Filmkritik | Holy Daddy (Südkorea, 2006)

Holy DaddyBitte nicht noch ein Engel-auf-Erden-Film könnte man sich denken, wenn man sich die Inhaltsangabe zu Holy Daddy zu Gemüte führt. Dabei ist der Film doch ein wenig anders geraten als man sich vielleicht zunächst vorgestellt hat. Und das kann hier nur zum Vorteil ausfallen.

Einen Tag vor seiner Freilassung aus dem Gefängnis stirbt ein Betrüger (Im Ha-Ryung) durch einen blöden Zwischenfall. Er bedauert zutiefst, dass er seinem Sohn Won-Tak (Lee Min-Woo) all die Jahre nie ein Vater sein konnte, und darf nach langem Flehen noch eine Weile in Gestalt von Ha Dong-Hoon (Ha Dong-Hoon) auf der Welt verweilen, um sich mit seinem Sohn anzufreunden und ihn für all die verlorenen Jahre zu entschädigen. Mit dem neuen Körper eines Highschool-Schülers kommt der Vater also zurück, schreibt sich in Won-Taks Klasse ein und startet sogleich einige Annäherungsversuche. Der coole Won-Tak, der schon mal zuschlägt und kein Blatt vor den Mund nimmt, versteht natürlich die Welt nicht mehr, als sich ein vermeintlicher Loser ausgerechnet mit ihm um jeden Preis anfreunden will. Ha Dong-Hoon scheut aber keine Mühen. Furchtlos lässt er sich sogar von Won-Taks gewalttätigen Freunden demütigen, solange er nur seinem Sohn als Kumpel zur Seite stehen kann.

Dass hier ein Engel auf Erden Gutes tun will, ist dabei schnell vergessen. Das ganze Treiben wächst sich nämlich schnell zur liebenswerten Highschool-Komödie aus, und das, obwohl es eigentlich ganz dramatisch um einen Vater geht, der seine längst zerbrochene Beziehung zu seinem Sohn kitten möchte. Dabei wurde um Kitsch weitgehend ein großer Bogen gemacht, weshalb der Film nur halb so naiv anmutet, wie man zuvor vielleicht vermutet hätte. Selbst der im Film oft angeschlagene Ton von Won-Tak und seinen Kumpels ist ungewohnt rauh. Da wird gefiest, geschlagen und gestohlen—aber das alles immer noch auf einigermaßen charmante Weise!

Insgesamt ist Holy Daddy meist recht leicht erzählt und gewinnt erst zum Ende an glücklicherweise wohldosierter Melodramatik. Humor kommt vor allem durch Ha Dong-Hoon ins Spiel, der mehr schlecht als recht durch den Alltag der heutigen Jugend stolpert, keinen Computer bedienen kann und CDs brennen nur allzu wörtlich nimmt. Logisch, dass die meisten Sympathiepunkte bei seinem Charakter liegen, der zwar immer noch zum Betrug neigt, soweit er Won-Tak damit einen Gefallen tun kann, aber im Grunde ja nur Gutes will. Dabei könnten übrigens Ha Dong-Hoons Bemühungen, Won-Tak nahe zu sein, vom Zuschauer, wenn er es denn nicht besser wüsste, teilweise fast schon als homoerotisch angesehen werden. Diesbezüglich hätte man auf Komödienebene sicher noch etwas tiefer gehen können. Auch wenn Holy Daddy vielleicht sogar mehr ist als nur eine reinrassige Komödie, geht es doch auch um einen Jugendlichen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, der sein Leben ohne Ziel entgleiten lässt und das alles, weil ihm all die Jahre die Vaterfigur gefehlt hat. Die Tatsache, dass der Vater seinen vom Leben enttäuschten Sohn nun so sehen muss und ihm zwar ein guter Freund, aber eben in anderer Gestalt, sein kann, ohne ihm natürlich ins Gesicht sagen zu können, wer er wirklich ist, verleiht Holy Daddy einen gewissen Grad an Melancholie und Unschuldigkeit. Und das lässt den Film unglaublich süß erscheinen.

Im Ha-Ryung, der den echten Vater spielt, sieht allein schon so sympathisch aus, dass man ihm gern mehr Leinwandpräsenz gegönnt hätte. Ha Dong-Hoon verkörpert seine Rolle mit Leib und Seele und R’n’B-Sänger Lee Min-Woo ist lässig und gutaussehend wie immer. Allerdings erfordert seine Rolle als Won-Tak auch nicht viel mehr. Nur die Mutter bleibt leider ein wenig zu blass und nebensächlich, da es Ha Dong-Hoon zu sehr darauf abgesehen hat, seinem Sohn ein guter Freund zu sein. Zuneigung für die Mutter und Ha Dong-Hoons Bestreben auch sie noch einmal zu sehen und glücklich zu machen, sind zwar vorhanden, wären emotional aber durchaus vertiefbar gewesen.

Holy Daddy ist zwar sicher kein großes Kino und für eine Komödie fast schon wieder zu leise, sorgt aber für überaus nette Unterhaltung mit sympathischen Figuren und hat ein herzerweichendes »Happy End«, das für den Film nicht besser hätte gewählt werden können. Wer nach kurzweiliger Unterhaltung aus Südkorea sucht, wird hier sicher fündig.

© Shaoshi, 17. Januar 2008
8/10

원탁의 천사 | Wontak-Ui Cheonsa
Südkorea • 2006 • 105 Min. • Komödie
Regie | Kwon Seong-Guk
Drehbuch | Kwon Seong-Guk
Darsteller | Lee Min-Woo, Im Ha-Ryung, Ha Dong Hun, Kim Sang-Jung, Kim Bo-Yeon, Ahn Kil-Kang, Lee Han-Wi, Jo Dal-Hwan, Kim Myeong-Gyun

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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