganzen Film über in irgendwelchen Lagerräumen am Mahjongg-Tisch hockt. Moon hat längst ein Auge bzw. einen kontinuierlichen Blick durchs Fernglas auf Hyland (Winston Chen) geworfen, der nebenan mit seinem Vater einen kunterbunten Ramschladen betreibt und wortwörtliche Berührungsängste hat. Alles soll sich ändern, als Moon in der Mülltonne auf Marienkäfer Coochie trifft, ihn vorm Tod durch Klebenbleiben an pappigen Soßenresten rettet und herausfindet, dass sie mit Käfern kommunizieren kann. Das ruft nicht nur ganze Käferarmeen in Karaokestimmung auf den Plan, sondern gleich eine ganze Gruppe an jugendlichen »Helden« mit Superkräften, die von der 70-jährigen Auntie angeführt werden, deren Spezialität es ist, wie die junge Gillian Chung auszusehen. Der Rest der Truppe besteht aus einem Typen mit Röntgenblick und wachsendem Nasenhaar (Steven Chung), telepathischen Zwillingen mit Tomatenperücken (Zhou Bingqing, Zhou Yuejie), einem pseudoperversen Hellseher (Kenny Kwan) und einem Typen mit kahlrasiertem Mittelscheitel und aufplatzenden Pickeln als Waffe (Xu Boping).

Was jetzt schön schräg klingt, ist es auch, nur bleibt das alles ziemlich sinnlos. Eine Handlung, die den überdrehten Figuren eine Aufgabe bescheren würde, gibt es nämlich nicht. Isabella Leongs Schauspielern besteht laut Drehbuch darin, wie ein Kleinkind in ihrer Schuluniform herumzuspringen und das Gesicht zu verziehen—was oft so aussieht, als würde sie aus Scham eigentlich am liebsten selbst über die peinliche Albernheit lachen, in die sie die Macher da bugsiert haben. Der Rest der coolen Superpower-Truppe, die ständig an einer Halfpipe herumhängt, darf auf demselben Niveau agieren und die Käfer, die noch das Highlight des Films darstellen, im Grunde auch.

Was anfangs noch so wirkt wie eine sich anbahnende Romanze zwischen Moon und Hyland, ist plötzlich irgendwas anderes, als man an irgendeinem dämlichen Ringkampf teilnehmen muss und es nach Käfer Coochies Verschwinden so aussieht, als müsse die Welt gerettet werden, weil die Bäume in den Streik treten und in Zukunft auf Photosynthese verzichten wollen. Das löst sich aber alles in Wohlgefallen auf, als Coochie wieder auftaucht, man noch schnell eine Musicaleinlage einschiebt und einen Abspann mit Outtakes einblendet. Ach ja, Moon und Hyland sind dann natürlich auch zusammen, aber das ist reine Formsache.

Selten wurden Ideen so verschenkt wie in Bug Me Not!. Wirklich, mit einer richtungsweisenden Handlung hätte man was aus dem Film machen können. Irgendwie. So bleibt leider nur ein episodenhaftes Nichts über, das von Kinderkomödie über Highschool-Romanze zu Superheldenmurks springt und mit unnötigen Tanz- und Gesangseinlagen auf Seiten der Menschen und der Käfer gestreckt wird. Dass Moon farbenblind ist, wird mal kurz erwähnt, um ihr sowas wie eine Charakterisierung zu geben, dass sie mit Käfern reden kann, hat auch keinen tieferen Sinn. Ebenso unnötig ist die »Superhelden«-Truppe und leider auch die ganze Beziehung zu Hyland, die ja eigentlich überhaupt keine ist, oder das Pseudo-Finale rund ums Hongkong-Retten, das ebenfalls keins ist, und weder spannend noch irgendwie dringlich ist. Letzter Todesstoß ist leider der Humor, der die Karre noch aus dem Dreck hätte ziehen können, aber trotz seiner Absurdität kläglich versagt. Zwar gibt es die ein oder andere witzige Szene, doch muss man dafür schon ein besonders anspruchsloses Gemüt besitzen, um ehrlich darüber schmunzeln zu können.

Von Bug Me Not! hat man ja schon im Vorfeld nicht viel erwartet und trotzdem wird man noch enttäuscht. Das muss man auch erst mal schaffen. Am sympathischsten dürften hier noch die Käfer in Joes Apartment-Laune sein, wirkliche Persönlichkeiten mit echten Aufgaben sucht man allerdings auch bei den animierten Krabblern vergeblich. Kaum zu glauben, dass sich für diesen Mist ein Regisseur wie Law Chi-Leung hergegeben hat, der mit erwachseneren Filmen wie Inner Senses und Koma bewiesen hat, dass er es um einiges besser kann.

© Shaoshi, 31. Mai 2010
3/10

蟲不知 | Chung Bat Chi
Hongkong • 2005 • 87 Min. • Komödie
Regie | Law Chi-Leung
Drehbuch | Cheung Chi-Kwong, Yeung Sin-Ling, Tony H. Chow
Darsteller | Isabella Leong, Wilson Chen, Kenny Kwan Chi-Bun, Steven Cheung Chi-Hung, Xu Boping, Zhou Bingqing, Zhou Yuejie, Candy Lo Hau-Yam, Lawrence Cheng Tan-Shui, Tats Lau Yi-Tat, Gillian Chung Yan-Tung, Charlene Choi Cheuk-Yin

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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