Filmkritik | Fighter In The Wind (Südkorea, 2004)

Fighter In The WindDas Actiondrama Fighter In The Wind erzählt die frühe Geschichte des in Japan lebenden Koreaners Choi Bae-Dal, der sich nach dem zweiten Weltkrieg als Karatekämpfer einen Namen macht und als Gründer des Kyokushin-Karates gilt. Es ist also ein stark biografisch gefärbter Film, der rückblickend mehr dem Drama- als dem Actiongenre zugeordnet werden kann. Das sollte man schon vor dem Sehen wissen, um nicht unnötig enttäuscht zu werden.

Der anfangs eher mäßige Kampfkünstler Choi Bae-Dal (Yang Dong-Geun) kommt im zweiten Weltkrieg nach Japan, um Kampfpilot zu werden, und bleibt später als Teil einer koreanischen Minderheit im Land, wo er sein Leben fortan im Armenviertel fristen muss und zum Retter von Vergewaltigungsopfern avanciert. Bei den Japanern und Amerikanern macht er sich dabei nicht allzu beliebt, weshalb Choi Bae-Dal und seine Freunde immer wieder zur Zielscheibe betrunkener US-Soldaten vor allem aber von samuraischwertschwingenden Aufschneidern werden. Als Choi Bae-Dals Meister von den japanischen Fieslingen getötet wird, zieht er sich endlich zum Training in die Berge zurück, beseelt von dem Wunsch, nicht nur den Tod seines Meisters zu rächen sondern vor allem der beste Kampfkünstler unter dem Himmel zu werden.

Fighter In The Wind wurde ohne Zweifel sehr aufwändig gedreht. Trotzdem erreicht der Film weder kinematografisch noch dramaturgisch das Niveau anderer teurer Produktionen aus Südkorea. Dafür sorgen zum Beispiel ein paar mäßige Computerretuschen sowie die oft viel zu künstlich wirkenden Studiokulissen, denen man die 30er/40er Jahre nicht so recht abnehmen will, die aber immerhin ganz nett gestaltet wurden.

Auch dramaturgisch bleibt man weit hinter den Möglichkeiten zurück. Der Handlungsverlauf ist so vorhersehbar wie der nächste Halt auf der S-Bahn-Stammstrecke und bietet weder Überraschungen noch Originalität. Stur wird eine Station im Leben Choi Bae-Dals nach der anderen abgehakt und erzählt so den Teil einer typischen Biografie, die höchstens Kampfsportanhänger wirklich interessieren dürfte. Am liebsten versteckt man sich allerdings hinter den üblichen Klischees, arbeitet viel mit Regen oder Schnee, um die Emotionen zu betonen, die sonst ganz außen vorgelassen worden wären, und versteift sich bei der Charakterisierung der Figuren auf stures Schubladendenken. So sind Koreaner die harmlosen Opfertypen, Amerikaner saufende Frauenvergewaltiger, Japaner rassistische und brutale Schlägertypen und deren Frauen wehrlose Vergewaltigungsopfer. Besonders großes Manko ist, dass Hauptfigur Choi Bae-Dal als der »Gute« dabei nur bedingt sympathisch rüberkommt, was größtenteils am unentschlossenen Darsteller liegen dürfte. So bekommt er dann vom Zuschauer auch nicht allzu viel Mitleid, wenn er ständig niedergeschlagen, -gestochen oder -geschossen und anderweitig gedemütigt wird. All der physische Schmerz macht dem Stehaufmanderl nämlich irgendwie nichts aus, während alle anderen quasi schon beim bloßen Anblick eines Samuraischwerts tot umfallen. Der psychische Schaden ist für Choi Bae-Dal da schon schlimmer. Doch genau mit dieser inneren Zerrissenheit, die den Film dominiert, kann Darsteller Yang Dong-Geun nicht so recht umgehen. Schade, sonst hätte man in Fighter In The Wind ein wirklich interessantes Psychogramm zeichnen können.

Ebenso unausgegoren ist die Liebesgeschichte zwischen Choi Bae-Dal und der jungen Yoko (Aya Hirayama) ausgefallen. Dass die Liebe zwischen einem Koreaner und einer Japanerin eigentlich eine »verbotene Liebe« ist, scheint niemanden groß zu interessieren—noch nicht einmal die Filmemacher. So bleibt Yoko nur schmückendes Beiwerk und ihre Liebe verläuft irgendwann nebensächlich im Sande. Das hätte man sich im Grunde auch ganz sparen können.

Kommen wir also zur Action. Die schlägt sich in kurzen relativ dünn gestreuten Szenen nieder. Dass sie kurz sind, ist logisch, wenn man bedenkt, dass sich der von Choi Bae-Dal gegründete Karate-Stil durch eben diese Kürze und Schnelligkeit auszeichnet. Aber auch blutige Straßenkämpfe fallen so kurz—wenn auch angenehm brutal, d.h. realistisch inszeniert—aus. Die Choreographie ist allerdings in keinem Kampf besonders hervorzuheben. Kameragewackel und verzerrte Bilder machen eben noch kein interessantes Gekloppe aus. Choi Bae-Dals Training in den Bergen, welches darin besteht eine Saison lang barfuß durch den Schnee zu stapfen und sich mit Felsbrocken selbst zu steinigen, ehe er zum kampfkunstschulenvernichtenden Rundumschlag in die Stadt zurückkehren kann, setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf und wirkt unfreiwillig lächerlich.

Fighter In The Wind ist also das übliche 0815-Actiondrama, das zum gefühlt zehntausendsten Mal die Biografie eines Kampfsport-Asses erzählt, wobei die Geschichten—mal abgesehen von leicht abgeänderten Rahmenbedingungen—immer dieselben sind. Im vorliegenden Fall konzentriert man sich außerdem mehr aufs (leicht gestümperte) Drama als auf Action, was viele Zuschauer mit falscher Erwartungshaltung etwas enttäuschen dürfte. Mit eigentlich guten Voraussetzungen brachte man letztendlich also nur ein Durchschnittsfilmchen zustande, das routiniert heruntergeleiert wird, ohne groß zu berühren, mitzureißen oder zu sympathisieren. Großteils liegt das ausgerechnet am Hauptdarsteller, der nicht so recht zu wissen scheint, was er mit seiner Rolle anfangen soll, aber auch viele andere größere und kleinere Probleme sind hier störend. Fighter In The Wind ist definitiv kein Meisterwerk aus Südkorea. Ein ziemlich mittelmäßiges Filmerlebnis.

© Shaoshi, 10. April 2010
5/10

바람의 파이터 | Baramui Fighter
Südkorea • 2004 • 116 Min. • FSK 16 • Actiondrama
Regie | Yang Yoon-Ho
Drehbuch | Yang Yoon-Ho, Kim Hyeong-Joo
Darsteller | Yang Dong-Geun, Aya Hirayama, Masaya Kato, Jeong Doo-Hong, Jeong Tae-Woo, Park Seong-Min, Choi Ji-Woong, Ha Sang-Won, Lee Han-Gal, Lee Han-Sol, Koo Seong-Hwan, Yeom Cheol-Ho, Baek Dong-Hyeon, Kim Jeong-Tae, Kim Kyeong-Hee, Kim Won-Sik

Und wie gefällt Euch der Film?

Cover-Quelle: movie.douban.com

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