Filmkritik | Extreme Ironing (Taiwan, 2006)

Extreme IroningDer taiwanesische Fernsehsender PTS strahlt nun schon seit einigen Jahren unter der Rubrik »Life Story« diverse, oft naive Low-Budget-Filmchen aus. Robin Lees Extreme Ironing nimmt sich da nicht aus und richtet sich vermutlich eher an die Jungen und Junggebliebenen unter uns. Mit seiner Idee serviert uns der Film so eine Art Cool Runnings für Arme in der Vorstufe.

Vier Jungs vom Kletterclub ihrer örtlichen Highschool träumen davon, ganz cool zu sein, werden in ihrem bescheidenen Club-Dasein aber noch nicht mal von den Lehrern ernst genommen. Als eine neue Mitschülerin in ihre Klasse kommt, deren Schuluniform immer faltenfrei gebügelt ist, bricht neuer Ehrgeiz in den Jungs aus. Als sie im Internet zufällig über eine Seite über die Extreme Ironing-Weltmeisterschaft—die Extremsportarten mit Bügeln verbindet—stolpern, haben sie auch schon ihre neue Berufung gefunden. Erzählt wird nun nicht etwa ihre Teilnahme am Wettbewerb oder wie sie in den verschiedensten Stellungen bügeln, sondern wie sie selbst ihren Weg finden, wie man in einer Extremsituation bügelt. Denn wie will man beim Klettern auf einen Felsen oben ein heißes Bügeleisen haben, wie verletzt man sich nicht beim Transport, welches Bügelbrett eignet sich am besten und wie bügelt man überhaupt richtig?

Das mag sich nun nicht für jedermann verlockend anhören, doch wer einer spaßigen Low-Budget-Produktion, die oft so aussieht, als hätten ein paar Oberschüler in ihrer Freizeit einen Amateurfilm gedreht, nicht abgeneigt ist, kommt hier durchaus auf seine Kosten. Extreme Ironing ist keinesfalls trashig, auch wenn man das vielleicht vermuten würde. Er ist halt nur mit einfachsten Mitteln gedreht worden, und dabei hat man mit Tang Zhen Gang durchaus einen Darsteller gefunden, der wenigstens bis vor einiger Zeit noch auch als Sänger bekannt war.

Das Treiben der vier Jungs, die so einfach gestrickt sind, ist einfach herrlich anzusehen. Da ist der Dicke, der die ganze Zeit isst, ziemlich langsam ist und ständig eine Stoffkatze herumträgt (für eine echte Katze hat es wohl nur in einer Szene gereicht). Da ist der Loser mit Höhenangst, der dem Club beitritt, um genau diese endlich zu überwinden, der Coole, der lieber klettert als bügelt, und der Idealist, der auf die Sache mit dem Bügeln nur gekommen ist, um ein Mädchen zu beeindrucken. Mit falschen Zeitlupen, einer senilen, langsamen Großmutter, witzigen Dialogen und doofen (teils comichaften) Einfällen, wie sie wohl nur von einem Chinesen stammen können, wird Extreme Ironing ganz schön unterhaltsam, zumal sich das Filmchen auch nie selber ernst nimmt. Die Jungs müssen so manche Hürde nehmen. Da ist das Kletter-Üben mit Bügelbrett auf dem Rücken ebenso dabei, wie das gefährliche Experimentieren mit chemischen Substanzen, um ein warmes Bügeleisen zu bekommen, das keinen Strom braucht.

Die Kulisse im ländlichen, ärmlichen Taiwan ist obendrein noch toll gewählt. Man darf sich jetzt natürlich nicht auf einen effektgeladenen Blockbuster einstellen, dann wird Extreme Ironing auch nicht enttäuschen. Denn trotz aller Bedenken und aller schlechter Ausgangspunkte ist Extreme Ironing fast schon eine Perle der einfachen, anspruchslosen aber witzigen Unterhaltung.

© Shaoshi, 3. Juni 2009
7/10

極限燙衣板 | Ji Xian Tang Yi Ban
Taiwan • 2006 • 75 Min. • Komödie
Regie | Robin Lee
Darsteller | Li Jia Ying, Tang Zhen Gang, Lego Li Guoyi, Chen Jian Hong, Jiang Hongxun

Und wie gefällt Euch der Film?

Bildquelle: movie.douban.com

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